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Brandenburg Orkan "Xaver" in Brandenburg
Brandenburg Orkan "Xaver" in Brandenburg
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19:46 06.12.2013
Es muss gebietsweise mit Glätte durch überfrierende Nässe und Matsch gerechnet werden Quelle: dpa
Potsdam

Umgestürzte Bäume, gestrichene Flüge, Verspätungen bei der Bahn: Sturm "Xaver" hat in der Nacht zu Freitag in Brandenburg und Berlin zwar einige Schäden verursacht; verglichen mit denen in Norddeutschland waren sie aber vergleichsweise gering. So lautete das übereinstimmende Fazit der Berliner Feuerwehr und der Polizei in Potsdam.

Brandenburg hat es weniger schlimm erwischt als befürchtet: Sturm "Xaver" hat auf seinem Weg von der Nordseeküste in die Mark einiges an Kraft verloren. Dennoch stürzten Bäume um, brachen Stromleitungen zusammen und häuften sich Verkehrsunfälle.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verlängerte am Freitagmorgen seine Unwetterwarnung, seit dem Nachmittag wird aber nur noch vor markantem Wetter gewarnt. Es sei weiterhin mit orkanartigen Böen mit mehr als 85 Stundenkilometern zu rechnen. Der DWD warnte auch vor Behinderungen durch Schnee, Schneematsch und Glätte.

In Berlin fielen wegen des Sturms zahlreiche Ampeln aus, Baustellenabsperrungen stürzten um. Am Potsdamer Platz wurde eine große Werbewand an einem Haus so stark beschädigt, dass sie abgenommen werden musste. Seit Donnerstagnachmittag galt in Berlin für die Feuerwehr ein Ausnahmezustand. Nach 140 Einsätzen in der Nacht gab es am Freitagmorgen 20 Einsätze. Verletzte gab es nicht.

Positive Sturm-Bilanz in Brandenburg
Abgedeckte Dächer, jede Menge abgeknickte Bäume, Stromausfall im neuen Landtag und Stillstand bei den Straßenbahnen in Potsdam - aber keine Verletzten oder gar Toten: Eine erste Schadensbilanz des Sturmtiefs "Xaver" fällt für die Mark deutlich besser aus als gedacht. Jedoch waren die Feuerwehren im Land und andere Helfer im Dauereinsatz und für manchen Brandenburger gestaltete sich der Weg zur Arbeit schwierig.

Bis Freitagmittag wurden von den fünf Regionalleitstellen der Feuerwehr mehr als 360 Einsätze ausgelöst. Verletzte gab es bisher aufgrund des Orkans aber nicht, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Schäden über das gesamte Land verteilt
In Forst (Spree-Neiße) fiel ein Baum auf ein Hausdach und beschädigte es. In Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) kippte ein Telefonmast um. In Brandenburg lösten überfrierende Nässe und Schneematsch seit Mitternacht 100 Verkehrsunfälle aus, die meisten davon waren auf die Witterung zurückzuführen. Es gab aber überwiegend nur Blechschäden.

Im Ordnungsamt der Stadt Jüterbog (Teltow-Fläming) sowie im Ordnungsamt der Gemeinde Niederer Fläming sind keine Sturmschäden bekannt. In Niedergörsdorf ist wohl von einem ungenutzten Gebäude am Bahnhof  das Dach abgedeckt.

Schwerpunkte im Dahmeland bildeten die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow und die Stadt Ludwigsfelde. In beiden Kommunen waren jeweils acht Einsätze erforderlich, um umgestürzte Bäume, herabhängende Verkehrsschilder oder einen abgeknickten Strommast zu sichern. Ein Haus und ein weiteres Dach wurden durch umstürzende Bäume beschädigt.

Bis Freitagmorgen 5 Uhr gab es im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald 17 Einsätze, die meisten davon im Norden des Landkreises. An "normalen" Tagen gibt es durchschnittlich zwei Einsätze in der Nacht, doch in der Nacht auf Freitag stieß "Xaver" einige Bäume um und deckte Dächer ab. Die Koordinierungsgruppe im Stab des Landkreises hält ihre Bereitschaft zunächst aufrecht. Wie lange, ist abhängig von der Wetterlage, die weiter aufmerksam beobachtet wird.

