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Brandenburg Krebsgesellschaft bestürzt über Medikamentenschmuggel
Brandenburg Krebsgesellschaft bestürzt über Medikamentenschmuggel
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00:21 22.07.2018
Um welche Medikamente es sich im  Einzelnen bei der Schmuggelware handelt, ist noch unklar. +++
Um welche Medikamente es sich im Einzelnen bei der Schmuggelware handelt, ist noch unklar. +++ Quelle: dpa
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Potsdam

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat bestürzt auf den Skandal um um illegal eingeführte Krebsmittel reagiert. „Arzneimittel, die auf illegalem Wege zur Anwendung beim Patienten gebracht werden, unterliegen nicht der in Deutschland un in anderen europäischen Länder üblichen Qualitäts- und Sicherheitskontrollen“, sagte Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, auf MAZ-Anfrage. Die Krebsgesellschaft verurteile dieses Vorgehen. Zugleich vertraue man darauf, dass die Vorgänge aufgeklärt würden, um „so das Vertrauen in eine qualitätsorientierten Versorgung bei Patienten und Ärzten zu erhalten“.

Noch seien die Erkenntnisse darüber, welche Medikamente in welcher Menge eingeführt wurden, nicht belastbar. Deswegen könne man darüber nur spekulieren. „Je nach den betroffenen Produkten sind Unwirksamkeit bis hin zu Verunreinigungen denkbar“, so Bruns. Für die Betroffenen bestehe die Gefahr der „Nichttherapie“ –neben gesundheitlichen Zusatzbelastungen durch veränderte Wirksubstanzen.

Bruns riet Patienten, im Zweifel Rücksprache mit ihrem Arzt zu halten. Der könne sich bei den Apotheken über die Quelle eines Medikaments anhand einer Chargennummer informieren. Die Ware ging offenbar an Kliniken und Spezialapotheken. Es handelt sich dabei laut dem Branchendienst Apotheke Adhoc um die Mittel: Adcetris (Lieferschein aus 2016/2017), Afinitor (LS: Februar 2017), Alimta (LS: Januar und Februar 2017, hier liegt dem LAVG eine Probe vor), Herceptin (LS: zwischen 2015 und 2017), Mabthera (LS: 2017 und 2017), Neulasta (LS: 2017 und 2017), Tracleer (LS: 2017), Vectibix (LS: 2017), Velcade (LS: 2017) und Xgeva (LS: 2017).

Sondersitzung beantragt

Der Termin für die geplante Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags in Potsdam zu Versäumnissen der Behörden beim Umgang mit einem womöglich kriminellen Pharmahändler ist noch offen. Darüber werde das Präsidium des Landtags entscheiden, wegen der Sommerpause des Parlaments allerdings im Umlaufverfahren, wie ein Sprecher des Landtags am Donnerstag mitteilte. Das bedeutet, dass die Präsidiumsmitglieder schriftlich gefragt werden.

Die oppositionellen Grünen und die CDU hatten für nächste Woche eine Sondersitzung verlangt. Zuvor hatte das Gesundheitsministerium unter Ministerin Diana Golze (Linke) Fehler eingeräumt. Ein Unternehmen aus Mahlow (Teltow-Fläming) soll möglicherweise gestohlene und gefälschte Krebsmedikamente vertrieben haben. Erste Hinweise dazu waren bereits im Dezember 2016 aufgetaucht.

CDU: Woidke soll sich äußern; AfD: Golze soll zurüctreten

CDU-Generalsekretär Steeven Bretz forderte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf, sich zu dem Fall zu äußern. Niemand könne ausschließen, dass schwerstkranke Menschen durch das „eklatante Versagen des Gesundheitsministeriums zu Schaden gekommen“ seien. In dieser Angelegenheit dürfe sich Woide als Regierungschef nicht hinter seiner Ministerin verstecken. „Ein Ministerpräsident darf in einer solchen Situation nicht schweigen“, sagte Bretz. „Ich erwarte, dass er sich zu der schwerwiegenden Verletzung von Schutzpflichten in seinem Verantwortungsbereich äußert.“

Die AfD forderte den Rücktritt von Golze. „Wir erleben eine linke Ministerin, die mit letzter Kraft um das Überleben kämpft, der wir aber heute schon prophezeien können, dass dieser Kampf bereits verloren ist“, sagte Fraktionschef Andreas Kalbitz.

Von Torsten Gellner