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Brandenburg Pillen-Prozess läuft auf Deals hinaus
Brandenburg Pillen-Prozess läuft auf Deals hinaus
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21:37 28.01.2014
Zwei der Angeklagten im Gerichtssaal, links der Hauptangeklagte. Quelle: dpa
Potsdam

Der illegale Handel mit vermeintlich echten Potenzmitteln, die sich oft als wirkungslos erwiesen, haben sieben Männer und eine Frau binnen kürzester Zeit reich gemacht, nun aber vor das Potsdamer Landgericht geführt.

Mehr als 21 Millionen Euro soll die Bande mit Drahtziehern aus Potsdam und Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) ergaunert haben. Sie boten laut Staatsanwaltschaft täuschend echte Kopien von Potenz- und Schlankheitspillen im Internet an und verstießen damit nicht nur gegen das Arzneimittelgesetz, sondern setzten auch die Gesundheit ihrer Kunden aufs Spiel, wie Staatsanwalt Alexander Roth gestern zum Prozessauftakt betonte.

Zum Teil seien bei den chinesischen Imitaten auch Wirkstoffe vertauscht. „Das kann fatal sein, wenn ein Kunde einen Wirkstoff nicht verträgt“, sagte er. „Es war ein hemmungsloser und aus massiver Gewinnsucht motivierter Angriff auf die öffentliche Gesundheit.“

Wie Mitglieder einer skrupellosen Bande sehen die sieben Männer im Alter von 30 bis 52 Jahren sowie die schmale, 66-jährige Frau nicht aus. Es ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe. Einer trägt Anzug, ein anderer einen Kapuzenpullover, einer Hemd und Sakko. Nach und nach haben sie sich kennengelernt, die Programmierer, Grafiker, Webmaster, die Lageristin.

Einer von ihnen ist Georg W. (46), der aus dem nordrhein-westfälischen Pulheim kommt, aber zeitweise eine Wohnung in Potsdam besaß. Bereits 2006 soll er illegal mit Potenzmitteln gehandelt haben, gemeinsam mit Marco B. aus Pirmasens. Die beiden kennen sich laut Staatsanwaltschaft von „früheren Projekten im Pornografiebereich“. W. pflegte den Kundenstamm, B. kümmerte sich um die Technik.

2008 sei dann der Treuenbrietzener Peter L., ein bislang mäßig erfolgreicher Software-Spezialist und Betreiber eines Teeladens, dazugestoßen. Das Engagement von L. (52) habe zu einer „explosionsartigen Ausdehnung des Geschäftserfolgs geführt“, so der Staatsanwalt. L. soll ein Zahlungssystem entwickelt haben, das die dubiosen Geldströme über Auslandskonten verschleierte. Dafür erhielt er sechs Prozent Provision – laut Anklage mindestens 340 000 Euro. Mehr als fünf Millionen Euro seien über seine Konten geflossen.

Der Fall ist für die Staatsanwaltschaft „umfassend ausermittelt“, die Beweislast erdrückend. Peter L., bei dem die Ermittler schon im Herbst 2009 vor der Tür standen, hat in Verhören seine Mitarbeit eingeräumt, allerdings hält er sich offenbar nicht für einen Teil einer kriminellen Bande, sondern eher für einen „neutralen Dienstleister“, ähnlich einer Bank.

Auch die Mitangeklagten haben sich laut Richter Andreas Dielitz bereits mehr oder weniger deutlich zu ihren Taten bekannt. Deswegen läuft der Prozess auf eine Absprache hin, wie sich am Dienstag abzeichnete. Wenn die Angeklagten die Taten einräumen und Reue zeigen, dann können sie mit deutlich milderen Strafen rechnen. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich dazu am Dienstag bereit und stellte fünf Bewährungsstrafen in Aussicht. Die drei „Rädelsführer“ Georg W., Marco B. und Peter L. müssen sich jedoch auf Haftstrafen ohne Bewährung gefasst machen.

Kriminelle Geschäfte mit gefälschten Medikamenten

Egal ob bei Krankheit, Potenzstörung oder Gewichtsproblemen: Es werden immer mehr gefälschte Arzneien geschluckt. Die Medizin-Plagiate werden oft in Osteuropa oder Indien hergestellt und über das Internet vertrieben. Das Bundeskriminalamt warnt, dass illegal vertriebene Arzneimittel etwa durch falsch dosierten oder ganz fehlenden Wirkstoff lebensgefährlich sein können.

Das Ausmaß der Arzneimittelkriminalität liegt im Dunkeln. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist jedes zweite im Internet gekaufte Medikament gefälscht. Allein bei einer weltweit von Interpol koordinierten Razzia in mehr als 100 Staaten wurden im Juni 2013 innerhalb weniger Tage 9,8 Millionen Medizinplagiate sichergestellt. Dabei wurden auch gefälschten Antibiotika, Anti-Malariamittel, Arzneimittel zur Geburtenkontrolle und Tetanus-Impfstoffe gefunden.

Bundesweit wurden von Januar bis August 2013 laut Zollkriminalamt ZKA in Häfen, Airports oder Paketzentren mehr als zwei Millionen gefälschte Tabletten, Kapseln und Ampullen entdeckt. Das waren 20 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. 2012 wurden in Deutschland rund 1800 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Hohe Profite bei vergleichsweise geringem Risiko locken in diesem Verbrechensbereich immer mehr Kriminelle an. Als Beispiel für die Gewinnspanne nannte ein ZKA-Sprecher die Fälschung von Viagra. So würden bei Kosten von 40 bis 50 Euro für ein Kilogramm der illegalen Potenz-Pillen im Verkauf bis zu 23 000 Euro Gewinn pro Kilo kassiert.

Von Torsten Gellner

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