Im Fläming war es eher ruhig. Nur der Strom flackerte hin und wieder. Die Stadtverwaltung Bad Belzig spricht am Nachmittag mit dem örtlichen Eon-Edis-Vertreter.

Auch im Westhavelland ist es relativ ruhig. Es gab fünf Feuerwehreinsätze: umgeknickte Baumkronen, Bäume und Strommasten. Hier wütete "Xaver" vor allem zwischen 22:30 Uhr und 2 Uhr.

Ironie der Geschichte: Der Orkan "Xaver" hat zur Folge, dass die für Freitag geplante KinderUni zum Thema Naturkatastrophen an der Fachhochschule Brandenburg an der Havel ausfällt. 60 Grundschulkinder wollten teilnehmen, die Veranstaltung wird auf den 24. Januar verschoben. Der öffentliche Nahverkehr war dagegen nicht betroffen.

In Potsdam hat der Sturm einige Bauzäune umgeworfen. Zudem ist ein Blitz in eine Stromanlage der Stadtwerke eingeschlagen. Direkte Auswirkungen waren zunächst nicht bekannt - aber im Landtag fiel vor dem geplanten Testlauf der Strom komplett aus.

Insgesamt gab es in der Landeshauptstadt Potsdam in der Nacht auf Freitag 31 Feuerwehreinsätze. Die Feuerwehren hatten überwiegend damit zu tun, umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und lose Fassaden- und Dachteile zu beseitigen und zu sichern.
Personenschäden gab es bislang keine.

Zwischen dem neuen Landtag und der Nikolaikirche stürzte eine circa fünf Meter hohe Kabelbrücke teilweise ein. Hierbei wurde eine vier Meter hohe historische Statue leicht beschädigt.

Auf dem Alten Markt in Potsdam. Quelle: MAZonline

Zur Gefahrenbeseitigung und um weitere Schäden an der Statue zu vermeiden, wurde das Gerüst mit einem Kran angehoben, auf der entgegengesetzten Seite abgelegt und demontiert.

Im Bereich der Regionalleitstelle Nordwest kam es bis heute 11 Uhr zu 108 Einsätzen – 49 im Landkreis Havelland, zehn im Landkreis Ostprignitz-Ruppin und 18 im Landkreis Prignitz.

Wegen der anhaltend stürmischen Wetterlage setzt sich das erhöhte Einsatzaufkommen der Feuerwehren zurzeit noch fort.

Auf der Bundesstraße 273 bei Fahrland in Richtung Potsdam gab es einen schweren Unfall. Der Verkehr staute sich. Nichts ging mehr. Auf Grund von starkem Seitenwind hatte ein Lkw-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeuggespann verloren und war im Kurvenbereich der B 273 Nahe der Ortslage Bornim von der Straße abgekommen.

Während der Lkw einer Hamburger Firma sich quer über die komplette Fahrbahn geschoben und mit der Front verkeilt hatte, war der Anhänger nach rechts in den Straßengraben gerutscht.

Polizisten sperrten die Bundesstraße vollständig ab und leiteten den Verkehr um, wobei es auf der Bundesstraße 2 bei Groß Glienicke in den Vormittagsstunden zu Staus. Auf Grund der Witterung mussten die Bergungsarbeiten des Lkw immer wieder unterbrochen und auch die Beschilderungen erneut verstärkt werden. Gegen 10.40 Uhr war das Fahrzeug von der Straße geräumt und der Verkehr konnte wieder fließen.

Angaben zur Schadenshöhe liegen derzeit noch nicht vor. Der 47-jährige Fahrer blieb nach derzeitigen Erkenntnissen unverletzt.

