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Brandenburg Forscher tricksen Geheimniskrämer für Datenbank über sowjetische Truppen in DDR aus
Brandenburg Forscher tricksen Geheimniskrämer für Datenbank über sowjetische Truppen in DDR aus
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00:19 02.04.2019
Saal der Kapitulation im Deutsch-Russischen Museum Quelle: THORSTEN KELLER
Berlin.

Im Berliner Stadtteil Karlshorst endete am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg. Hier unterzeichnete Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Tische, Stühle und die damalige Dekoration mit den Flaggen der Alliierten an der Stirnwand blieben unverändert. Seit 1967 wird das einstige Offizierskasino als Museum genutzt, gemeinsam getragen von der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation.

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Als Gorbatschow die sowjetischen Soldaten heimholte

Bei Kriegsende befinden sich fast eine Million Soldaten der Roten Armee auf deutschem Boden. Mehr als die Hälfte davon war ein Jahr später in die UdSSR zurückverlegt worden, doch bis zum Ende der DDR sank die Zahl der sowjetischen Soldaten nie unter 350.000. Dazu kamen die Familien der Offiziere und Zivilangestellte. Die GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) schien allgegenwärtig zu sein, dennoch lebten die Soldaten und die Familien der Offiziere weitgehend isoliert von der deutschen Öffentlichkeit.

Die exzessive Geheimhaltung überdauerte auch den im August 1994 beendeten Truppenabzug. Einen umfassenden Überblick über die auf DDR-Gebiet stationierten sowjetischen Truppenteile gab es bislang nicht. Eine neue am Donnerstag freigeschaltete Datenbank des Deutsch-Russischen Museums will diese Lücke schließen. Kooperationspartner des Museums sind das Deutschen Historischen Institut in Moskau und das Zentrum Militärgeschichte der Bundeswehr in Potsdam.

Die Datenbank basiert im Wesentlichen auf zwei Datensätzen. Da sind zum Einen die Akten des Militärarchivs in Freiburg. Dort wurden sämtliche Standorte der GSSD katalogisiert, als die Liegenschaften 1990/91 an die Bundesrepublik zurückfielen. Über 616 Standorte, darunter 237 in Brandenburg, können die Militärhistoriker zumindest mit Sicherheit sagen: Der Russe war da.

Geheimdienst-Informationen über die einzelnen Standorte (von der Stasi oder von westlichen Spionen) ergänzen zwar das Bild – was jedoch fehlt, sind Originalquellen aus Russland. „Wir träumen davon, Zugang zu russischen Militärarchiven zu bekommen“, sagt Museumsleiter Jörg Morré. Laut Matthias Uhl vom Deutschen Historischen Institut in Moskau haben Ausländer aber keine Chance dort zu forschen. Jedenfalls nicht offiziell.

„Einmalige Quellen“

Vergnügt erzählt Uhl, wie er für die Arbeit an der Datenbank die Geheimniskrämer ausgetrickst hat. „Auf den üblichen russischen Wegen“, also über belastbare persönliche Kontakte, hätten die deutschen Forscher dann doch einen Fuß in der Tür gehabt, im Archiv des Generalstabs der Roten Armee. Dort lagern unter anderem die Stationierungslisten, die jedes Jahr aktualisiert wurden.

Natürlich konnte Uhls Gewährsmann im Archiv keine Kopien anfertigen – also schrieb er die Stationierungslisten für das Jahr 1946 per Hand ab, ein mühsamer und zeitraubender Job. Zwar klafft zwischen beiden Datensätzen eine große zeitliche Lücke. Dennoch schwärmt Historiker Uhl von einem „sehr großen Erfolg“ und „einmaligen Quellen“, die geeignet seien, die GSSD-Strukturen besser zu begreifen. „Bisher kennen wir diese Struktur nur in Bruchstücken.“

Das Deutsch-Russische Museum ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt frei. Schwerpunkte der Dauerausstellung sind der deutsche Überfall auf die Sowjetunion und der Zweite Weltkrieg. Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin.

Von Thorsten Keller

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