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Brandenburg Schwere Unwetter in der Nacht zu Freitag
Brandenburg Schwere Unwetter in der Nacht zu Freitag
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21:20 05.12.2013
Orkanartige Böen auch in Berlin und Brandenburg erwartet. Quelle: dpa
Oranienburg/Potsdam

Ines Kappler, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst sagte gegenüber der MAZ: „Das Gröbste passiert in der Nacht.“ Erste Sturmböen mit einer Windgeschwindigkeit bis zu 85 km/h sind für 21 bis 22 Uhr angekündigt. Gegen Mitternacht gibt es dann eine kleine Verschnaufpause. Aber nur kurz, denn "Xaver" legt noch einmal los – orkanartige Böen bis zu 115 km/h werden über Brandenburg hinwegfegen. Betroffen seien vor allem der Norden und die Mitte des Landes.

Dazu können vereinzelte Gewitter kommen, die Graupelschauer mit sich bringen. Stellenweise könnte es also glatt werden.

Für Freitagmorgen werden noch Sturmböen bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h erwartet, die sich aber bis zum Nachmittag legen.

Vorsicht im Freien
Der Deutsche Wetterdienst hat die Menschen zur Vorsicht aufgerufen. Man solle den Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden, hieß es in einer Unwetterwarnung. Der Sturm kann Bäume entwurzeln und Dächer beschädigen. Es solle auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände geachtet werden. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Insbesondere sollten Fußgänger Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten, hieß es.

Schulausfälle und Veranstaltungsabsagen

Trotz der Unwetterwarnung bleiben am Freitag fast alle Schulen in Brandenburg geöffnet. Eltern können jedoch selbst entscheiden, ob sie bei der widrigen Wetterlage ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht, Allerdings können die Schulämter in Abstimmung mit der Polizei und
dem Katastrophenschutz kurzfristig noch Schulschließungen auslösen. Etliche Weihnachtsmärkte bleiben am Freitag ebenfalls dicht.

Kaum Sturmschäden am Donnerstag
Am Donnerstag gab es noch keine gravierenden Auswirkungen des aufziehenden Sturmtiefs. Der Zugverkehr lief weitgehend störungsfrei. Allerdings wurde bei Wittenberge auf der Schnellstrecke nach Hamburg eine Oberleitung beschädigt, sagte ein Bahnsprecher. Für etwa eine Stunde lang konnte die Strecke nur einspurig befahren werden. Die Feuerwehren mussten im ganzen Land einige abgerissene Äste und umgestürzte Bäume von den Straßen bergen. Die Polizei Brandenburg meldete aber lediglich einen witterungsbedingten Verkehrsunfall.

Mit "Xaver" kommt die Straßenglätte
Glatte Straßen haben vor allem im Osten Brandenburgs zu vielen Unfällen geführt. Das Polizeipräsidium Brandenburg zählte am Donnerstagmorgen 150 Unfälle. Bei einem Fünftel wurde überfrierende Nässe als Ursache vermutet. Vor allem in Senken von Land- und Bundesstraßen im östlichen Brandenburg war es glatt. 36 zumeist Leichtverletzte wurden gemeldet.

Der schlimmste Unfall ereignete sich am Donnerstagmorgen bei Oranienburg (Oberhavel). Ein 57-jähriger Autofahrer kam von der B273 ab und prallte mit seinem Fahrzeug gegen einen Straßenbaum. Der 57-Jährige konnte zwar aus dem Fahrzeugwrack gerettet, aber nicht mehr reanimiert werden. Unfallursache war vermutlich zu schnelles Fahren auf glatter Fahrbahn.

