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Brandenburg Potsdamer Klimaforscher fordern Kohleaussteig in den nächsten Jahren
Brandenburg Potsdamer Klimaforscher fordern Kohleaussteig in den nächsten Jahren
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09:17 09.10.2018
Klimaforscher fordern ein rasches Ende der Kohleverstromung. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Potsdam

Es ist ein eindringlicher Appell für mehr Klimaschutz: Der Weltklimarat hat von Politik und Bevölkerung verstärkte Anstrengungen angemahnt, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Nur so könnten enorme Schäden für Mensch und Umwelt abgewendet werden, heißt es in einem Sonderbericht, den das UN-Gremium am Montag im südkoreanischen Incheon verabschiedete.

Der Potsdamer Klimaforscher Elmar Kriegler, einer der Autoren des Berichts, sagte, nun sei rasches Handeln entscheidend. „Es sind wirklich die nächsten paar Jahre, die zählen, denn jetzt entscheiden die Regierungen über ihre Emissionsreduktionen bis 2030. Was wiederum darüber entscheiden wird, ob es uns gelingt, die schlimmsten Klimarisiken zu begrenzen oder nicht“, sagte Kriegler, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeitet.

Woidke hält an Braunkohle bis 2040 fest

Der kommissarische PIK-Direktor, Ottmar Edenhofer, forderte wirkungsvollere Instrumente, um den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 zu verteuern. Dadurch würden fossile Brennstoffe wenige profitabel und dem Staat stünden höhere Einnahmen zur Verfügung. „Ein gerechter und fairer Übergang ist möglich, wenn wir schnell handeln. Wenn wir hingegen zögern, so steigen die Kosten – und die Risiken“, sagte Edenhofer.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat indessen klar gemacht, dass er nichts von einem raschen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hält. Er sprach sich im ARD-Fernsehen für ein Festhalten an dem fossilen Energieträger bis in die 2040er-Jahre aus. Man dürfe in Deutschland nicht versuchen, Klimaschutz gegen Arbeitsplätze auszuspielen. „Diese Diskussion fern von den Regionen, die davon betroffen sind – die ist grundsätzlich falsch. Wir müssen in Deutschland – gerade in Deutschland als Industrienation – den Anspruch haben, Klimaschutz mit Arbeitsplätzen zu verbinden.“ Die Lausitz habe schon einen großen Beitrag geleistet.

Baerbock: „Jetzt ist die Zeit des Handelns“

Die Grünenvorsitzende Annalena Baerbock wies Woidkes Forderung, die heimische Kohle noch gut 20 Jahre zu nutzen, zurück: „Der Bericht der Klimaforscher macht deutlich: Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt ist die Zeit des Handelns“, sagte sie der MAZ. „Wenn wir die Pariser Klimaziele ernst nehmen, müssen wir in den kommenden Jahren aus der Kohle aussteigen. Daher brauchen wir jetzt ein Kohleausstiegsgesetz, statt an der klimaschädlichen Kohle festzuhalten.“

Der Weltklimarat hat in seinem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel über 6000 Studien untersucht. Der globale Ausstoß etwa von Kohlendioxid (CO2) müsste nach dem Bericht ausgehend vom Jahr 2010 bis 2030 um etwa die Hälfte zurückgefahren werden und im Jahr 2050 Null erreichen.

„Die Bundesregierung hat sich in den vergangenen Monaten nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, sagte Benjamin Stephan von der Umweltorganisation Greenpeace. In der Europäischen Union fordere die Mehrheit der Mitgliedstaaten deutlich ambitioniertere CO2-Grenzwerte für Autos. Die Bundesregierung aber blockiere und komme selbst beim Kohleausstieg und der Verkehrswende nicht voran, kritisierte er. In London kletterten am Montag Aktivisten der Organisation auf das Dach der Deutschen Botschaft und entrollten ein Transparent, das die Bundesregierung zum Ausstieg aus der Kohle aufforderte.

Von Torsten Gellner

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