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Brandenburg Potsdamer entwickeln nutzerfreundliche Asthma-App
Brandenburg Potsdamer entwickeln nutzerfreundliche Asthma-App
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01:16 24.05.2019
Benedikt Gnadt und Andreas Thom gründeten 2017 das Startup Breazy Health. Quelle: Foto: Rüdiger Braun
Potsdam

Andreas Thom ist Asthmatiker. Die Diagnose bekam er aufgrund seiner allergischen Atembeschwerden schon 2008. Damals wollte er es gar nicht glauben. Thom kennt also die Umstände, die Asthmatiker mit der regelmäßigen Anwendung ihres Sprays, dem ständigen Testen ihres Atemvolumens und dem sorgfältigen Dokumentieren ihrer Beschwerden haben.

Thom ist aber nicht nur Asthmatiker, er ist vor allem Interface-Designer mit einem Abschluss der Fachhochschule Potsdam (FHP). Im Jahr 2016 kam er in Potsdam mit seinen beiden Bekannten Benedikt Gnadt und Felix Mühlbauer ins Gespräch. Gnadt hat an der FHP Produktdesign studiert, Mühlbauer ist technischer Informatiker. Es müsse doch im digitalen Zeitalter für Asthmatiker eine bessere Lösung geben, so Thom, als tagtäglich Heftchen mit allen möglichen Einflussfaktoren, dem aktuellen Befinden und der Medikamenteneinnahme auszufüllen. Die drei spielten alle möglichen Ideen durch, fanden aber doch eine App am besten.

Die Asthma-App hat 100 Nutzer

Im Dezember 2017 gründeten sie das Start-up „breazy-health“. Ein Jahr lang tüftelten die drei und entwickelten schließlich ein automatisiertes System, das mit wenigen Klicks auf das Smartphone alle wesentlichen Daten eines Patienten zur Asthmaerkrankung und deren Therapie erfassen und akribisch dokumentieren kann. Mehrere hunderttausend Euro habe die Entwicklung gekostet, sagt Thom.

Seit April 2019 kann sich jeder das System herunterlanden. Inzwischen haben rund 100 Nutzer die Asthma-App „breazyTrack“ der jungen Potsdamer Firma in der Hosentasche. „Es geht im Wesentlichen darum, das Asthma unter Kontrolle zu behalten und frühzeitig zu erkennen, ob die verschriebene Therapie die richtige ist“, sagt Thom. „breazyTrack“ unterstütze den Arzt in der Anamnese, der Diagnose und der Therapie – und entlaste zugleich den Kranken.

Beim Potsdamer Tag der Wissenschaften auf dem Campus der FH Potsdam präsentierten er und sein Mitgründer Benedikt Gnadt im Zelt des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) den Besuchern am großen Monitor wie die App funktioniert. Das jungen Start-up hat nämlich Fördermittel beim Europäischen Sozialfonds und vom Land Brandenburg beantragt und erhalten. Bisher kostet ihre App den Nutzer nichts.

„Hier auf der Seite können Sie ihren aktuellen Standort eingeben“, erklärt Thom am Monitor. Da das System bisher noch nicht über GPS verfügt, muss die Postleitzahl eingetragen werden. Sofort erscheint ein Balken, der die aktuellen Umweltbelastungen an diesem Ort anzeigt. Dazu gehören Pollenflug, das Biowetter, die Feinstaubbelastung, die Stickoxide, Ozon und die Luftfeuchtigkeit, „Die Daten kommen vom Bundesumweltamt und dem Deutschen Wetterdienst“, erklärt Thom.

In einem zweiten Schritt können Asthmapatienten digital Tagebuch führen. So tragen sie neben dem Messwert für ihr Lungenvolumen auch ihr aktuelles Befinden, das eingenommene Medikament und vor allem die Intensität ihrer jeweiligen Symptome ein. Dazu gehören Husten, Auswurf, Atemnot und nächtliches Erwachen.

Anwendung ist denkbar einfach

„Einträge muss man ein Mal am Tag machen“, sagt Thom. Das Ausfüllen nehme aber nicht mehr als zwei Minuten in Anspruch. Am Ende zeigt ein Kreis an, wie weit man von seinem Bestwert für eine erfolgreiche Asthmatherapie ist. Hat man 25 Punkte erreicht, ist man praktisch beschwerdefrei. „Der Patient sieht dadurch sehr schnell: Hat sich meine Situation verbessert?“, sagt Thom. Der Arzt wiederum kann das gespeicherte Asthma-Tagebuch analysieren und erkennen, ob das verschriebene Medikament die Wirkung hat, die es haben soll und ob die Dosierung richtig ist. Denn gerade bei der Einnahme der Medikamente machen viele Patienten Fehler. Besonders der Zusammenhang zwischen Medikamentation und Umweltfaktoren wird durch die App deutlich.

