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Brandenburg Dahme-Spreewald ist Spitzenreiter im Osten
Brandenburg Dahme-Spreewald ist Spitzenreiter im Osten
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15:11 22.08.2019
Der Flughafen Schönefeld liegt in Brandenburg – der Landkreis profitiert von der Wirtschaftskraft des Airports. Quelle: dpa
Potsdam

Der Flughafen-Kreis Dahme-Spreewald ist einer neuen Studie zufolge der einzige Landkreis in Ostdeutschland, der seinen Bürgern eine ähnlich gute Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bieten kann wie die wohlhabenden ländlichen Regionen in Bayern und Baden-Württemberg.

Daneben findet sich von den märkischen Großstädten nur in Potsdam Lebensverhältnisse, die mit denen in Köln, Aachen und Hannover vergleichbar sind. Dieses Niveau erreichen sonst auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nur Jena und Dresden.

Drei von vier großen Städten in unterster Kategorie

In der Studie mit dem Titel „Teilhabeatlas Deutschland“ hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung – eine Denkfabrik - mit Unterstützung der Wüstenrot Stiftung alle 401 Landkreise und kreisfreie Städte nach folgenden Faktoren untersucht: Hartz-IV-Quote, verfügbares Einkommen, kommunale Steuerkraft, Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, Lebenserwartung, Abwanderung, Entfernung von Versorgungseinrichtungen und Ärzten zum Wohnort sowie die Breitbandversorgung. Die Datenbasis stammt von 2017 und 2016.

Ostdeutschland hinkt weit hinter den West-Bundesländern her. Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel etwa fallen in die prekärste Kategorie unter den Städten bundesweit.

Dem Ruhrgebiet geht es kaum besser

Deutschland ist dem Atlas zufolge weit von gleichwertigen Lebensverhältnissen in seinen verschiedenen Regionen entfernt. Die schlechten Strukturdaten teilt Ostdeutschland mittlerweile mit vielen Ruhrgebietsstädten und Teilen von Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Niedersachsen und Schleswig Holstein.

Die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger in Potsdam liegt mit 9,7 Prozent nur gut halb so hoch wie in den drei anderen kreisfreien Städten Frankfurt, Brandenburg und Cottbus (jeweils rund 17 Prozent), in Dahme-Spreewald lebten im Vergleichsjahr sieben Prozent der Menschen von Arbeitslosengeld II, in Potsdam-Mittelmark nicht einmal fünf Prozent.

Sechs Speckgürtelkreise unter den Top-Ten des Ostens

Die Speckgürtel-Landkreise Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Barnim, Oberhavel und Havelland liegen allesamt unter den ersten zehn Kreisen im Osten, dagegen ist der Landessüden so strukturschwach wie weite Teile des Ostens. Die höchsten Einkommen werden im Speckgürtel verdient. Bürger aus Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) oder der Uckermark haben nur rund 17.500 Euro Haushaltseinkommen pro Person im Jahr zur Verfügung – in Potsdam-Mittelmark dagegen haben Haushalte pro Jahr und Kopf 4000 Euro mehr in der Tasche.

Die Lebenserwartung schwankt je nach Region. So werden Hamburger (80,9 Jahre) im Schnitt ein Jahr älter als Cottbuser (79,9 Jahre). In Dresden beträgt die Lebenserwartung sogar 82,3 Jahre. Am Fall Dresden macht das Institut klar, wie wichtig die Psychologie bei der Selbsteinschätzung der eigenen Chancen sein kann. Die sächsische Residenzstadt entwickle sich prächtig, dennoch seien viele Menschen unzufrieden. „In den ostdeutschen Regionen wirkt die traumatische Erfahrung des Zusammenbruchs, der biografischen Brüche und der massiven Abwanderung bis heute nach. Das erschwert es womöglich, Verbesserungen zu sehen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln“, schreiben die Autoren.

Linke: Nach 30 Jahren immer noch abgehängt

„Die neuen Bundesländer sind 30 Jahre nach der Wende immer noch abgehängt“, kommentiert der Landtags-Spitzenkandidat der Brandenburger Linken, Sebastian Walter. Das sei ein Armutszeugnis, auch wenn Dahme-Spreewald eine Ausnahme bilde. Die Folgen der „systematischen Deindustrialisierung des Ostens und der Privatisierung durch die Treuhand sind bis heute nicht überwunden“, sagt Walter. Alle Beteuerungen der Bundesregierung, für eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse einzutreten, seien „Lippenbekenntnisse“, so Walter. In dieser Situation wolle die Regierung auch noch den Solidaritätszuschlag abschaffen, kritisierte der Linken-Politiker.

Anstatt eine nicht zu erfüllende „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ zu verfolgen, wie es die Bundesregierung tue, sollte die Politik lediglich eine bundesweit einheitliche Grundversorgung definieren, sagte Reiner Klingholz, der Direktor des Berlin-Instituts, am Donnerstag bei der Präsentation der Studie. Dazu gehöre etwa eine garantierte Elektrizitätsversorgung und eine ordentliche Internetverbindung.

Dahme-Spreewald zählt schon seit Jahren zu den dynamischsten Regionen Deutschlands. Zum Ende vorigen Jahres waren laut Industrie- und Handelskammer rund 250 Unternehmen mehr im Landkreis registriert als ein Jahr zuvor. Der Flughafen strahlt maßgeblich in den Kreis aus.

Von Ulrich Wangemann

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