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Brandenburg Ostdeutsche Unternehmen setzen auf gute Kontakte nach Osteuropa
Brandenburg Ostdeutsche Unternehmen setzen auf gute Kontakte nach Osteuropa
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00:26 19.05.2019
Im Export sind brandenburgische Unternehmen noch zu schwach. Quelle: Hans Scott/Agencia Uno/dpa
Potsdam

Führende Wirtschaftsvertreter aus Ostdeutschland haben sich für ein Ende der Russlandsanktionen ausgesprochen. Beim Ostdeutschen Unternehmertag, der am Donnerstag in Potsdam stattfand, forderten sie Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) auf, sich im Bund für eine wirtschaftsfreundlichere Russlandpolitik einzusetzen.

Woidke zeigte sich offen: „Wir müssen mit den Russen im engen Gespräch bleiben. Dabei fällt uns Ostdeutschen eine besondere Mittlerrolle zu“, sagte er der MAZ. Man müsse jetzt Schritt für Schritt das Minsker Abkommen umsetzen –und dann die Sanktionen fallen lassen. Das Abkommen sieht einen Friedensprozess im Osten der Ukraine vor.

Ausrichtung nach Polen und Russland

Es sei wichtig, politisch die richtigen Weichen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen zu stellen, sagte Woidke. Die richtigen Weichen sehen die Unternehmer nicht nur in der Normalisierung der Beziehungen zu Russland, sondern auch in einer besseren Kreditvergabe an kleinere und mittleren Unternehmen sowie im Bürokratieabbau. Nur unter diesen Bedingungen könnten sich ostdeutsche Unternehmer internationalisieren, so der eindeutige Tenor des Treffens. Traditionell sehe sich die ostdeutsche Wirtschaft auf die östlichen Märkte von Polen bis nach Russland ausgerichtet.

Auch Burkhardt Greiff, Präsident des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin, sieht in den osteuropäischen und russischen Märkten die natürlichen Partner der Brandenburger. Dort gebe es ein „gewisses Grundvertrauen“ aufgrund früherer Beziehungen.

Banken finden Investitionen im Osten zu riskant

Allerdings seien Auslandsinvestitionen teuer. „Die Hausbanken der Unternehmen geben nur bei sicheren Investitionen Geld, nicht bei riskanten“, sagte Greiff. Solche Auslandsinvestitionen gelten als riskant. Von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) Geld in Größenordnungen von zwei bis zehn Millionen Euro zu bekommen, sei extrem schwierig, kritisierte er. Außerdem dauerten die Verfahren wegen vieler Prüfungen viel zu lange.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, 2.v.l) beim Ostdeutschen Unternehmertag mit Hartmut Bunsen (l), Sprecher der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschland und Berlins, Horst Böschow (2.v.r), Mitglied des Präsidiums des Unternehmerverband Brandenburg-Berlin, und Burkhardt Greiff (r), Präsident Unternehmerverband Brandenburg-Berlin. Quelle: Bernd Settnik/dpa

Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg (WLB), warb für eine stärkere internationale Ausrichtung der regionalen Unternehmen. Globalisierung sei auch und gerade für Ostdeutschland eine Chance, sagte Kammradt. „Geht raus in die Welt. Ihr Ostdeutsche habt gute Produkte.“ Als es zum Beispiel darum gegangen sei, China beim Aufbau von Hochgeschwindigkeitstechnologie im Schienenverkehr zu unterstützen, seien auch brandenburgische Unternehmen wie die Filiale von voestalpine in Finserwalde (Elbe-Elster) zum Zug gekommen.

Viel ausländisches Engagement in der Lausitz

Auch die Transformation in der Lausitz nach dem Braunkohleausstieg sei international zu denken, so Kammradt. Der Energiekonzern LEAG selbst sei tschechisch, in Spremberg habe das in Österreich ansässige Hamburger Containerboard eine Papierfabrik aufgebaut und schließlich sei der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas in der Region aktiv. „Man muss aber auch immer schauen, welche Betriebe schon da sind.“ Die heimische Struktur müsse um eine auswärtige ergänzt werden. Kammradt ist überzeugt, dass ganz Ostdeutschland durch Internationalisierung eine Chance hätte.

Steffen Kammradt ist Sprecher der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB). Quelle: Hartmut F. Reck

Genau daran hakt es. Laut dem Bericht zur Deutschen Einheit lag der Auslandsumsatz des verarbeitenden Gewerbes in Ostdeutschland 2017 bei 39,7 Prozent. Westdeutsche Betriebe hatten zu dieser Zeit schon eine Quote von 51,5 Prozent. Die östliche Exportquote müsse also dringend erhöht werden, fordert der Sprecher der Interessengemeinschaft der Ostdeutschen Unternehmerverbände, Hartmut Bunsen.

Maschinenbauer im Osten hätten zum Beispiel in Russland prinzipiell gute Möglichkeiten, sagt Bunsen. Doch dem Montagebetrieb IMO Leipzig zum Beispiel hätten unter anderem auch die Russlandsanktionen das Ost-Geschäft verhagelt. Seit Sommer 2017 befindet sich das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren.

Von Rüdiger Braun

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