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Brandenburg Neue Gefahr für das Berliner Nachtleben
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13:11 01.12.2019
Der Sage Club in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte soll geschlossen werden. Quelle: imago
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Berlin

Im KitKat Club in der Köpenicker Straße ist so ziemlich jeder Fetisch erlaubt. Bilder aus dem Club zeigen Menschen in Lack, Leder und Strapsen. Sie tragen Camouflage-Hosen, blaue Perücken und hohe Schaftstiefel. Männer, die auf Frauen stehen. Männer, die auf Männer stehen. Frauen, die auf Frauen stehen. Und alles durcheinander, mal so, mal so. Wo die Liebe hinfällt.

Nur eine Klientel wird an der Tür des weltberühmten Technoclubs scheitern, das betonen die Betreiber in ihrem Dresscode: „Erlaubt und erwünscht ist alles, außer dem üblichen Jeans-und-T-Shirt-Einerlei.“

Im Juni 2020 soll Schluss sein

Der vor 25 Jahren gegründete KitKat Club gehört zu den wenigen verbliebenen Institutionen, die noch einen lustvollen Gegenentwurf zum längst gezügelten Berliner Nachtleben wagen. Er ist schrill, bunt, sexy – und bald vielleicht Geschichte. Denn der Besitzer des Gebäudes, das KitKat und Sage Club für ihre Partys abwechselnd nutzen, hat den Mietvertrag gekündigt.

Will sich wehren: Sascha Disselkamp, Hauptmieter des Sage Clubs in Berlin. Quelle: imago

Im Juni 2020 soll Schluss sein. Das bestätigt Sascha Disselkamp. Er betreibt als Hauptmieter den 1997 gegründeten Sage Clubs, in dem immer donnerstags Rockbands auftreten und DJs entsprechende Musik auflegen.

Lärmbeschwerden, Immobiliendeals

Auf dem imaginären Friedhof der Berliner Clubs kommen also möglicherweise zwei neue Inschriften hinzu. Lärmbeschwerden, Immobiliendeals und politisches Versagen haben die Liste der geschlossenen Standorte in die Länge gezogen. Mit dem nicht zuletzt der Party-Kultur zu verdankenden Berlin-Hype und zigtausenden Zuzüglern ging auch der Ärger los.

Da wäre zum Beispiel der Knaack-Klub, der einen Rechtsstreit wegen nächtlichen Lärms verlor und an Silvester 2010 die letzte Party veranstaltete. Der 1952 gegründete ehemalige Jugendclub in der Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg, in dem unter anderem Rammstein ihre Karriere begannen, musste sich den Beschwerden zugezogener Nachbarn beugen.

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Dabei offenbarte sich, als es zu spät war, dass die Pankower Bezirksverwaltung die Eskalation zu verantworten hatte. Sie hatte die Baufirma nicht ausreichend auf Schallschutzmaßnahmen aufmerksam gemacht und zugelassen, dass der Neubau Wand an Wand zum Club entstand. Rund eine Fingerlänge Abstand hätte bereits für mehr Ruhe gesorgt.

Rosi’s, Kaffee Burger, Bassy: alle dicht

„Es muss in einer großen Stadt Räume geben, in denen sich die Menschen begegnen können“, sagt Lutz Leichsenring, „außerdem hängen von diesen Orten auch Arbeitsplätze und Touristenzahlen ab.“ Dem Sprecher der Clubcommission, die sich für die Interessen der Partyveranstalter einsetzt, fallen auf Anhieb etliche Clubs ein, die in den vergangenen zehn Jahren schließen mussten.

Zum Beispiel das Rosi’s, Kaffee Burger, King Size, Johnny Knüppel und der Bassy Club. Dem Hip-Hop-Club St. Georg kam der unangekündigte Anbau von Etagen mit Bürolofts dazwischen, die legendäre Bar 25 musste einer Neubebauung an der Spree weichen. Aktuell gefährdet die weitere Bebauung alternative Projekte an der Rummelsburger Bucht und der Weiterbau der A 100 könnte langfristig das Ende unter anderem für den Salon zur wilden Renate bedeuten.

Betreiber wollen sich wehren

Die Betreiber von KitKat und Sage Club wollen sich derweil gegen die Kündigung ihres Mietvertrages wehren. Gemeinsam mit einem privaten Investor möchte der Hauptmieter Sascha Disselkamp das Areal selbst kaufen. Er plant Proberäume, Ateliers, Senioren-WGs und den Bau eines Hospizes. Der Plan sieht zugleich vor, beide Clubs zu erhalten. Lutz Leichsenring von der Clubcommission hält die Idee für zeitgemäß.

„Nicht jeder, der in der Stadt aufgewachsen ist und dort gelebt hat, will später auf dem Land am See wohnen.“ Und im Übrigen reiche auch das Alter der Besucher im KitKat Club von 18 bis mindestens 68. „Kaum woanders kann man diese Erfahrungen mit der eigenen Sexualität im halböffentlichen Raum machen – und das zieht ein bunt gemischtes Publikum an.“

Das müssen Sie über Berlins Clubs wissen

• Der KitKat Club, der in Berlin schon mehrmals den Standort gewechselt hat, ist in der Fetisch-Szene eine weltweit bekannte Adresse. Dort legen an jedem Wochenende internationale Techno-DJs auf. Der Sage Club widmet sich dagegen dem Indierock mit aufstrebenden Bands, denen dort immer donnerstags ein Forum geboten wird.

• Die Politik hat sich wegen der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung in den vergangenen Jahren verstärkt in die Diskussion über die Clubkultur eingeschaltet. „Wir erleben leider ein schleichendes Aussterben der Berliner Clubszene“, sagt Christian Goiny, Sprecher für Medienpolitik der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er empfiehlt dem Senat, dem KitKat und Sage Club Ersatzquartiere zu langfristig günstigen Mietkonditionen anzubieten.

• 168 Millionen Euro jährlich beträgt laut einer Studie der Clubcommission der Gesamtumsatz der Berliner Clubs. Rund 9000 Beschäftigte arbeiten demnach in der Branche.

Von Maurice Wojach

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