Eine erste Bilanz für die Region Oder-Spree ergab, dass ein Mann verletzt wurde, als ein Baum in der Ziltendorfer Niederung auf seine Auto stürzte. Der Mann war auf der Verbindungsstraße von Brieskow-Finkenheerd in Richtung Thälmannsiedlung unterwegs, als gegen 17:30 Uhr ein Baum plötzlich auf die Fahrbahn stürzte. Der Fahrer des Wagens konnte diesem Hindernis nicht mehr ausweichen und das Auto prallte gegen den Baum. Dabei erlitt der Mann schwere Verletzungen an Kopf und Beinen, die eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus nötig machten. Der Sachschaden wird mit rund 10.000 Euro angegeben.

Zudem fuhr die Polizei zu mehreren Einsätzen, weil sich Bleche und Schilder von ihren Verankerungen gelöst hatten oder Bäume umgestürzt waren.

Abgeknickte Äste, weggeflogene Dachluken, eine abgedeckte Buswartehalle in Wensickendorf – für Feuerwehrleute in Oranienburg begann die Zeit der Sturmeinsätze massiv am Freitagmorgen, ab 6 Uhr.

In Oranienburg krachte das Baugerüst vor dem neuen Bibliotheksbau zusammen. Quelle: Enrico Kugler

Acht der zehn Löschzüge und die Hauptamtlichen mussten ausrücken. „Am Vormittag gab es rund 15 Einsätze, waren wir ununterbrochen draußen“, sagte Oranienburgs Stadtbrandmeister Friedmund Duwe. Trotzdem sei es nicht so schlimm gewesen, wie befürchtet.

In Oranienburg deckte der Orkan etwa 150² der Dachfläche der Bibliothek der Fachhochschule der Polizei ab. Quelle: Privat

Auch die Feuerwehr in Hennigsdorf hatte mit mehr Einsätzen gerechnet. „Wir hatten aber eine ruhige Nacht“, sagt Feuerwehrmann Bernhard Witt. In den Morgenstunden kippten zwei Bäume in Stolpe-Süd um, ein schwerer Ast fiel auf die Straße. Verletzte oder Schäden gab es aber keine. Donnerstagabend mussten neun Einsatzkräfte der Hennigsdorfer Wehr ausrücken, weil der Sturm den Weihnachtsbaum auf dem Festplatz in Hennigsdorf-Nord umgeworfen hatte. Verletzt wurde auch dabei niemand. Selbst der Baum hat den Sturz einigermaßen heil überstanden. „Wir hoffen, wir hoffen dass er bis Anfang nächster Woche wieder steht“, sagte Ilona Möser, Sprecherin der Stadtverwaltung.

Der Weihnachtsbaum in Hennigsdorf-Nord hielt den Windböen nicht stand. Er knickte ab. Quelle: Enrico Kugler

Der Oranienburger Weihnachtsmarkt war für Freitag abgesagt. Er wird erst Sonnabend eröffnet. Das gleiche gilt für den Hennigsdorfer Weihnachtsmarkt. Er  wird wegen des Sturms erst Sonnabend um 13 Uhr eröffnet. Ursprünglich sollte die Veranstaltung auf dem Postplatz schon am Donnerstag losgehen. „Aber gerade, wenn zur Eröffnung die Kitakinder auftreten, kann man das nicht verantworten“, sagte Stadtsprecherin Ilona Möser. Weihnachtsbaum und Stände haben die Nacht aber unbeschadet überstanden.

Die Veltener hatten ebenfalls eine ruhige Nacht. Dabei hatte sich die Wehr mit Kettensägen auf eventuelle Einsätze vorbereitet, bis abends um 22 Uhr warteten Feuerwehrleute in der Wache auf sturmbedingte Einsätze. Doch erst Freitagmorgen gegen halb acht kippten in der Germendorfer Straße zwei Bäume um. Auch hier wurde niemand verletzt und nichts beschädigt. „Das waren aber auch Bäume, die schon etwas morsch waren“, erklärte Frank Steinbock von der Veltener Feuerwehr.

