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Brandenburg Feiern am schwimmenden Tresen
Brandenburg Feiern am schwimmenden Tresen
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18:16 04.07.2018
Touren mit der Familie, mit Freunden oder Arbeitskollegen liegen im Trend. Hier war Familie Damitz aus Berlin unterwegs auf dem Tiefen See in Potsdam. Quelle: foto: archiv/Gartenschläger
Potsdam

Statt in der Kneipe oder im gemieteten Saal auf einem Hausboot oder Floß feiern: Das wird in Brandenburg immer beliebter. Nachdem bereits seit einigen Jahren die Zahl an Charterbooten im Land stetig zunimmt, greift allmählich auch ein Trend aus Berlin über – der Trend zur Party auf dem Wasser. „Vor allem junge Männer buchen unser spezielles Angebot“, sagt Sophie Altmann. In Werder (Potsdam-Mittelmark) vermietet sie gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin seit 2014 mehrere Hausboote. Im vergangenen Jahr erweiterten sie ihr Angebot um ein Partyboot. „Vor allem Junggesellenabschiede aber auch runde Geburtstage werden darauf gefeiert“, berichtet Altmann.

Beliebt sind die Partyhausboote vor allem aus einem Grund: Ein professioneller Skipper muss nicht an Bord sein. Weil die maximal 15 Meter langen und zwölf Stundenkilometer schnellen Boote auch ohne Bootsführerschein gefahren werden dürfen, können die Feiernden ganz unter sich sein. „Für den Charterschein erhalten die Mieter zu Beginn eine dreistündige Einweisung“, sagt Vermieterin Sophie Altmann. Die ist gesetzlich vorgeschrieben.

Denn ganz ohne Vorkenntnisse sollen die Hobbyskipper nicht auf freie Gewässer losgelassen werden. „Im Theorieteil werden die Verkehrsregeln erklärt“, berichtet Altmann, „es gibt eine Bootseinweisung und Fahrübung mit An- und Ablegen. Außerdem informieren wir zu gebietsspezifischen Details.“

Musik, Bar, Kühlschrank

Sophie Altmann hat das Partyboot passend ausgestattet: Musikanlage, Bar, Tresen, Kühlschrank für die Getränke. Vor allem an Himmelfahrt und Pfingsten sei die Nachfrage enorm, erzählt sie. Aber auch im restlichen Sommer ist das Boot oft ausgebucht. Bis Oktober sind alle Wochenenden bereits vergeben.

Während in Berlin an Wochenenden in manchen Ecken der Stadt die Spree von Partybooten mit wummernder Musik geradezu überfüllt ist, bieten in Brandenburg bislang nur wenige Charterunternehmen solche Gefährte an. Auch auf ihren Internetseiten werben sie nur zurückhaltend mit dem Feiern auf dem Wasser. Warum das so ist, kann Sophie Altmann nur mutmaßen. „Der Trend zur Party auf dem Hausboot, das man allein fahren kann, war schon vor fünf Jahren absehbar“, sagt sie.

Dennoch: Obwohl die Nachfrage es rechtfertigen würde, vermietet sie ihre normalen Hausboote nicht an Partygäste. „Dafür sind sie uns zu schade“, sagt sie. Die Endreinigung sei aufwändig. Außerdem buchen die meisten Partygäste nur für maximal zwei Nächte. Der brandenburgische Durchschnitt bei den Charterern liegt bei vier bis sieben Nächten.

Tourismusverband ist skeptisch

Beim Tourismus-Marketing Brandenburg werden die Partygäste nicht gesondert erfasst. Die jüngste Bootsurlauberbefragung verschiedener Wassertourismus-Initiativen im Land erfragte zwar bei knapp 900 Gästen die Gründe für ihre Mietbootsreise, doch stand das Feiern nicht bei den Antwortoptionen. Auf Platz 1 landeten Natur, Landschaft und Schönheit.

Einen Partyboot-Tourismus, wie er teilweise in Berlin zu beobachten ist, sieht der Tourismusverband auch eher kritisch. Brandenburg sei mit Berlin auch gar nicht vergleichbar, die Naturkulisse sei in der Mark eine völlig andere, sagt Peter Krause, Chef des Tourismusverbands Ruppiner Seenland. „Partyboottourismus größeren Ausmaßes würde das Versprechen für Natur-Urlaub auf, im und am Wasser in Brandenburg unglaubwürdig erscheinen lassen und die wassertouristische Marke im Reiseland Brandenburg im Kern schwer beschädigen“, sagt er. Berliner Verhältnisse auf dem Wasser seien eher mit Städten wie Amsterdam vergleichbar und nicht mit den ländlichen Räumen Brandenburgs. „Wer sich für Bootsurlaub in Brandenburg entscheidet, hat viele Prioritäten – nur keine Bootsparty“, so Krause.

Gleichwohl: Der Trend zum Urlaub auf dem Wasser sei ungebrochen. Besonders Flöße, also eher einfache Konstruktionen, seien in den vergangenen Jahren dazugekommen. „Eine deutliche Mehrheit der Bootsurlauber in Brandenburg genießt dabei in erster Linie das überwältigende Naturerlebnis auf und an den Flüssen und Seen – eben klassische Wassertouristen“, meint Krause.

Polizei registriert viele Unfälle

Die Polizei hat angesichts des Booms mehr zu tun. Die meisten Unfälle ereigneten sich wie in den Vorjahren mit Sportbooten. Auffällig hoch bleibt dabei der Anteil der verunglückten Charterboote, zu denen nicht nur Hausboote und Partyflöße, sondern auch Ruder-, Paddel- und Tretboote zählen. Demnach wurden 46 Prozent aller Schiffsunfälle von Charterbooten verursacht.

„Sehr viele Mieter solcher Freizeitboote sind ungeübt, was die Technik betrifft, und unwissend, was nautische Besonderheiten und das Verhalten auf der Wasserstraße angeht“, sagt Joachim Pötschke, Leiter der Wasserschutzpolizei. „Hier sind die Vermietungsunternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. Je mehr Sorgfalt sie auf die Einweisung verwenden, desto sicherer sind die Mieter unterwegs – man darf nicht nur das Geschäft sehen.“

Ungefährlich ist der Partyspaß auf dem Wasser mitunter nicht. In Berlin kam es vorige Woche zu einem Unfall mit einem Grillboot. Das sind runde, schlauchbootartige Gefährte mit einem Tischgrill in der Mitte. Bei einer Tour über die Havel kam es beim Auftanken zu einer Verpuffung. Zwei Insassen versengten sich die Haare. Ein Sprung ins Wasser verhinderte Schlimmeres.

Von Victoria Barnack

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