Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Programm zur Qualifizierung geflüchteter Lehrer soll Schule machen
Brandenburg Programm zur Qualifizierung geflüchteter Lehrer soll Schule machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 23.12.2019
An Brandenburger Schulen gibt es immer mehr Schüler mit Migrationshintergrund. Weiterqualifizierungen für geflüchtete Lehrkräfte an der Uniiversität Potsdam können helfen. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/ZB
Potsdam

Die neue Brandenburger Landesregierung will das 2016 an der Universität Potsdam gestartete bundesweit erste Programm zur Qualifizierung geflüchteter Lehrer mit Änderungen weiterführen. Bereits in den kommenden Monaten wollten sich alle beteiligten Partner dazu abstimmen, teilte das Wissenschaftsministerium in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur mit. SPD, CDU und Grüne hatten sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, das Programm als pädagogisches Qualifizierungsangebot in veränderter Form fortzusetzen.

Laut Ministerium wird es an der Universität Potsdam zunächst bis 2021 weitergeführt. Der Landeszuschuss dafür beträgt jährlich eine halbe Million Euro. Seit dem Programmstart im April 2016 haben sich 173 nach Deutschland geflüchtete ausländische Lehrer daran beteiligt - von insgesamt 1125 Bewerbern. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe waren Pädagogen aus Syrien. Ziel des Programms ist es, den Absolventen zu einem Berufseinstieg im brandenburgischen Schuldienst zu verhelfen.

„Sonstiges pädagogisches Personal“

31 Lehrkräfte stellte das Land bisher befristet und unbefristet ein, wie aus der Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion hervorgeht. Das entspreche einem Anteil von 2,2 Prozent aller 1440 Seiteneinsteiger, die seit dem Schuljahr 2017/2018 in Brandenburg tätig seien. Überwiegend arbeiten die Absolventen des Uni-Programms an Grundschulen, ein kleiner Teil an Gesamt-, Förder- und Oberschulen. Was künftig geändert werden soll, ist bisher offen. Es gab bereits Veränderungen - beispielsweise wurde der Deutsch-Unterricht von zwei auf drei Semester erweitert.

Die eingestellten ausländischen Lehrkräfte leisten nach Angaben des Ministeriums „in der Regel“ keinen eigenständigen Unterricht. Ihnen zur Seite stehen Mentoren. Vorwiegend eingesetzt würden sie an Schulen mit geflüchteten oder asylsuchenden Kindern und Jugendlichen. Fehlen deutsche Sprachkenntnisse und fachliche Fähigkeiten, arbeiten sie als „sonstiges pädagogisches Personal“, erklärte das Ministerium.

Potsdamer Projekt als Vorbild

Grundsätzlich steht es den geflüchteten Pädagogen frei, nach erfolgreichem Abschluss des Qualifizierungsprogramms über eine Eignungsprüfung oder einen Anpassungslehrgang ein Lehramt zu erwerben. Bislang hat kein Absolvent laut Ministerium eine Lehramtsbefähigung. Sie sei neben der deutschen Staatsangehörigkeit Voraussetzung für eine Übernahme ins Beamtenverhältnis.

Nach Angaben der Bildungswissenschaftlerin Miriam Vock, die das Qualifizierungsprogramm initiierte, war die Uni Potsdam damit bundesweit Vorbild. „Schon bald nach unserem Start legten die Universitäten in Bochum und Bielefeld ähnliche Programme auf“, sagte sie der dpa. Auch an der Universität Wien laufe ein solches Programm. In Schweden gebe es vergleichbare Initiativen der Regierung, die an den Universitäten angeboten werden. Sie stünden allerdings auch geflüchteten Medizinern und Angehörigen anderer Mangelberufe offen. Weitere Universitäten hätten Interesse am Potsdamer Projekt.

Migration hört nicht auf

Für die Zukunft sieht Vock einen großen Bedarf bei der Weiterbildung ausländischer Lehrkräfte in Deutschland. „Die Migration hört nicht auf, auch nicht innerhalb Europas“, sagt sie. Es gebe eine „Riesengruppe“ ausländischer Lehrer in Deutschland, die in fachfremden Berufen arbeiteten. „Es ist nicht sinnvoll, solche Potenziale zu verschenken, stattdessen sollten die Lehrkräfte weiterqualifiziert und eingesetzt werden.“

Lesen Sie mehr zum Thema

Das sagt Brandenburgs neue Kulturministerin zu AfD und Hohenzollern

Märkische Schüler sind in Mathematik schlechter geworden

Kenia-Koalition will Kita-Beiträge reduzieren – aber nur in Mini-Schritten

Von RND/dpa

Die Zulassungszahlen zeigen: Brandenburgs Autofahrer sind offen für umweltfreundliche Autos – aber sie wollen ausgereifte und bezahlbare Technik. Ein Kommentar von Ulrich Wangemann.

22.12.2019

Vor dem Potsdamer Landgericht hat erstmals ein Daimler-Benz Kunde recht bekommen, der einen Diesel zurückgeben will. Von Abgasskandal und Umweltdebatten profitieren Hybrid-Hersteller.

23.12.2019

Die Bundes-SPD will Reiche gesondert besteuern – so sieht es ein Parteitagsbeschluss vor. Nun meldet sich der großzügigste unter ihnen und warnt eindringlich vor den Folgen.

22.12.2019