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Brandenburg Notfallseelsorger: „Es war eine ganz große Fassungslosigkeit“
Brandenburg Notfallseelsorger: „Es war eine ganz große Fassungslosigkeit“
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00:20 09.09.2017
Die Kameraden der getöteten Feuerwehrleute am Dienstagmorgen am Unfallort. Quelle: Morris Pudwell
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Kloster Lehnin

Pfarrer Stefan Baier ist Leiter der Notfallseelsorge im Land Brandenburg. Er war Dienstagfrüh im Einsatz, nachdem zwei Feuerwehrleute bei einem schweren Unfall auf der A 2 ums Leben gekommen waren.

Zwei Männer kommen sinnlos ums Leben. Was kann da die Aufgabe eines Seelsorgers sein?

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Stefan Baier: Die Aufgabe heißt da sein. Etwas Verlässlichkeit, Fürsorge und – soweit es geht – Sicherheit zu bieten. Das klingt wenig, ist aber genau das, was wir machen können.

Was taten Sie zuerst bei den Kameraden der Verunglückten?

Wir waren vier Seelsorger dort. Ich habe als Erstes allen die Hand gegeben, soweit ich sie angetroffen habe. Danach ist das Erste zu erspüren, was die Kameraden in diesem Moment brauchen. Die einen wollen für sich sein, die anderen wollen reden.

Wollte jemand reden?

Meine Kollegin war mit einem ganzen Kreis Kameraden in der Wache in Kloster Lehnin, hat mit ihnen gesprochen und eine Art Abschied von den getöteten Kameraden gefeiert. Ich selbst war unten bei anderen Kameraden. Es waren auch noch andere Einsatzkräfte vor Ort. Eine meiner Aufgaben war tatsächlich, zusammen mit der Polizei die Todesnachricht zu überbringen.

Was haben Sie wahrgenommen?

Es war einfach eine ganz große Fassungslosigkeit, die mich selber ja auch ergriffen hat. Das gemeinsam zu tragen, ist schon ein Stück Solidarität und ist auch das, was miteinander verbindet.

Pfarrer Stefan Baier hat Erfahrung in der Notfallseelsorge. Quelle: privat

Wie schätzen Sie ein, ob Sie eine Hilfe sein können?

Da sind Einsatzkräfte sehr klar und sagen offen, was sie wünschen oder nicht wünschen. Wenn jemand ein Gespräch oder generell den Kontakt nicht will, macht er das sehr deutlich mit oder ohne Worte. Und das ist vollkommen in Ordnung. Wir zwingen uns da niemandem auf.

Was erwarten Sie von sich selbst?

Man darf kein Ziel haben, was man genau will, das wird nicht funktionieren. Ich möchte vor allem da sein und ein gutes Gespür haben, für das, was man braucht, um im Rahmen meiner Möglichkeit zu helfen, zusammen irgendwie da hin zu kommen. Das klappt in aller Regel ganz gut.

Wie gehen Sie mit Ihren eigenen Gefühlen um?

Ich nehme meine eigene Betroffenheit wahr, muss sie aber zur Seite stellen, weil ich den Betroffenen erst einmal etwas Sicherheit geben möchte. Wir vier Seelsorger haben später lange miteinander gesprochen und uns gegenseitig gestützt. Das Erlebte geht trotzdem mit mir – und ich werde heute Abend ein Stück Zeit für mich selber brauchen.


Von Rüdiger Braun

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