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Brandenburg Andreas Kalbitz wirkte an umstrittenem Hitler-Film mit
Brandenburg Andreas Kalbitz wirkte an umstrittenem Hitler-Film mit
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15:29 01.08.2019
Andreas Kalbitz (AfD), Landesvorsitzender AfD in Brandenburg, beim Wahlkampfauftakt vor der Landtagswahl in Cottbus. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Potsdam

Der Spitzenkandidat der Brandenburger AfD, Andreas Kalbitz, war an der Entstehung zweier Dokumentarfilme über Adolf Hitler und den Zweiten Weltkrieg beteiligt gewesen, die die Geschichte verklären. Das berichtet die Welt.

Die Filme tragen den Titel „Hitler. The Unknown Soldier. 1914 –1918“ („Hitler. Der unbekannte Soldat“) sowie „Von Garmisch in den Kaukasus. Die Geschichte der 1. Gebirgsdivision 1941–1942“. Die Division war an schwersten Kriegsverbrechen beteiligt.

Kalbitz räumt Beteiligung ein

Im Hitler-Film werden Kalbitz sowie dessen Schwiegervater Stuart Russell als Autoren genannt. Kalbitz räumte die Beteiligung an dem Werk gegenüber der Zeitung ein: „Diese beiden Filme habe ich zusammen mit meinem Schwiegervater Stuart Russell erstellt", sagte Kalbitz. Dieser habe sich „als Brite mit deutschen Texten schwer getan“. Kalbitz habe ihm „gerne dabei geholfen, die Scripts zu überarbeiten“, sagte er.

Kalbitz ist mit einer Britin verheiratet. Sein Schwiegervater Stuart Russell starb der Zeitung zufolge 2006. Er war britischer Soldat und lebte in der Nähe der Wewelsburg bei Paderborn. Russell schrieb mehrere Bücher über den Ersten und Zweiten Weltkrieg, darunter das Buch „Himmlers Burg. Zentrum der SS“ oder „Frontsoldat Hitler. Der freiwillige des Ersten Weltkriegs“, die von rechten Versandhäusern vertrieben werden.

„Geschickte Hitler-Verherrlichung“

Für Thomas Weber, Professor für Geschichte an der Universität Aberdeen, macht der Hitler-Film „den Eindruck einer geschickten Hitler-Verherrlichung“. „Augenscheinlich unkritisch übernommen“ werde in dem Film „die Geschichte, die die NS-Propaganda und Hitler selbst über seine Zeit im Ersten Weltkrieg zu erzählen versuchten“.

Nur vordergründig relativiert werde dies laut Weber durch eingeschobene Teile eines Interviews mit dem renommierten Historiker Ian Kershaw. Das wirke im Film, „als versuchten die Autoren davon abzulenken, dass sie die Kernaussagen der NS-Propaganda über Hitler gegen die historische Zunft verteidigen“. Kershaw gilt als einer der profiliertesten Hitler-Kenner, seine Bücher sind Standardwerke.

„Mir scheint der Film zu suggerieren, dass Hitlers Antisemitismus auf tatsächlich existierende ‚kapitalistische Bestrebungen‘ und eine ‚finanzielle Macht‘ der Juden als Ursprung aller Miseren in der Welt zurückzuführen sei. Das Gleiche gilt nach meiner Einschätzung für die im Film zu hörende Aussage, dass der Erste Weltkrieg Resultat einer ‚evil alliance‘ von Juden und Marxisten sei“, erklärte Weber weiter.

Hitler und die Präventivschlagthese

Ein zweiter Film, für den Kalbitz das Drehbuch geschrieben haben soll, befasst sich mit der 1. Gebirgsdivision, die im Zweiten Weltkrieg am Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion beteiligt war. Darin wird laut „Welt“ der Eindruck vermittelt, als habe es sich bei dem Vorrücken der Division um eine Heldentat gehandelt. Die Division war an schweren Kriegsverbrechen beteiligt, was in dem Film verschwiegen werde.

Kalbitz weist diese Darstellung zurück. Gegenüber der MAZ sagt er, der Film sei als Zweiteiler gedacht gewesen, allerdings sei der zweite Teil nie produziert worden. Da die Kriegsverbrechen der besprochenen Division erst 1943 begangen worden seien, tauchten sie in der Darstellung der Jahre 1941 und 1942 nicht auf, so Kalbitz.

Film lobt „übermenschliche Leidensfähigkeit“ der Division

In dem Film kommt der Militärhistoriker Heinz Magenheimer zu Wort, der die These vertritt, die Sowjetunion habe einen Angriff auf Deutschland geplant, dem Hitler nur zuvorgekommen sei. Magenheimer behauptet in dem Film, dass „dem deutschen Angriff mittelfristig gesehen ein präventiver Aspekt“ zugrunde gelegen habe. Diese These gilt unter Historikern als widerlegt.

Kalbitz weist darauf hin, dass der Film über die „Edelweißdivision“ im bekannten Weltbild-Versand noch immer vertrieben wird. Sein Schwiegervater habe freiberuflich auch für die BBC gearbeitet.

Im Werbe-Text bei „Weltbild“ heißt es, die Gebirgsjäger hätten „militärisch wie auch alpinistisch Maßstäbe fast übermenschlicher Leidensfähigkeit“ gesetzt. Und weiter: Die „Schrecken des Krieges in Einzelschicksalen“ würden ebenfalls dokumentiert in dem Streifen. Kalbitz weist darauf hin, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien dem Streifen eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt habe.

In Wahrheit gehe es bei dem Bericht über die Filme „doch nur darum, Schlagzeilen zu produzieren, in denen „Hitler“ und „Kalbitz“ in einem Satz genannt werden können“, vermutet Kalbitz und spricht von „hilflosem medialen Nazi-Bashing“.

„Habe keine rechtsextreme Biografie“

Kalbitz wurden wiederholt Kontakte ins rechtsextreme Milieu nachgewiesen. Der Münchner war 1993 für ein Jahr Mitglied bei den „Republikanern“, worüber Kalbitz sagt: „In zwölf Monaten macht man nicht viel“. Er war an der Entstehung des „Witikobriefs“ beteiligt, in dem er über den angeblichen „Ethnozid am deutschen Volk“ spricht. Das sei, so Kalbitz, eine „eventuell etwas unüberlegte Sprachwahl“ gewesen, „die sicher meinem Alter geschuldet war“.

Hoch umstritten ist auch die Teilnahme von Kalbitz an einem Zeltlager der neonazistischen und 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). „Wenn ich es irgendwie für sinnvoll erachtet hätte, dann hätte es mich weiterhin interessiert. Hat es aber nicht“, sagte er hierzu dem Blatt. Medien, die darüber berichten, unterstellt Kalbitz, sie würden die „Extremismuskeule“ schwingen.

Er sagte: „Ich habe keine rechtsextreme Biografie“

Linke: „Ein Nazi bleibt ein Nazi“

Der Landtagswahl-Spitzenkandidat der Linken, Sebastian Walter, äußerte: „Andreas Kalbitz macht genau das, was die sogenannte Alternative für Deutschland auf ihren Wahlplakaten in Brandenburg ankündigt: Sie, also auch Andreas Kalbitz selbst, möchte Geschichte schreiben.“ Das schließe „die Verklärung, Verharmlosung und das Beschönigen Adolf Hitlers und seines Wirkens mit ein“, so Walter. „Ein Nazi bleibt ein Nazi – da hilft kein Etikettenschwindel“, sagte Walter. Kalbitz’ Versuch, eine bürgerliche Fassade zu wahren, sei gescheitert.

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Von Torsten Gellner und Ulrich Wangemann

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