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Brandenburg Neue Studie sieht Chance für früheren Kohleausstieg in der Lausitz
Brandenburg Neue Studie sieht Chance für früheren Kohleausstieg in der Lausitz
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15:43 11.07.2019
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Der letzte Block sollte nach der Studie 2029 abgeschaltet werden. Quelle: dpa
Potsdam

Der Ausstieg aus der Braunkohle in der Lausitz könnte einer neuen Studie zufolge schon deutlich eher erfolgen als von der Kohle-Kommission des Bundes vorgeschlagen. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern ist die Abschaltung der beiden Kraftwerke in Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg bis spätestens 2032 möglich. Als Letztes könnte der Block B des Kraftwerks Schwarze Pumpe in Spremberg (Spree-Neiße) mit einer Leistung von 750 Megawatt vom Netz gehen, hieß es. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission hatte vorgeschlagen, dass der Kohleausstieg schrittweise bis 2038 vollzogen werden soll.

Die 140-seitige Studie im Auftrag der Linken-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurde, enthält einen Ausstiegsplan aus der Kohle auf Grundlage bisher vorliegender Daten. Bei der zeitlichen Abfolge der Stilllegungen wurden das Alter der Kraftwerke und die Forderung der Kommission, die Emissionen zwischen 2023 und 2029 stetig zu verringern, mit einbezogen. Das letzte Kraftwerk in Sachsen, in Boxberg, könnte 2035 abgeschaltet werden. Konkrete Abschalttermine hatte die Kohle-Kommission nicht genannt.

Wie schnell der Ausstieg erfolgen kann, hänge aber auch vom Prozess des Strukturwandels in der Lausitz ab, betonte Projektleiter Axel Troost. Der Ökonom war von 2005 bis 2017 finanzpolitischer Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion.

Größte Herausforderung: Gut bezahlte Jobs für die nächste Generation

Gefordert wird eine regionale Entwicklungsgesellschaft für die Lausitz, die länderübergreifend wirken solle. Die Situation für die rund 7000 Beschäftigten in den Kraftwerken und Tagebauen der Lausitz des Leag-Konzern wäre bei einem solchen Ausstiegsdatum weitgehend entspannt. Aufgrund des hohen Durchschnittsalters können laut Studie betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Für viele Mitarbeiter endet mit dem Kohleausstieg auch die Berufstätigkeit. Ein anderer Teil könnte durch Sonderregelungen für Bergleute vorzeitig in den Ruhestand wechseln. Nach Schätzungen der Autoren hängen 10.000 bis 16.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Kohle ab, das seien zwei bis drei Prozent aller Erwerbstätigen. Das erscheine wenig, allerdings handele es sich um besonders gut bezahlte Arbeitsplätze.

Deshalb bestehe die größte Herausforderung darin, gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze in anderen Bereichen für die nächste Generation zu schaffen, heißt es in der Studie weiter. Angemahnt wird, den Strukturwandel „nicht von oben“ zu verordnen, sondern gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu organisieren. Als nötig wird die Erarbeitung eines „Leitbild der Lausitz als grüne Region der Seen“ angemahnt.

Von Igor Göldner

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