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Brandenburg NSU-Untersuchungsausschuss vernimmt Ex-V-Mann „Piatto“
Brandenburg NSU-Untersuchungsausschuss vernimmt Ex-V-Mann „Piatto“
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13:25 11.06.2018
Zahlreiche Polizeifahrzeuge stehen am Montag vor dem Landtag in Potsdam (Symbolbild). Quelle: dpa/Bernd Settnik
Potsdam

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der NSU-Untersuchungsausschuss des Potsdamer Landtags am Montag den früheren V-Mann „Piatto“ vernommen. Der einstige Zuträger des Brandenburger Verfassungsschutzes berichtete, er habe sich Anfang der 1990er Jahre in der Untersuchungshaft der Behörde angedient, weil er aus der rechten Szene aussteigen wollte. Es sei ihm um einen Schlussstrich und eine Teilwiedergutmachung gegangen, sagte „Piatto“, der im Ausschuss mit seinem bürgerlichen Namen Carsten Szczepanski angesprochen wurde.

An wichtige Einzelheiten konnte er sich aber nicht mehr erinnern - auch nicht an das genaue Jahr, in dem er sich dem Amt andiente. Es sei in der Untersuchungshaft wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer gewesen, sagte er. Wegen der Tat war er später verurteilt worden. „Piatto“ schilderte, wie er sich Ende der 1980er in West-Berlin der rechten Szene anschloss und später nach Königs Wusterhausen zog. Er habe Kontakt zum rechtsterroristischen Ku-Klux-Klan in den USA aufgenommen. „Das wirkte auf mich sehr anziehend“, sagte er.

V-Mann im Zeugenschutz

Der einstige V-Mann lebt heute in einem Zeugenschutzprogramm. Die Vernehmung erfolgte in einem Raum nur mit ihm und den Ausschussmitgliedern. Journalisten und die Öffentlichkeit konnten die Vernehmung in einem anderen Raum verfolgen, in den sie per Lautsprecher übertragen wurde. Rund um das Gebäude des Potsdamer Landtags wachten Polizeibeamte.

„Piatto“ soll in dem Ausschuss erklären, was er vor rund 20 Jahren über die Mitglieder der späteren Terrorgruppe NSU wusste und an die Brandenburger Behörden weitergegeben hat. Zu diesen Fragen kam es zunächst allerdings noch nicht. Der Ausschuss soll klären, ob der Verfassungsschutz des Landes Informationen von „Piatto“ nicht ausreichend an Behörden in anderen Bundesländern weiterleitete.

Wie viel wusste der Verfassungsschutz?

Zuletzt hatte der Berliner Rechtsanwalt Christoph Kliesing im Januar schwere Vorwürfe gegen Brandenburgs Verfassungsschutz erhoben. Die Behörde habe im September 1998 gewusst, dass sich das NSU-Trio in Chemnitz aufhalte, sagte Kliesing vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags. „Es wäre eine Leichtes gewesen, die genaue Adresse herauszufinden und die Drei festzunehmen, aber die Behörden in Sachsen wurden nicht informiert“, so Kliesing.

Von dpa

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