Trotz Schulausfall in der Schule
Im Löwenberger Land im Kreis Oberhavel sind von insgesamt 507 Schüler genau 102 Schüler zum Unterricht erschienen. Dabei wurden Klassen zusammengelegt. So wurden die Klassen 5b und 5c gemeinsam unterrichtet. Mit ihren Mitschülern der 5a kamen sie jedoch nicht in Kontakt - von denen kam keiner zum Unterricht.

Gemeinsamer Geschichtsunterricht der Klassen 5b und 5c bei Lehrerin Sabrina Zeller. Quelle: Bert Wittke

Besser war die Quote der anwesenden Schüler übrigens in der Grundschulfiliale der Libertasschule im Ortsteil Grüneberg. Von den insgesamt 79 Schülern den ersten bis vierten Klasse kamen 34 Kinder zum Unterricht.

Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg
Aufgrund eines Fahrleitungsschadens war der Straßenbahnverkehr im Bereich S Hauptbahnhof und Innenstadt in Potsdam bis zum Nachmittag nicht möglich. Fahrgäste mussten auf die Buslinien umsteigen.

Aufgrund eines Fahrleitungsschadens ist der Straßenbahnverkehr im Bereich S Hauptbahnhof und Innenstadt nicht möglich. Quelle: Jan Pramschüfer

Auch S-Bahn-Fahrgäste sowie Bahn- und Flugreisende bekamen "Xaver" zu spüren.

In Berlin-Tegel wurden einige Flüge gestrichen. Ein umgestürzter Baum legte die S-Bahn zwischen Wannsee und Zehlendorf vorübergehend lahm. Die RB 14 hatte zwischen Berlin-Grünau und Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) wegen einer beschädigten Oberleitung Verspätungen.

Auf der RE 6 kam es zwischen Neuruppin und Wittenberge (Prignitz) wegen Schneeverwehungen zu Verspätungen. Die Fernverkehrszüge drosselten teilweise laut Deutscher Bahn ihre Geschwindigkeit, was sich auf die Fahrpläne auswirkte.

Die S-Bahn twitterte live über eventuelle Verspätungen oder Ausfälle

Schulausfälle und Veranstaltungsabsagen

Trotz der Unwetterwarnung bleiben am Freitag fast alle Schulen in Brandenburg geöffnet. Eltern können jedoch selbst entscheiden, ob sie bei der widrigen Wetterlage ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht, Allerdings können die Schulämter in Abstimmung mit der Polizei und dem Katastrophenschutz kurzfristig noch Schulschließungen auslösen. Etliche Weihnachtsmärkte bleiben am Freitag ebenfalls dicht.

Bombe bei Hohen Neuendorf wurde trotz "Xaver" gesprengt
Eine Fünf-Zentner-Weltkriegsbombe wurde am Freitag bei Hohen Neuendorf (Oberhavel) trotz Sturm planmäßig gesprengt. Wegen des Orkans "Xaver" war erwogen worden, die Sprengung zu verschieben.

Vorhersage für Freitag und Samstag
Freitagabend und in der Nacht zu Sonnabend wird noch verbreitet mit Sturmböen bis 85 Stundenkilometer gerechnet. Vereinzelt sind auch schwere Sturm- beziehungsweise orkanartige Böen von 90 bis 115 Stundenkilometer möglich.

Vorhergesagt sind auch kurze, aber kräftige Schneeregen-, Schnee und Graupelschauer. Vereinzelt können auch Gewitter auftreten. Vor allem Autofahrer sollten Vorsicht walten lassen. Es muss gebietsweise mit Glätte durch überfrierende Nässe und Matsch gerechnet werden. Im Verlauf des Tages wird es immer wieder zu Schneeschauern kommen. Der Wind hält zunächst weiter an, erst ab dem Nachmittag schwächt er sich etwas ab.

In der Nacht zum Sonnabend werden die Schneeschauer allmählich weniger, gebietsweise kann es aufklaren. Dabei wird es verbreitet glatt, vereinzelt kann sich auch eine Schneedecke von wenigen Zentimetern bilden. Der Wind lässt in der Nacht weiter nach, mit starken Böen von 50 bis 80 Stundenkilometern ist aber nach wie vor zu rechnen.

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