„Das Nutzertagebuch ist der Kern unseres Systems“, ergänzt Mitgründer Gnadt. „Man muss als Asthmatiker verstehen, warum und wo Probleme auftreten.“ Das leiste das Asthma-Tagebuch. Gerade für Asthmatiker im Anfangsstadium könne dies interessant sein. Oft verdrängen sie ihre Probleme, bis ihre Krankheit sich verschlimmert.

„Die größte Schwierigkeit war, die komplexen Daten in Form einfacher Grafen darzustellen“, sagt Thom. Die haben die drei Gründer dank ihrer an der Fachhochschule Potsdam und auch dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) erworbenen Kompetenz in Sachen Nutzerfreundlichkeit ziemlich gut gemeistert. „Wir hatten die App vor dem Start drei Monate lang im Test“, so Thom. Jetzt gibt sie nicht nur klare Anweisungen und stellt die Messergebnisse deutlich dar, sie gibt auch Hinweise zu ihrer Benutzung oder praktische Gesundheitstipps für den Asthmatikeralltag.

Außerdem nimmt sie Rücksicht darauf, ob man eher ein „Messtyp“ oder eher ein „Medikamententyp“ ist, ob einem also die tägliche Dokumentation des eigenen Befindens wichtig ist oder die Einnahme der Medikamente. Für jeden Typen gibt es eigene Zugänge zum System.

Schon jetzt merken die Gründer, die inzwischen auch mit sechs Ärzten zusammenarbeiten, dass sich die Therapie verbessert. Durch die Automatisierungen im Nutzertagebuch gehen nicht mehr so viele Daten wie früher bei handschriftlichen Einträgen verloren. „Der Arzt kann erkennen, ob ein Patient die Therapie umsetzt“, erklärt Thom. „Wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass der Nutzer bei entsprechenden Umweltbelastungen Symptome zeigt, und seine Dauermedikation nur in 14 Prozent der Fälle einnimmt, ist klar, dass hier Unterstützung benötigt wird.“ Umgekehrt könnte die im Asthma-Tagebuch festgehaltene Einnahme der Medikamente auch nahelegen, dass das verschriebene Präparat bei dem Patient wohl nicht optimal anschlägt.

Die App stelle für ihre Nutzer einen totalen Mehrwert dar, sagen Thom und Gnadt. Es führt zu einer besseren und präziseren Medikamentation. Außerdem verhindere ein Notfallcheck, den man bei akuter Atemnot anklicken kann, dass Asthmatiker schon bei kleinen Beschwerden in Panik geraten und erst recht keine Luft mehr bekommen. So kann verhindert werden, dass bei jeder kritischen Situation gleich der Rettungsdienst anrückt.

Das nächste Ziel der Gruppe ist ein Zertifikat für die App. Dann könnte sie von Ärzten verschrieben werden. Geld verdienen wollen die drei Gründer aber vor allem durch zusätzliche Module, die kostenpflichtig heruntergeladen werden sollen. „Wir denken zum Beispiel an Kurse zur Atemtherapie und ähnlichem“, sagt Thom. Möglich wäre auch ein extra Modul, das das Tagebuch zusammenfasst und eine Art Krankenbericht erstellt. Derzeit bauen die Gründer ein Netzwerk mit Ärzten in ganz Deutschland auf. Sie hoffen auch, Influenzer zu gewinnen, die das System online bekannter machen. Unterstützung erfahren sie schon jetzt durch zwei Ärzte, einem renommierten Pharmareferent und einem Finanzplaner, die neu im Team sind.

Die Besucher am Tag der Wissenschaften sind von der pfiffigen Idee der Gründer jedenfalls angetan. „Ich habe mit sehr vielen selbst von Asthma Betroffenen gesprochen und die haben relativ schnell begriffen, was der Mehrwert der App ist“, sagt Benedikt Gnadt. Zum Beispiel waren sie überrascht, wie problemlos die Umweltdaten in die App eingespielt wurden. Mühlbauer, Gnadt und Thom sind sich sicher: Ihr neues in Potsdam entwickeltes System bringt die Asthma-Behandlung auf die Höhe des digitalen Zeitalters. Derzeit verzeichnen die Gründer bis zu 50 neue Nutzer im Monat.

Von Rüdiger Braun

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