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Brandenburg Das ist der Mann, der über Brandenburgs Geschichte wacht
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17:54 12.01.2020
Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Golm geht in den Ruhestand. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Friedrich der Große hatte eine Sauklaue. Das Gekrakel des Königs von Preußen und Kurfürsten von Brandenburg ist kaum zu entziffern – auch Klaus Neitmann hat seine Probleme damit. Der Direktor des Landeshauptarchivs in Potsdam beugt sich bei grellem Bibliothekslicht über die Jahrhunderte alte Akte, auf die der Alte Fritz einst mit Feder und Tinte eine Anmerkung kritzelte. Dann liest Neitmann langsam aber deutlich vor: „Wenn die Justiz Ungerechtigkeiten tu-het, ist sie schlimmer wie Straßenräuber. Ein Müller ist ein Mensch – ebenso gut wie ich bin.“

Darunter hat Friedrich der Große unterschrieben. „Frie-de-rich“, liest Neitmann und richtet sich in seinem Tweed-Sakko wieder auf. Er streicht mit einem kurzen Schwung die bunt bedruckte Krawatte glatt – und strahlt. Die historische Dimension dieser königlichen Kritzelei bereitet Neitmann sichtlich Freude. Der 65-Jährige wacht seit nunmehr 27 Jahren über das Landeshauptarchiv Brandenburgs. In der Zeitrechnung von Archivdirektoren, die in der Regel erst im Spätherbst ihrer Karriere in diese höchste Sphäre der Archivarenhierarchie aufsteigen, ist das eine Ewigkeit.

Gekrakel, das Geschichte schrieb: Diese Sätze stammen von Friedrich dem Großen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Landeshauptarchiv lagert ein Stück brandenburgische Geschichte

Die Begeisterung für die Geschichte hat sich Neitmann in diesen fast drei Jahrzehnten ganz offensichtlich bewahrt. In ruhigem, fast märchenhaftem Tonfall erzählt er die Anekdote, die Friedrich der Große kommentierte und die als Müller-Arnold-Fall in die preußisch-brandenburgische Geschichte eingeht:

„In der Neumark war ein Müller mit dem benachbarten adligen Grundherren in Konflikt geraten“, erzählt Neitmann. „Der Konflikt hat zu einem Prozess geführt und der Müller ist verurteilt worden – da ging es um den Gewässerlauf. Der Vorgang gelangte nun zur Kenntnis des Königs. Der König aber hatte den Eindruck, dass die Standesgenossen in der Richterschaft ihrem Freunde einen Gefallen tun wollten – und dass sie das Recht zu Gunsten ihres adligen Standesgenossen und zu Ungunsten des Müllers gebräuchten“.

„Ein Vorgang von historischer Bedeutung“

Neitmann macht jetzt eine Pause – dann erst erzählt er weiter. „Der König hat sich dann einfach über die Gerichtsbarkeit hinweg gesetzt. Das endete damit, dass der vorsitzende Richter ins Gefängnis wanderte“, sagt Neitmann und fängt herzlich an zu lachen. Nur um einen Augenblick später, nun wieder ganz ernst und profilierter Archivar, den Fall geschichtlich einzuordnen:

„Dieser Vorgang ist von historischer Bedeutung“, sagt Neitmann. „Für den König war er der Ausgangspunkt für eine gründliche Neuorganisation der Justiz“. Friedrich der Große beauftragte im Anschluss seinen Justizminister damit, ein großes umfassendes Gesetzbuch zu erarbeiten. „Das war dann später das sogenannte Preußische Allgemeine Landrecht“, sagt Neitmann.

Im April geht Neitmann in den Ruhestand

Ende April geht Klaus Neitmann in den Ruhestand. Er ist der erst dritte Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und nach seinem Vorgänger Friedrich Beck der zweite, der das Haus maßgeblich prägte. Unter Neitmanns Aufsicht zog das gesamte Archiv um: Raus aus den unzureichenden Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Stasi-Gelände in Bornim und rein in den modernen und hellen Bau in Golm. 55 laufende Kilometer Akten, Karten und andere geschichtsträchtige Papiere lagern hier – um die Dokumente der Vergangenheit für die Zukunft aufzubewahren.

Das neue Brandenburgische Landeshauptarchiv in Golm. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Hier haben wir nun endlich Platz und hervorragende Bedingungen“, sagt Neitmann und blickt auf den turmhohen Stapel Akten auf seinem Tisch. Bis zum Ruhestand wartet noch Arbeit auf ihn – die letzten Geschäfte müssen schließlich noch abgewickelt werden. Für Wehmut bleibt da eher kein Platz. Erst danach ist endlich mehr Zeit – zum Beispiel um vor Jahren angefangene Manuskripte zu beenden. Gerade arbeite er an einer Brandenburgischen Landesgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert, sagt Neitmann. Denn märkischer Historiker durch und durch bleibt er, auch im Ruhestand.

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Von Ansgar Nehls

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