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Brandenburg Erst 0,2 Prozent der Stasi-Akten digitalisiert
Brandenburg Erst 0,2 Prozent der Stasi-Akten digitalisiert
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17:04 18.07.2018
Die zerrissenen Stasi-Akten sollen elektronisch Rekonstruiert werden. Doch das Projekt stockt.
Die zerrissenen Stasi-Akten sollen elektronisch Rekonstruiert werden. Doch das Projekt stockt. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Digitalisierung der Stasi-Akten, der Tonbänder und Videoaufnahmen ist bislang kaum vorangekommen. Die Regalmeter der Unterlagen aus dem MfS-Bestand werden mit rund 111 Kilometer angegeben. Eingescannt und damit vorerst vor dem analogen Verfall geschützt wurden bisher aber erst 0,2 Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Deutlich fixer geht das Überspielen der Stasi-Tonbänder. Hier liegt der Digitalisierungsgrad bei 53 Prozent. Die Kosten für das ehrgeizige Projekt werden auf 253 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen die Ausgaben für den Aufbau und die laufende Unterhaltung des digitalen Magazins für die Stasi-Unterlagen von etwa 50 Millionen Euro.

Der Brandenburger Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski (CDU) engagiert sich seit Jahren in der Aufarbeitung des DDR-Unrechts. In seinem Ehrenamt als Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) reagierte er frustriert auf die langsame Überführung der Akten in digitale Speichermedien: Von Hunderttausenden Opfern von SED und Stasi werde die Aufarbeitung des Unrechts der DDR-Diktatur eher als eine Art „Gedenkstättenkultur“ empfunden, sagte er. „Die Opfer von SED und Stasi haben einen Anspruch auf die ganze Wahrheit“, so Dombrowski. „Für alles ist Geld da. Für die Aufarbeitung des SED-Unrechts offensichtlich nicht. Das ist frustrierend.“

Zukunft der Außenstellen ist unklar

Hinzu kommt, dass das vor Jahren angekündigte Projekt der Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten auch kaum vorankommt und faktisch stillsteht, weil die Technik fehlt. 2007 war das Projekt gestartet, bei dem die zerrissenen Akten eingescannt und automatisch vom Computer zusammengesetzt werden sollen. 15 500 Säcke voll handzerrissener Akten lagern in den Beständen der Unterlagenbehörde. Rekonstruiert wurden aber erst 23.

Unklar ist auch die Zukunft der Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde. Vom Bund gibt es zwar ein grundsätzliches Bekenntnis, dass der Zugang zu den Stasi-Akten erhalten und Betroffene, Wissenschaftler und Journalisten weiter entsprechende Auskünfte erhalten sollen. Wo und in welcher Form ist jedoch offen.

Bis Jahresende soll Behördenchef Roland Jahn ein Konzept zur Überführung der Stasi-Akten in das Bundesarchiv vorlegen. Die Zukunft der Außenstellen, darunter jene in Frankfurt (Oder), weckt bei DDR-Opfern steht dabei auf dem Spiel. Denn außer der Außenstelle in Halle bietet kein Standort eine klimatisierte Aktenarchivierung an. Die Brandenburger Diktaturfolgenbeauftragte Maria Nooke warnte daher kürzlich davor, das Frankfurter Archiv zu schließen. Brandenburg wäre dann das einzige Bundesland ohne eigene Außenstelle.

Von Torsten Gellner