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Brandenburg Wie DDR-Gefangene Geheimpost im Schachbrett schmuggelten
Brandenburg Wie DDR-Gefangene Geheimpost im Schachbrett schmuggelten
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11:06 09.06.2019
Inhaftierte beim Hofgang im Alten Zuchthaus Brandenburg. Seit über 200 Jahren gibt es in Brandenburg an der Havel ein großes Gefängnis. Quelle: Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden
Potsdam

Eng beschriebenes Papier, Listen mit den Namen von Häftlingen, Gedichte, Briefe - sorgsam zieht der Restaurator mit einer Pinzette Stück für Stück aus dem Holz. Jahrzehnte war das politische Vermächtnis in dem Schachbrett mit doppeltem Boden versteckt. Erst jetzt kommen die Dokumente des Widerstands in einem DDR-Gefängnis aus den 50er und 60er Jahren ans Licht, wie eine TV-Dokumentation zeigt. Sie ist auf Phoenix am 9. Juni am 19.15 Uhr zu sehen.

Das in der Tischler-Werkstatt der Haftanstalt Brandenburg-Görden gefertigte Brett sollte mit seiner Geheimpost in der freien Welt das Unrecht in der DDR belegen, heißt es in dem Film von Eva Wormit. Zwar sei das Brett herausgeschmuggelt worden, aber die Botschaften in der Zeit des Kalten Krieges blieben verborgen und kamen im Westen nicht an. Der Film lässt aber die näheren Umstände offen.

Hohe Haftstrafen wegen angeblicher Spionage

In dem Gefängnis war demnach in den 50er Jahren fast jeder zweite Insasse ein politischer Gefangener. Viele waren wegen angeblicher Spionage oder Geheimnisverrats zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Der Film macht deutlich, dass es bis heute Details und Aspekte der deutsch-deutschen Geschichte gibt, die bisher im Dunkeln blieben.

Die Dauerausstellung in der Gedenkstätte der JVA Brandenburg-Görden taucht tief in die Geschichte des Gefängnisses ein. Quelle: Tobias Wagner

„Es herrschte das Prinzip Isolierung und Kontrolle“, sagt ein früherer westdeutscher Fluchthelfer, der von 1962 bis 1964 in Brandenburg-Görden saß, in dem TV-Bericht. Dennoch bildete sich eine Widerstandsgruppe mit etwa drei Dutzend Gefangenen, wie der Film und die Berichte mehrerer einstiger Insassen deutlich machen.

Einige von ihnen arbeiteten in der Tischlerei, wo man unauffällig Kontakt aufnehmen konnte. Sie hätten keine Aufstand gewollt, sondern Zusammenhalt in feindlicher Atmosphäre, hieß es. Untereinander kannten sich immer nur einige.

Mit Taschentuch ins Kanzleramt

Der Politikwissenschaftler Tobias Wunschik hatte das Schachbrett bei Recherchen für ein Buch von einem früheren Häftling geschenkt bekommen. Phoenix zeigt in der Dokumentation nun die spannende Öffnung des aus mehreren Schichten geleimten Bretts in der Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte in Bonn. Mit einer so umfassenden Botschaft an die freie Welt habe er nicht gerechnet, sagt Wunschik beeindruckt.

Wolfgang Frenkel galt laut Film als einer der Hauptakteure der Widerstandsgruppe. Auf deren Bestehen sei die Stasi überhaupt erst nach der sogenannten „Taschentuch-Aktion“ aufmerksam geworden: Der wegen Spionage zu langer Haft Verurteilte hatte bei einem Besuch ein beschriebenes Taschentuch fallen gelassen, ist im Film zu erfahren.

Seine Mutter schrieb die Botschaft ab und schickte diesen Brief 1958 an das Bundeskanzleramt in Bonn. In dem Schreiben wird versichert, der Kampf gegen den Kommunismus werde in der Illegalität beharrlich fortgesetzt - im Namen der Widerstandsgruppe 20653 FKI 268.

Häftlingslisten in Kerzenständern

Der Fluchthelfer von einst, Wolfdieter Sternheimer, sagt, er sei von der geheimen Gruppe moralisch gestützt worden. Erst nach dem Mauerfall erfuhr er den Grund für seine vorzeitige Freilassung. Sie hatte mit einer weiteren geheimen Kontaktaufnahme zu tun:

Es gelang einem Gruppenmitglied, Häftlingslisten in Kerzenständern zu verstecken, die ein Priester nach einer katholischen Messe im Knast wieder mitnahm. Die Listen landeten schließlich bei westdeutschen Behörden. „Ich bin nicht begnadigt, ich bin freigekauft worden“, sagt der sichtlich erschütterte Mann im Rückblick.

Von Jutta Schütz

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