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Brandenburg Brandenburg schickt erste Notfallsanitäter in den Beruf
Brandenburg Brandenburg schickt erste Notfallsanitäter in den Beruf
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16:15 29.09.2019
Verlegung eines Patienten in einen Rettungshubschrauber durch Notfallsanitäter. Quelle: FOTO: picture alliance/dpa
Potsdam

Kranken oder verletzten Menschen helfen – das wollte Dieter Westphal eigentlich schon als Kind. Aber ein Medizinstudium kam für ihn nach dem Abitur nicht in Frage. „Letztlich bin ich ein sehr praktischer Mensch“, sagt der 22-Jährige. Der riesige Theorieteil des Faches schreckte ihn ab. „Als es den Beruf des Rettungsassistenten nicht mehr gab, habe ich vom Beruf des Notfallsanitäters erfahren“, berichtet er. Kameraden beim Berliner Roten Kreuz, wo Westphal als Ehrenamtler tätig war, hatten davon erzählt.

In Berlin gab es die Ausbildung noch nicht. Brandenburg war eines der ersten Bundesländer, das die Ausbildung zum Notfallsanitäter angeboten hatte. Im Oktober 2016 begann Westphal beim Brandenburgische Bildungswerk für Medizin und Soziales e. V. in Potsdam zusammen mit 16 jungen Kollegen die dreijährige Ausbildung.

Notfallsanitäter ist sehr anspruchsvoller Gesundheitsberuf

Am vergangenen Freitag gehörte er zu den ersten 14 Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, die im Westen Brandenburgs feierlich verabschiedet wurden. In Bad Saarow (Oder-Spree) war man sogar noch schneller. Die dort ansässige Filiale der Akademie der Gesundheit hatte schon 2018 rund 20 Absolventen ins Berufsleben entsandt.

Der Notfallsanitäter ist einer der anspruchsvollsten Gesundheitsberufe unterhalb der akademischen Medizinerausbildung. „Ärzte sind wir nicht“, betont Westphal. Aber er weiß sehr genau, welche Befugnisse und Handlungsmöglichkeiten einem der neue Job bietet. Ermöglicht wurde er erst durch das im Januar 2014 bundesweit in Kraft getretenen Notfallsanitätergesetz.

Früher dürften nicht einmal Schmerzmittel verabreicht werden

„Die neue Ausbildung ist eine richtige Berufsausbildung“, erläutert der an der Schule unterrichtende Medizinpädagoge Martin Neumann. Es sei verbunden mit den höchsten nichtärztlichen Kompetenzen überhaupt. „Der Notfallsanitäter darf Medikamente verabreichen, Spritzen geben und Infusionen legen“, so Neumann.

Früher durften die Rettungsassistenten, die meist zuerst am Unfallort erschienen, allenfalls ein eng gefasstes Repertoire von Medikamenten verabreichen. Starke Schmerzmittel fielen nicht darunter. Im Prinzip leisteten sie eine erweiterte Form der Ersten Hilfe bis zum Eintreffen des Notarztes.

„Der Rettungsassistent musste bei einem schmerzgeplagten Patienten ausharren, bis der Rettungsarzt erschien“, sagt Neumann. Selbst wenn Rettungsassistenten klar war, dass ein Schmerzmittel die Not lindern würde, durften sie es nicht geben.

Ausbildung sah 720 Stunden im Krankenhaus vor

Das ist bei Notfallsanitätern anders. Sie betreuen eigenverantwortlich Patienten im Rettungswagen. Sie haben gelernt, vitale Funktionen zu kontrollieren und können auch das Ausmaß der Erkrankung oder Verletzung feststellen. Aufgrund ihrer Diagnose treffen sie erste lebensrettende Maßnahmen. Sie dürfen im Notfall auch defibrillieren, also mit Hilfe kontrollierter Stromschläge ein stillstehendes Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Später assistieren sie dem Notarzt. „Die Notärzte werden ein ganzes Stück weit entlastet“, sagt Ausbilder Neumann. Gerade im Flächenland Brandenburg sei der Job des Notfallsanitäters ein Gewinn. „Die Versorgung wird wesentlich verbessert.“ Die Notärzte hätten gerade in den ländlichen Regionen weitere Anfahrtswege. Es sei gut, wenn es nun erste Helfer mit sehr erweiterten Kompetenzen gäbe.

1920 Stunden schulischen Unterricht absolvieren junge Leute dafür, 1900 Stunden verbringen die Schüler auf einer Rettungswache und 720 Stunden im Krankenhaus. „Auch der theoretische Unterricht enthält immer einen großen Praxisanteil“, erinnert sich Westphal. Im Grunde habe die Ausbildung seinen Vorstellungen genau entsprochen. Anspruchsvoll war sie allemal. „Vor zwei Jahren hätte ich gesagt, am schwersten war die Anatomieprüfung“, erzählt er. „Heute würde ich sagen, dass die Abschlussprüfung am schwierigsten war.“

Dass er in der schriftlichen Prüfungen zu Komplikationen bei einer Geburt befragt würde, damit hatte er nicht gerechnet. Allerdings weiß Westphal nicht nur von seiner Ausbildung her, dass jeder Sanitäter in so eine Situation geraten kann. „Eine Geburt kann auch ein Notfall werden.“ Und entsprechend rekapitulierte er alles, was er über die Unterstützung der Gebärenden und dem Abbinden der Nabelschnur wusste – mit Erfolg.

Drei Auszubildende müssen Prüfung wiederholen

Nicht allen Teilnehmern des ersten Durchgangs gelang das. „Wir haben drei Wiederholungsprüflinge“, sagt der Schulleiter des Bildungswerks, Christoph Ritscher. Mit dem ersten Durchgang der neuen Ausbildung ist Ritscher trotzdem zufrieden. Die Durchfallquote der anspruchsvollen Ausbildung liege bundesweit bei rund einem Drittel.

Die Verbesserung der Notversorgung sei letztlich ein Grund für die Einführung des neuen Berufs gewesen, erklärt der Schulleiter. Ritscher denkt, dass der Notfallsanitäter langfristig das gesamte Rettungswesen verändern könnte. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel komme nur in seltenen Fällen der Notarzt selbst zum Unfallort. Dort versorgen sogenannte Paramedics Unfallopfer. Diese können – je nach Ausbildung – auch Knochenbrüche schienen oder Unfallopfer intubieren. Sie stabilisieren die Patienten bis zur Einlieferung in eine Klinik. Erst dann tritt der Notarzt in Aktion. „Es könnte sein, dass der Notarzt mittelfristig seine Bedeutung verliert“, sagt Ritscher.

Dieter Westphal sieht sein künftiges Reich in einem Rettungswagen des Rettungsdienstes des Landkreises Teltow-Fläming. Hier will er zusammen mit dem Fahrer, den Sanitätern und Notarzt aber auch Feuerwehrleuten alles tun, um Unfallopfer oder Notfälle zu retten und bis zur Einlieferung in die Klinik zu stabilisieren.

Im Team Menschen retten – damit sieht Westphal seinen Kindheitstraum erfüllt.

Von Rüdiger Braun

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