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Brandenburg Potsdamer Klimaforscher fordern unterirdische Speicherung von CO2
Brandenburg Potsdamer Klimaforscher fordern unterirdische Speicherung von CO2
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06:10 01.07.2019
In der Pilotanlage im havelländischen Ketzin wurde die unterirdische Speicherung von erfolgreich getestet.
In der Pilotanlage im havelländischen Ketzin wurde die unterirdische Speicherung von erfolgreich getestet. Quelle: Ronny Heim
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Potsdam

Im Kampf gegen die Erderwärmung könnte eine in Brandenburg besonders umstrittene Technologie zum Einsatz kommen. Nach Einschätzung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) führt an der unterirdischen Lagerung des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 kein Weg vorbei, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will.

„Wenn wir bis 2050 Klimaneutralität erreichen wollen, also unter dem Strich null Emissionen, dann brauchen wir die Option der CCS-Technik“, sagte Ottmar Edenhofer, Co-Direktor des PIK, im Gespräch mit der MAZ. Mit Hilfe der CCS-Technik sollen Treibhausgase, die bei der energie-intensiven Industrie entstehen, abgeschieden und unterirdisch gelagert werden. So soll verhindert werden, dass sie in die Atmosphäre gelangen und somit weiter zur Erderwärmung beitragen.

Einsatz in der Industrie

Die Technologie sei notwendig, weil es in manchen Industrien wie etwa in der Zementherstellung oder in der Landwirtschaft kaum vermeidbare Emissionen gebe, so Edenhofer. „Diese müssen ausgeglichen werden durch die Entnahme von CO2“, sagte er. „Wir haben doch schon gewaltige Aufgaben vor uns, wenn wir den Transportsektor und den Energiesektor CO2-neutral gestalten wollen.“

Johan Rockström, zweiter Direktor des PIK, ergänzte: „Wir haben schlicht keine andere Wahl. Wenn wir unter 1,5 Grad Erderwärmung bleiben wollen, müssen wir zwangsläufig neue Pfade einschlagen. Dazu gehört CCS“, sagte er.

Proteste gegen CCS

CCS war in Brandenburg vor rund zehn Jahren für die Kohleverstromung im Gespräch. Nach heftigen Protesten von Bürgerinitiativen und Umweltschützern hatte sich die Brandenburger Landesregierung schließlich dafür entschlossen, die Speicherpläne nicht weiter zu verfolgen.

GFZ-Chef Hüttl: Technik ist marktreif

Die unterirdische Lagerung von CO2 war in Brandenburg am Pilotstandort Ketzin (Havelland) getestet worden. Dort war das Gas unter einer 80 Meter dicken Deckschicht gelagert worden. Während der gesamten Projektlaufzeit zwischen 2008 und 2013 sei kein Treibhausgas entwichen und in die Atmosphäre gelangt, sagte Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam, das die Versuchsanlage betrieben hat. „Während des Pilotversuchs ist nachweislich kein CO2 entwichen. Das konnte durch Langzeit-Analysen von Messdaten unterschiedlicher Messsysteme bestätigt werden“, sagte er.

Hüttl zufolge sei die Technik marktreif. Es gebe Verfahren, die im großtechnischen Maßstab funktionieren, etwa bei er Zementherstellung oder auch in der chemischen Industrie. „CCS kann nach meiner Einschätzung seinen Anteil dazu beitragen, den CO2-Ausstoß in die Atmosphäre zu verringern“, sagte Hüttel der MAZ.

PIK-Forscher für CO2-Preis

Die Klimaforscher Edenhofer und Rockström werben außerdem um die Einführung einer CO2-Bepreisung, damit der Verbrauch fossiler Energieträger weniger rentabel wird. „Wenn wir den Klimawandel ungebremst zulassen, dann wird sich unser Alltag noch viel fundamentaler ändern als durch jede CO2-Steuer“, sagte Edenhofer. Durch die zunehmenden Wetterextreme würden Häuser, Straßen, Felder und Wälder zerstört. „Dann ist unsere Wirtschaftsordnung in Gefahr“, warnte er.

Brandenburg habe mit der guten Forschungslandschaft beste Voraussetzungen dafür, als Gewinnerregion aus einem ökologischen Strukturwandel hervorzugehen, sagte Johan Rockström.

Von Torsten Gellner