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Brandenburg Wissenschaftler der Uni Potsdam protestieren gegen Arbeitsbedingungen
Brandenburg Wissenschaftler der Uni Potsdam protestieren gegen Arbeitsbedingungen
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17:15 26.02.2019
Die Lehre an der Universität Potsdam soll aufwendiger werden. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Ausbau der Lehrerbildung an der Universität Potsdam geht auch mit einer massiven Erhöhung der Lehrverpflichtung einher. Die Leitung der Universität Potsdam will, dass neu eingestellte wissenschaftliche Mitarbeiter, die eigens diesem Aufwuchs der Lehrerbildung dienen sollen, künftig bis zu 18 Stunden in der Woche Studierende unterrichten müssen. Dagegen protestieren die angestellten Wissenschaftler. Unterstützt werden sie jetzt auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg.

„Die GEW bekräftigt die Auffassung, dass eine Lehrverpflichtung von 18 Semesterwochenstunden mit den Anforderungen an eine mit Forschungserkenntnissen angereicherte Lehre nicht vereinbar ist“, teilt die Gewerkschaft mit. Universitäre Lehre sei mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden.

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Die Fakultät lehnte schon Ende Januar in einem offenen Brief an Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) und Unipräsident Günther die Neubesetzung der Stellen mit einem so hohen Lehrdeputat ab. Die Wissenschaftler sehen in der Erhöhung eine „gezielte Entwertung fachwissenschaftlicher Lehre“. Eine hochwertige und auf aktuellen Forschungsergebnissen beruhende Lehre müsse aufwendig vor- und nachbereitet werden, schreiben die Fakultätsvertreter. „Sie sollte sich aus der eigenen Forschungs- und Publikationstätigkeit speisen.“ Eine solche forschende Tätigkeit sei bei 18 Semesterwochenstunden Lehre unmöglich.

Der GEW-Vorsitzende Günther Fuchs stimmt dieser Einschätzung zu. In seinen Augen sind wissenschaftliche Mitarbeiter Leidtragende einer verfehlten Hochschulpolitik. Die chronische Unterfinanzierung der Hochschule führe zu knappem Personal. Um die Studierenden nicht allein zu lassen, müssten die wissenschaftlichen Mitarbeiter sich entweder noch mehr ausbeuten und „zur schlecht bezahlten Arbeit zusätzlich unbezahlte Arbeit“ leisten oder eben schlechte Lehrveranstaltungen „von der Stange“ anbieten.

Derzeit verhandelt die Philosophische Fakultät mit der Hochschulleitung. Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Thomas Brechenmacher, sagte gestern der MAZ, man strebe eine Einigung an. Insgesamt will sich Brandenburg den Ausbau der Lehrerbildung an der Uni Potsdam 60 Millionen Euro kosten lassen. Dadurch sollen jährlich 350 junge Leute mehr ein Lehramtsstudium beginnen können. Uni-Präsident Oliver Günther hatte eingeräumt, dass ihretwegen auf die neuen Mitarbeiter eine höhere Lehrverpflichtung zukommen werde.

Von Rüdiger Braun