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Brandenburg Potsdam schreibt mit der HPI-Fakultät Geschichte
Brandenburg Potsdam schreibt mit der HPI-Fakultät Geschichte
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17:39 03.04.2017
Hasso Plattners Stiftung finanziert die neue Fakultät.
Hasso Plattners Stiftung finanziert die neue Fakultät. Quelle: FOTO: Christel Köster
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Potsdam

Brandenburg schreibt Hochschulgeschichte. Zum ersten Mal wird in Deutschland mit dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) für Software-Engineering eine privat finanzierte Forschungs- und Lehreinrichtung zu einem festen Bestandteil einer staatlichen, aus Steuermitteln finanzierten Universität. Offiziell bildet seit dem 1. April mit Beginn des Sommersemesters das HPI die sechste Fakultät von Brandenburgs größter Hochschule. Sie heißt „Digital Engineering Fakultät“.

Träger der neuen universitären Einheit wird die HPI GmbH. Diese wird vollständig aus der Hasso-Plattner-Stiftung finanziert, in welche der SAP-Mitbegründer Hasso Plattner Teile seines Privatvermögens gegeben hat. Das HPI war und ist seit seiner Gründung 1998 die bisher größte deutsche private Wissenschaftsstiftung.

Münch und Günther erwarten wirtschaftliche Impulse

Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) nannte am Montag den Vertrag „eine außergewöhnliche, zukunftsgerichtete neue Form der Kooperation“. Die neue Fakultät eröffne für die brandenburgische und die bundesweite Hochschullandschaft neues Potenzial. Das HPI genieße weltweit Ansehen und belege bei Hochschulrankings wegen seiner Qualität in Forschung und Lehre ständig Spitzenplätze. Münch erwartet auch wirtschaftliche Impulse. Ein Schwerpunkt der neuen Fakultät wird „Digital Health“ sein, eine Verbindung von Gesundheitswissenschaft und Informatik. Von ihr erhofft sich die Landesregierungen zum Beispiel Anwendungen in der Medizintechnik.

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Quelle: dpa

Universitätspräsident Oliver Günther sieht dank der Fakultät ein neues Kompetenzzentrum für Informatik in der Region Berlin-Brandenburg heranwachsen. Das bisherige HPI werde sich in den kommenden Jahren dank Plattners Plänen auf etwa 25 Professuren fast verdoppeln. Hinzu kämen Professuren wie Wirtschaft- und Bioinformatik an den anderen Fakultäten. „In Potsdam wird es damit um die 40 informatiknahe Professuren geben“, so Günther. „Das ist in der Bundesrepublik bislang einmalig.“ Von diesem Großraum der Informatik würden auch wichtige wirtschaftliche Effekte ausgehen.

Plattner zahlt, bestellt aber nicht die Musik

Sorgen, Plattner könne nun als Finanzier der sechsten Fakultät Einfluss auf die Lehrinhalte nehmen, wies Günther kategorisch zurück. „Hasso Plattner hat eine klare Meinung, aber er weiß auch, was im Grundgesetz steht.“ Plattner sei selbst als Professor am HPI tätig und wisse die Wissenschaftsfreiheit zu schätzen. Die Regel, wonach derjenige, der bezahlt, auch die Inhalte bestimmt, gelte bei der neuen Kooperation gerade nicht.

Die Universität Potsdam habe schon viele Kooperationen mit privaten Partnern ausgeschlagen, weil diese inhaltliche Bedingungen gestellt hätten. Auch werde die neue Fakultät, die mit einem Dekan und einem Fakultätsrat in den Gremien der Universität Potsdam vertreten sei, keine Überhand gewinnen. Der Jahresetat der digitalen Fakultät belaufe sich derzeit auf rund zehn Millionen Euro, die bisherige Universität verfüge insgesamt über rund 180 Millionen Euro pro Jahr.

Der Institutsdirektor des Hasso Plattner Institutes Christoph Meinel, Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) und der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther (l-r) mit dem Kooperationsvertrag. Quelle: dpa

Laut HPI-Direktor Christoph Meinel wird die neue Fakultät neben dem bislang gelehrten Softwareengineering und der „Digital Health“ auch die Fächer „Smart Energy“ und „Data Engineering“ aufbauen. „Smart Energy“ soll die Digitalisierung in die Energiewirtschaft und in das Verkehrswesen bringen, „Data Engineering“ lehrt und erforscht das Gewinnen und Verwenden großer Datenmengen.

Noch in diesem Jahr will die Fakultät drei Professoren für „Digital Health“ berufen. „Wenn alles toll läuft, können wir schon im Herbst 2018 mit dem neuen Studiengang Digital Health starten“, so Meinel, der die Fakultät interimistisch leitet. Es sei aber auch nicht schlimm, wenn es bis Frühjahr 2019 dauere.

Insgesamt hofft Meinel binnen fünf Jahre die Fakultät zu ihrer angestrebten Größe von und 25 Professuren und dann vier Fachbereichen ausbauen zu können. Dort könnten dann pro Jahrgang vielleicht bis zu 1000 junge Menschen studieren. Für diese und die Wissenschaftler wird auf dem Campus Griebnitzsee bereits ein weiteres Haus gebaut. Außerdem soll ein großes Gebäude in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg hinzukommen. Dort residieren bislang Startup-Firmen und Teil der HPI-Verwaltung.

Von Rüdiger Braun

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