Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Zeugen: Krause war Kohls Bauernopfer
Brandenburg Zeugen: Krause war Kohls Bauernopfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:59 19.12.2014
Günther Krause (CDU) in seiner Firma im Brandenburger Ortsteil Kirchmöser. Quelle: Joachim Liebe
Rostock

Stürzte der frühere Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) im Mai 1993, weil er gegen den Willen von Kanzler Helmut Kohl plante, eine Pkw-Maut einzuführen? Im Gespräch mit dieser Zeitung äußerte sich der jetzige Geschäftsführer einer Unternehmensberatung in Kirchmöser, einem Ortsteil von Brandenburg/Havel. „Für mich ist klar, dass eine Intrige der Grund für meinen erzwungenen Rücktritt war.“

Mit einem jetzt von der Münchener Hanns-Seidel-Stiftung herausgegebenen Band erhält Krauses Vermutung neue Nahrung. In diesem Buch kommt auch Wilhelm Knittel (79), Vertrauter des 1988 verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und späterer Staatssekretär im Bonner Verkehrsministerium, zu Wort. In einem Interview geht er auf die Rolle ein, die der aus Börgerende bei Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) stammende Krause nach seiner Ministeramtsübernahme 1991 spielte. Er bestätigt dem seinerzeit aufstrebenden Politiker aus dem Osten, der besonders den Bau der Ostsee-Autobahn 20 mit unkonventionellen Mitteln vorantrieb, dass dieser die Pkw-Maut „am liebsten eingeführt hätte“. Bundeskanzler Kohl aber sei dagegen gewesen und habe dies in einer Sitzung des CDU-Fraktionsvorstandes deutlich gemacht.

Wolfgang Schäuble, damals Bundesinnenminister und CDU-Fraktionschef, setzte das Thema Maut in Abwesenheit Kohls dennoch auf die Tagesordnung einer Fraktionssitzung und ließ Krause referieren. Eine Abstimmung über eine Pkw-Maut erbrachte in diesem Kreise eine knappe Mehrheit für die Abgabe. Helmut Kohl vermutete daraufhin, Schäuble wolle ihn mit Krauses Unterstützung „demontieren“.
Zeitzeuge Wilhelm Knittel: „Weil Kohl damals nicht an Schäuble herankonnte, hielt er ein Signal gegen Krause für angezeigt.“ Eduard Ackermann, seinerzeit Kanzlerberater, habe daraufhin geäußert, „man müsse da etwas für die Presse finden“.

Ackermanns Schwiegersohn, der damals im Bundesverkehrsministerium gearbeitet habe, sei darauf „angesetzt“ worden und fündig geworden. Er habe nämlich „den Beleg für die Erstattung von 6000 Mark Umzugskosten von Berlin in Krauses Wahlkreis an der Ostsee“ entdeckt. Dieser Beleg, so berichtet Knittel, sei daraufhin dem Nachrichtenmagazin „Stern“ zugespielt worden, das daraus einen Skandal machte, der Krause letztlich zu Fall brachte.

Vorangegangen waren jedoch schon weitere Affären, in deren Mittelpunkt der ehrgeizige Aufsteiger aus Börgerende stand. So hatte Krauses damalige Ehefrau eine Putzfrau mit Hilfe staatlicher Gelder beschäftigt. Eine fragwürdige Rolle spielte Günther Krause auch bei der Vergabe von Lizenzen für die ehemaligen DDR-Autobahnraststätten. So soll er sich zu Wendezeiten massiv für westliche Investoren stark gemacht haben.

Kohl, der seinen skandalumwitterten Minister aus dem Osten loswerden wollte, machte auf Krause während der Rücktrittsgespräche aber einen anderen Eindruck: „Er sagte, dass er mich ja eigentlich behalten wolle. Auch sei die Kostenerstattung vollkommen in Ordnung gewesen. Das hat das mitprüfende Innenministerium vor meinem Rücktritt bestätigt“, sagte Krause jetzt. Er fühle sich nach den aktuellen Enthüllungen „tief enttäuscht von Helmut Kohl“.

DER MANN, DER DEN EINIGUNGSVERTRAG AUSHANDELTE

Günther Krause (61) stammt aus Halle/Saale. Nach Abitur und NVA-Wehrdienst studierte er an der Architektur-Hochschule Weimar.

1975 trat er der DDR-CDU bei. Von 1987 bis 1989 war er CDU-Kreisvorsitzender in Bad Doberan. Im März 1990 wurde er Landesvorsitzender der Partei in Mecklenburg-Vorpommern.

1990 war Krause Parlamentarischer Staatssekretär beim DDR-Ministerpräsidenten. In dieser Funktion handelte er den Einigungsvertrag aus. Bis 1991 war er Bundesminister für besondere Aufgaben, bis 1993 Bundesverkehrsminister.

Als Verkehrsminister ermöglichte er den schnellen Bau der Ostsee-Autobahn 20 durch Verkürzung der Planungsverfahren.

Von Werner Geske

  • Buch: „Vom Überwinden der Mauer. Bayerische Lebensbilder.“ Akademie für Politik und Zeitgeschehen, München 2014, 205 Seiten, ISBN 978-3-88795-446-8, erhältlich über die Hanns-Seidel-Stiftung.
Brandenburg Wochenendtipps für die Region Brandenburg-Berlin - MDR-Show, Pittiplatsch und Weihnachtsoratorium

Aurora Lacasa und Frank Schöbel - die beiden sind ein Muss in der Weihnachtszeit. Auch ein Besuch des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach gehört für viele Brandenburger dazu. Was sonst noch los ist am Wochenende in der Region, verrät die MAZ.

19.12.2014
Brandenburg Mehr Falschgeld als im bisherigen Rekordjahr - "Blüten"-Blüte in Brandenburg

Bereits Ende September hatte die Polizei in Brandenburg fast so viele Blüten sichergestellt wie im gesamten Jahr 2012, dem bisherigen Spitzenjahr. Die Polizei fordert erhöhte Aufmerksamkeit - vor allem im Weihnachtstrubel. Vor allem zwei Scheine sind bei Fälschern sehr beliebt.

19.12.2014
Brandenburg Preußen-Prinz will lieber in Brandenburg helfen statt Bolivien - Spenden-Streit um Verona-Pooth-Projekt

Am 14. Februar 2015 wird in Potsdam auf dem Ball der Wirtschaft des Landes Brandenburg nicht nur getanzt, sondern auch für einen guten Zweck gespendet. In diesem Jahr soll das Bolivien-Projekt von Verona Pooth unterstützt werden. Franz Friedrich Prinz von Preußen ist dagegen.

19.12.2014