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Brandenburg Ex-IHK-Angestellte kämpft gegen Kündigung
Brandenburg Ex-IHK-Angestellte kämpft gegen Kündigung
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09:34 03.06.2014
Potsdam

Ein deftiges „Arsch“, gesagt zu ihrer Sekretärin während einer Fahrstuhlfahrt über einen damaligen Mitarbeiter, das sei ihr entglitten, gibt Gundula Stelzner zu.

Als einzige Verbliebene der einstigen Führungsriege der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam habe sie nach der Privilegien-Affäre unter enormem Druck gestanden. All die anderen Vorwürfe aber will die einstige Personalchefin nicht zugeben. Deshalb sei die fristlose Kündigung, die die IHK der langjährigen Mitarbeiterin am 12. März 2014 aussprach, ungerechtfertigt.

Die Gegenseite sieht das anders und fordert zudem Schadensersatz in sechsstelliger Höhe. Grund: Stelzner soll nicht nur verbal entgleist, sondern auch das „System Stimming“ gestützt haben.

Wusste Stelzner von der "Selbstbedienung" des IHK-Präsidenten?

Der Streit beschäftigte am Montag das Arbeitsgericht Potsdam. Der inzwischen zurückgetretene IHK-Präsident Victor Stimming soll sich, wie berichtet, auf Kosten der IHK bereichert haben. Privat genutzte Luxusdienstwagen und ein Ausflug nach Malta gehören noch zu den harmlosen Vorwürfen.

Ex-IHK-Präsident Victor Stimming soll in die eigenen Tasche gewirtschaftet haben. Quelle: Michael Hübner

Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen des Verdachts der Untreue. Stimming soll seiner Firma und der seines Sohnes Kai mehrfach Aufträge der Kammer zugeschanzt haben. Allein für die Projektsteuerung zur Sanierung der Potsdamer Villa Carlshagen, die die IHK unter Stimmings Ägide für fünf Millionen Euro gekauft hatte, soll Stimmings Unternehmen 70 000 Euro kassiert haben – und das womöglich ohne Leistungen zu erbringen. 600 000 Euro Schaden könnten der IHK entstanden sein.

Doch was wusste Stelzner von der offenbar schamlosen Selbstbedienung des Präsidenten?

IHK-Anwalt: "Stelnzner guckte weg"

Nach Ansicht von Wolfgang Matzke, Rechtsanwalt der IHK, gehörte die Personalchefin zum Führungszirkel und hat sich deshalb mitschuldig gemacht: Die üppigen Aufwandsentschädigungen von 30 000 Euro, die Stimming seit 2009 jährlich für seine Aufsichtsratstätigkeiten bei der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) und bei der Bürgschaftsbank von der Kammer kassierte – Stelzner setzte ihre Unterschrift darunter, so der Anwalt.

Die Sekretärinnen, die Stimming auf IHK-Kosten in seiner privaten Baufirma beschäftigte – Stelzner guckte weg. Die Rechnungen, die Stimmings Firma für Leistungen an der Villa Carlshagen stellte – Stelzner hätte erkennen müssen, dass diese Leistungen nicht erbracht worden seien. Das i-Tüpfelchen sei ein Diebstahl gewesen. Stelzner soll Informationen zur Stasi-Vergangenheit eines IHK-Mitarbeiters aus einem Tresor gestohlen haben, wohl um ein Druckmittel zu haben.

Rechtsanwalt der Personalchefin: "Stelzner ist der Sündenbock"

Die Gegenseite weist alle Vorwürfe (mit Ausnahme des „Arsches“) zurück. Stelzner habe unter dem Einfluss ihrer Vorgesetzten gestanden, erläutert Rechtsanwalt Thomas Jürgens. So habe ihr etwa der damalige und inzwischen ebenfalls wegen der Privilegien-Affäre zurückgetretene Hauptgeschäftsführer René Kohl aufgetragen, die Aufwandsentschädigung für Stimming gegenzuzeichnen. Die Rechnungen für die Villa Carlshagen seien okay gewesen. Und bei den Sekretärinnen habe es keinen Anlass zum Misstrauen gegeben. Laut Jürgens soll Stelzner in die Rolle eines Sündenbocks gedrängt werden, während etwa Kohl noch bis Ende Juni seine vollen Bezüge in Höhe von 10 000 Euro erhalte und einen „dicken Dienstwagen“ nutze.

Rechtsanwalt Matzke versicherte indes, dass alle Schuldigen zur Rechenschaft gezogen würden – darunter eben auch Stelzner. „Sie hat sich zwar nicht selbst bereichert, aber sie war auch nicht nur ein kleines Licht.“

Die Vorsitzende Richterin ließ indes anklingen, dass Mitarbeiter aus der zweiten Reihe in vergleichbaren Fällen eher nicht belangt worden seien. Dass das Arbeitsverhältnis zwischen Stelzner und der IHK zerrüttet ist, darin zumindest waren sich alle Seiten einig. Nun will man über einen Vergleich sprechen. Falls der nicht gelingt, könnte Stelzner am Ende noch über weitere verbale Entgleisungen stolpern: Sie soll in einer Besprechung zwei nicht anwesende Kollegen „Schweine“ genannt haben.

Am 20. November 2013 legte Victor Stimming sein Ehrenamt als Präsident der IHK Potsdam unter dem Eindruck der Privilegien-Vorwürfe nieder.

IHK-AFFÄRE

  • Ein interner Wirtschaftsprüfungsbericht bestätigte Verfehlungen. Die IHK-Mitglieder haben entschieden, zivilrechtliche Schritte gegen Stimming einzuleiten, sobald der Fall juristisch aufgearbeitet ist.
  • Beate Fernengel ist seit dem 21. Mai 2014 neue Präsidentin der IHK.

Von Angelika Pentsi

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