Erste Schäden in Berlin
Der Orkan hat für erste Schäden gesorgt. Die Feuerwehr rückte zwischen 15.00 und 17.00 Uhr zu 25 Einsätzen aus, sagte ein Sprecher. Abgerissene Äste, eine eingedrückte Scheibe und ein angehobenes Flachdach seien die Gründe. Für den Abend rechnete die Feuerwehr aber mit deutlich mehr und schwierigeren Fällen und bereitete sich auf den Ausnahmezustand vor. Die Schulpflicht wurde wegen des Sturms am Freitag aufgehoben. Die Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Im Zweifel gehe die Sicherheit vor, teilte die Bildungsverwaltung mit.

Der Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz und die Märkte an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und in Spandau schlossen bereits am Donnerstagnachmittag. Die Händler wurden von den Organisatoren aufgefordert, ihre Stände zu verlassen. Wann am Freitag geöffnet wird, entscheiden die Märkte je nach Wetterlage.

Bahn schaltet Service-Hotline
Der Orkan hat zu erheblichen Einschränkungen im Zugverkehr geführt. Die Bahn hat die Zugbindung für Fahrkarten aufgehoben und eine kostenlose Sonder-Hotline geschaltet, um individuelle Reiseauskünfte zu geben: (08000) 99 66 33.

Flüge in Berlin auf der Kippe
Auf den Berliner Airports Schönefeld und Tegel kann es witterungsbedingt zu Verspätungen und Streichungen von Flügen kommen. Darauf wies die Flughafengesellschaft am Donnerstagabend hin. Über den aktuellen Stand kann man sich informieren auf www.berlin-airport.de, über twww.twitter.com/berlinairport oder telefonisch unter  (030) 6091 1150.

Bombe in Hohen Neuendorf wird trotz Sturm gesprengt
Die 250-Kilo-Bombe amerikanischer Bauart die am Mittwoch gefunden wurde, wird trotz des Orkans am Freitag geprengt, sagte Sprengmeister Jens Simon gegenüber der MAZ.  Damit steht nun endgültig fest, dass am Nikolaustag, 6. Dezember, etwa 2000 Einwohner von Hohen Neuendorf und Birkenwerder bis 8 Uhr früh ihre Häuser verlassen müssen. Die Sprengung selbst soll gegen 11 Uhr erfolgen.

Von "Xaver" aufgewühlte Wellen schlagen am in Dagebüll (Schleswig-Holstein) an der Nordsee an den Fähranleger. Quelle: dpa

Mit dem Sturm kommt "kältere Luft polaren Ursprungs", so der Deutsche Wetterdienst.  Schnee- und Graupelschauer könnten Straßenglätte bringen. Erst von Freitagnachmittag an beruhige sich das Wetter.

"Xaver" ist nicht "Kyrill"
Mit dem in Orkan "Kyrill" vom Januar 2007, an den sich Berliner wie Brandenburger noch gut erinnern können, sei "Xaver" aber nicht zu vergleichen, sagte Thomas Endrulat vom Wetterdienst. Damals war ganz Deutschland betroffen, heute seien die Auswirkungen regional auf den Norden begrenzt. "Wir sind hier weit genug vom Zentrum entfernt, so dass wir "nur" einen Streifschuss abbekommen." Der Orkan "Kyrill" hatte am neuen Berliner Hauptbahnhof einen Stahlträger herabgerissen und in Brandenburg enorme Waldschäden angerichtet.

Tipps für Autofahrer
Herabfallende Äste, Wasser auf den Straßen: Stürme wie das Orkantief "Xaver" können Autos schwer zusetzen - bis hin zum Totalschaden. Experten erklären, wie Autofahrer ihren Wagen vor Unwetterschäden bewahren und was die Kfz-Versicherung bezahlt, wenn doch etwas passiert.

Um große Wasserlachen auf der Straße machen Autofahrer besser einen Bogen. Beim Durchfahren riskieren sie einen Motorschaden, warnt Helmut Schmaler vom ADAC Technik Zentrum. Reiche das Wasser über die Unterkante der Stoßstange, drohe ein Wasserschlag. Knapp darüber befinde sich bei vielen Autos die Ansaugöffnung, durch die der Motor in tiefen Pfützen statt Luft Wasser ziehen könnte. "Dann ist ein Motor hinüber." Zum Wasserschlag kommt es, weil Wasser sich im Gegensatz zum Kraftstoff-Luft-Gemisch nicht komprimieren lässt. Laufen die Zylinder voll, können durch den Druck unter anderem die Pleuelstangen verbiegen, auf denen die Kolben sitzen.

