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Brandenburg Lehrermangel: Chance für Seiteneinsteiger
Brandenburg Lehrermangel: Chance für Seiteneinsteiger
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11:01 13.11.2014
Petra Mendoza lehrt Sport an der Leichhardt-Oberschule in Goyatz. Quelle: MAZ
Goyatz

Petra Mendoza hat es bislang nicht bereut. Schon seit Februar unterrichtet sie an der Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz (Dahme-Spreewald) – und zwar im Fach Sport. Das ist eine Besonderheit, denn Mendoza ist eigentlich gar keine Lehrerin. Zumindest hat sie nie ein Lehramtsstudium absolviert. Ihr erster Beruf ist Physiotherapeutin.

„Das ist eine gute Kombination“, findet sie. „Die Erfahrungen aus dem Sportunterricht kann ich in der Physiotherapie nutzen – und umgekehrt.“ Sie sagt den Schülern zum Beispiel, wie wichtig Körperstabilität ist. „Sich nur übers Handy beugen, ist nicht gut. Darunter leiden die Bandscheiben.“ Aus der Praxis weiß sie, wie schnell es zu schmerzhaften Vorfällen kommen kann.

Ohne Seiteneinsteiger geht es nicht

Petra Mendoza ist eine von 842 Lehrkräften ohne anerkannte Lehrerausbildung an Brandenburgs Schulen. „Das Schulamt stellt sie meistens dann ein, wenn sich in einer bestimmten Region sonst niemand findet“, sagt Antje Grabley, stellvertretende Sprecherin des Potsdamer Bildungsministeriums. Und das komme im ländlich geprägten Brandenburg immer wieder vor. Auch exotische Lebensläufe finden sich: An einer Oberschule in Wittenberge (Prignitz) unterrichtet ein Mann, der früher Wetterbeobachter für das Bundesverkehrsministerium war. Auch ehemalige Journalisten, Germanisten oder BWLer gibt es unter den Neulingen an den Schulen.

Zum aktuellen Schuljahr wurden 61 Quereinsteiger eingestellt. Verwunderlich ist das schon, hatte das Bildungsministerium doch bundesweit eine mehrmonatige Kampagne gestartet. Eine Hotline im Potsdamer Ministerium, spezielle Einstellungsteams in den Schulämtern und Offerten im Internet trugen sogar Früchte, 6500 Bewerber haben sich gemeldet. Dennoch: Obwohl Lehrer mit erstem und zweitem Staatsexamen bei Einstellungen grundsätzlich Vorrang haben – ohne Seiteneinsteiger geht es nicht. Selbst wenn sie meist nur in Fächern wie Kunst, Musik oder Sport zum Einsatz kommen und über einen zum jeweiligen Fach passenden Hochschulabschluss verfügen müssen.

Baaske begrüßt Lehrer

  • Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) begrüßte am Mittwoch in Neuruppin rund 200 neue Lehrer für die Kreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel und Havelland. Das teilte das Ministerium am Mittwoch mit.
  • Landesweit wurden für das Schuljahr 2014/15 etwa 900 neue Lehrer eingestellt. „Es freut mich, dass etwa die Hälfte der neuen Lehrer aus anderen Bundesländern kommt“, so Baaske.
  • Laut Koalitionsvertrag von SPD und Linker soll es in den nächsten fünf Jahren 4300 neue Lehrer geben, um dem Unterrichtsausfall zu begegnen.

Verweigerer die am Unterricht nicht teilnehmen

Petra Mendoza hat das Diplom ebenso wie die geforderte Trainerlizenz. Ihren anderen Job hat sie jedoch nicht an den Nagel gehängt. Die Stunden an der Schule hätten für den Lebensunterhalt kaum ausgereicht. Im vergangenen Halbjahr war sie an vier Tagen an der Leichhardt-Schule, jetzt nur noch an zwei.

Mittlerweile hat sie festgestellt, dass sie gut mit den Schülern kann. „Am Anfang war es manchmal schwierig“, sagt Mendoza. Da habe es ein paar Verweigerer gegeben, die am Unterricht nicht teilnehmen wollten. „Einer hat mir mal Unfähigkeit vorgeworfen, weil ich eine Spielregel nicht kann te.“ Darüber lacht sie heute. „Sicher, man muss sich das erarbeiten, dass die Schüler einen ernst nehmen.“ Frustriert sei sie aber noch nicht nach Hause gefahren. Auch daher bereut sie ihren Schritt zum Zweitjob nicht.

Von Dietrich von Schell

Kommentar: Laien zum Löcherstopfen

Sie sind im wahrsten Sinne Klempner im Klassenzimmer: Seiteneinsteiger mit anderen Berufen helfen aus, wenn es klemmt und das Land nicht genug Lehrkräfte finden kann. Das kann in Einzelfällen funktionieren. Praktiker können den Unterricht sogar bereichern. Eine Pianistin, die Musik unterrichtet – warum nicht? Die Entwicklung zeigt aber, dass die pädagogischen Laien nicht nur Ergänzung sind, sondern auch zum Löcherstopfen herangezogen werden: Ihre Zahl nimmt von Schuljahr zu Schuljahr zu.

Das Land schafft es vor allem in der Peripherie nicht, überall ausgebildete Pädagogen einzusetzen. Gleichzeitig – und das ruft Unverständnis bei den Betroffenen hervor – gibt es im Land viele Junglehrer, die keine Stelle bekommen und frustriert das Land verlassen. Diese Diskrepanz erklärt das Ministerium damit, dass viele am Bedarf vorbei studieren – Gymnasiallehrer für Fächer wie Deutsch und Geschichte werden kaum benötigt. Doch anstatt sie in andere Länder ziehen zu lassen, könnte man versuchen, sie für eine Grundschule zu gewinnen – dort werden Lehrer gebraucht. Aber solange das Land die Konditionen nicht verbessert, sondern Personalpolitik nach Kassenlage betreibt, wird sich an dem Missverhältnis nichts ändern: An einer Grundschule verdienen Lehrer weniger als am Gymnasium. Und ein Unqualifizierter ist für noch weniger zu haben.

Von Marion Kaufmann

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