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Brandenburg easySeed: Innovation für bequeme Hobbygärtner
Brandenburg easySeed: Innovation für bequeme Hobbygärtner
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00:31 11.05.2019
Nachgebaute Packstube im Samenhandelsmuseum in Gönningen (Baden-Württemberg) Quelle: picture alliance / dpa
Großbeeren

 Die Innovation, mit der das Großbeerener Unternehmen Carl Pabst die Hobbygärtnerei auf eine neue Stufe der Bequemlichkeit befördern will, sieht unscheinbar aus. Geschäftsführer Thomas Träger stellt eine Pappschachtel auf den Tisch, und schüttelt eine handvoll grüne, graue und erdbraune Lehmkügelchen heraus, die ungefähr so groß sind wie Wasabinüsse.

Auf dem Lebensmittelmarkt haben sich sogenannte Convenience-Produkte, die sich der Verbraucher ruckzuck bar jeder Kochkunst zubereiten kann, längst durchgesetzt. Etwas Vergleichbares für den Hobbygärtner, der mit minimalem Einsatz ein ansehnliches Blumenbeet anlegen möchte, verspricht nun „easySeed“, eine Gemeinschaftsentwicklung der Carl Pabst GmbH mit der Firma Instant Seed aus Blankenfelde-Mahlow. Thomas Träger erklärt: „Der große Vorteil ist, dass ich das Saatgut nur noch auf den Boden aufstreuen muss, weil es sich in einem schützenden Lehmmantel befindet.“ Der Samen wird nicht von Vögeln oder Insekten gefressen, und auch nicht so leicht vom Regen weggespült und vom Winde verweht. „Wenn ich eine reine Blumenmischung in die Landschaft streue, und nicht aufwendig in den Boden einarbeite, habe ich einen Erfolg von 5 bis 10 Prozent. Mit easySeed haben Sie eine Erfolgsquote von 70-80 Prozent.“

Thomas Träger ist Geschäftsführer der Carl Papst GmbH Quelle: Thorsten Keller

Was Thomas Träger da in seinem Büro vorführt, ist Zukunftsmusik. easySeed kommt im Januar 2020 in den Handel, die Verträge sind gemacht, zwei große Einzelshandelsketten von der Idee ebenfalls überzeugt. „Rewe und Penny werden ihre kompletten Blumenmischungen auf dieses EasySeed-Produkt umstellen.“ Eine Ausweitung der Produktpalette auf Gemüse ist in Planung.

Familienunternehmen seit 1855

Die Carl Pabst GmbH hat eine lange Geschichte. Bei der Gründung vor 154 Jahren in Erfurt hieß die Samen- und Pflanzenhandlung „Pabst & Neumann“. Albert Pabst führte das Geschäft später alleine weiter, der Namensgeber Carl, Alberts Neffe, trat 1864 ins Unternehmen ein, das sich bis heute im Familienbesitz befindet: Trägers Ehefrau Caroline ist die Ururenkelin des Gründers. Nach mehreren Stationen in Berlin sitzt die Firma seit 1999 in Großbeeren. Sie beschäftigt aktuell 45 Mitarbeiter.

Bei einem Rundgang durch die Anfang Mai spärlich gefüllte Kommissionierhalle (Hochsaison für Auslieferungen sind die Wintermonate von Dezember bis Februar) fällt es dem Floristik-Laien schwer, den Überblick über all die unterschiedlich großen und bunten Portionstüten und Markennamen zu behalten. „Wir haben 1000 Sorten auf Lager“, sagt Träger. Beliefert werden neben dem Lebensmitteleinzelhandel auch ein großer Baumarkt (Toom) und eine Drogeriemarktkette (Rossmann). Im vergangenen Jahr wurden in Großbeeren 40 Millionen Samentüten abgefüllt, 2019 werden es laut Träger mehr als 50 Millionen sein. Einen großen Anteil daran haben die von verschiedenen Kunden georderten etwa sechs Millionen Werbetüten mit je einem Gramm bienenfreundlicher Blumenmischung. „Die Bienen sind der Hype des Jahres“, sagt Träger mit einem leicht ironischen Unterton.

Gärtnern ohne Restmüll

Neben dem Kerngeschäft mit Sämereien und Blumenzwiebeln experimentiert das Unternehmen seit Jahren mit sogenannten Microgreens. Damit ist die Anzucht in kleinen kompostierbaren Papier- und Hanfschalen gemeint. Diese werden mit Stärke beschichtet, die sich nach etwa vier Wochen auflöst. Danach wird der Keim umgetopft, die Überbleibsel der Schale landen auf dem Komposthaufen oder in der Biotonne, es entsteht also kein Restmüll. „Wir möchten Produkte entwickeln, die nachhaltig sind“, sagt Thomas Träger und zeigt zum Vergleich Anzucht-Sets der ersten Generation – da waren die Saatscheiben aus Kokosfasern noch in Plastikfolie eingewickelt und die Anzuchtgefäße mit Aluminium beschichtet.

Schematische Darstellung von EasySeed Quelle: Carl Papst GmbH

Auf dem deutschen Saatgut-Markt für Hobbygärtner ist die Carl Pabst GmbH einer der Marktführer. In dem Geschäft, das lässt Träger am Ende des Gesprächs durchblicken, wird mit harten Bandagen gekämpft. Er zeigt Tüten aus seinem Hause mit zwei Datumstempeln drauf. Der Kunde erfährt: Wann wurde abgefüllt und wie lange sind die Samenkörner mindestens haltbar? „Es gibt aber keine Pflicht, das so zu deklarieren.“ Ein Mitbewerber, der einen großen Discounter beliefert, verschleiere das Abfülldatum, sagt Träger, statt der Zeitangabe stehe nur ein kryptischer Buchstabencode auf der Packung. „Auf jede Tüte wird fünf Jahre Haltbarkeit versprochen. Aber das ist völlig unmöglich.“

Von Thorsten Keller

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