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Brandenburg Preußen-Prinz kritisiert Indiskretionen
Brandenburg Preußen-Prinz kritisiert Indiskretionen
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18:26 28.07.2019
Der Hof des Schloss Cecilienhof in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert
Berlin

Im Streit über Entschädigungsforderungen an die Hohenzollern hat Georg Friedrich Prinz von Preußen die Weitergabe von Dokumenten aus den vertraulichen Verhandlungen mit dem Bund, Berlin und Brandenburg sowie Kultureinrichtungen kritisiert. In einem Interview der „Welt am Sonntag“ forderte das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern Bund, Länder und Institutionen zugleich zur Aufklärung auf.

Der Prinz versicherte, öffentlich gezeigte Gegenstände in Museen seien durch eine Vereinbarung mit den Hohenzollern nicht gefährdet. „Ich bin zuversichtlich, dass die Gegenseite das allein aufklärt“, sagte der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers zu den Indiskretionen. „Das erwarte ich allerdings auch, denn das entspricht Recht und Gesetz.“ Im Übrigen bedaure er in erster Linie nicht die Weitergabe von Dokumenten, sondern eine „selektive“ Weitergabe: „Tatsächlich hat das der Öffentlichkeit ein sehr eingeschränktes und schiefes Bild vermittelt.“

Gerichtsentscheidung als „Ultima Ratio“

Zugleich verteidigte der Prinz von Preußen die rechtlichen Ansprüche seines Hauses auf Immobilien und Kunstwerke aus ehemaligem Familienbesitz. Sie bauten auf Anträgen seines Großvaters auf, die dieser nach der Wiedervereinigung gestellt habe. Dieses Verfahren führe er aufgrund des Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetzes von 1994 im Sinne der Familie weiter. Er sei sehr zuversichtlich, dass rasch eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werde.

Eine Entscheidung durch Gerichte wäre „die Ultima Ratio, die aber weder von uns noch von der öffentlichen Hand gewollt ist, denn das würde sich über Jahre hinziehen und wäre mit hohen Kosten verbunden, die beide Seiten schrecken“, fügte der Prinz hinzu.

Bot DDR-Regierung Wohnrecht an?

„Kurioserweise gab es anscheinend selbst zu DDR-Zeiten schon Überlegungen, meiner Familie ein Wohnrecht im Cecilienhof in Potsdam einzuräumen“, sagte der Prinz. Entsprechende Angebote habe es auch von Brandenburger als auch von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gegeben.

Vor fast 75 Jahren zogen die letzten Nachfahren der Hohenzollern aus. Die Nachfahren haben nun Anspruch auf ein Wohnrecht in den einst kaiserlichen Gemächern gefordert. Allzu gemütlich dürfte es dort nicht mehr werden.

Der frühere Chef der Berliner Senatskanzlei, André Schmitz (SPD), hatte am Samstag zur Mäßigung im Streit um die Entschädigungsforderungen aufgerufen. „Es ist leicht, Stimmung gegen den Adel zu machen“, sagte Schmitz den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Die Materie sei aber hoch kompliziert. Es liege im Interesse der öffentlichen Hand, wenn es 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich eine einvernehmliche Lösung in diesen Vermögensauseinandersetzungen gäbe. „Das wäre besser als Prozesse, die vielleicht Jahrzehnte dauern“, sagte Schmitz.

Von ost