Bei plötzlich auftretenden Überschwemmungen oder wenn das Auto in einer vollgelaufenen Tiefgarage beschädigt wird, zahlt die Kfz-Teilkaskoversicherung, erklärt der ADAC. Wer jedoch über eine offensichtlich überflutete Straße fährt und damit einen Schaden am Fahrzeug billigend in Kauf nimmt, müsse damit rechnen, dass ihm grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen wird und die Versicherung nicht greift.

Die aktuellen Sturmflut-Vorhersagen für die deutschen Küstengebiete sollten Autofahrer ernst nehmen und ihren Wagen nicht direkt hinter Deichen oder auf hochwassergefährdeten Parkplätzen abstellen. Das mag selbstverständlich klingen - es gibt bei solchen Ereignissen aber immer wieder Menschen, die sich nicht daran halten. Wird ein Auto überflutet, ist es meist nicht mehr zu retten, sagt Wolfgang Sigloch von der Sachverständigenorganisation Dekra. "Die Elektronik ist teilweise im Boden verbaut und nicht darauf ausgelegt, komplett im Wasser zu stehen." Selbst wenn das Auto wieder trockengelegt und gestartet werden könne, gebe es keine Garantie, dass alle Bauteile noch einwandfrei funktionieren. "Man kann sich nicht mehr auf die Sicherheit des Fahrzeugs verlassen."

Sturmschäden am Wagen durch herabfallende Äste oder Dachpfannen können ebenfalls über die Teilkaskoversicherung abgewickelt werden. Allerdings zahlen die Kfz-Versicherer erst ab Windstärke 8. Im Zweifelsfall müsse der Autobesitzer belegen können, dass zum Zeitpunkt der Beschädigung der Wind mindestens so stark geweht hat, erklärt Katharina Lucà vom ADAC. Wird bei der Schadensmeldung ein Nachweis verlangt, rät sie, sich zum Beispiel an den Deutschen Wetterdienst zu wenden.

Wer nicht unbedingt auf das Auto angewiesen ist, lässt es bei Sturm besser stehen, empfiehlt der ADAC. Alle anderen sollten möglichst langsam fahren und auf heftige Seitenwinde gefasst sein - vor allem auf Brücken, in Waldschneisen und wenn sie beim Überholen von Lastwagen und Bussen aus deren Windschatten herausfahren. Wird das Auto von einer Windböe erfasst, hilft nur kontrolliertes Gegenlenken, um in der Spur zu bleiben. Eine Skibox oder Fahrräder auf dem Autodach erhöhen die Seitenwindempfindlichkeit eines Fahrzeugs erheblich, gibt der Münchner Club zu bedenken.

Berufspendler sollten mehr Zeit für den Weg zur Arbeit einplanen, wenn sie sich bei Sturm oder auch bei Schneefall mit dem Wagen auf den Weg zur Arbeit machen, rät der Auto Club Europa (ACE). Wer sich getrieben fühlt und das Fahrtempo nicht an die Witterungsbedingungen anpasst, weil die Zeit drängt, geht ein hohes Unfallrisiko ein. Wer wegen des Wetters zu spät kommt, kann nicht immer auf Nachsicht hoffen: Das Wegerisiko liegt laut dem ACE grundsätzlich beim Arbeitnehmer, der damit auch die Folgen höherer Gewalt zu tragen hat. Der Arbeitgeber hat daher das Recht, das Gehalt zu kürzen, wenn ein Pendler nicht rechtzeitig zum Dienst erscheint - oder Betroffene müssen die Zeit nacharbeiten.

MAZ/dpa

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