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Brandenburg Mit falschem Viagra Millionen verdient
Brandenburg Mit falschem Viagra Millionen verdient
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09:42 27.01.2014
Mit Viagra und anderen Pillen scheffeln die Betrüger Millionen.
Mit Viagra und anderen Pillen scheffeln die Betrüger Millionen. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Geschäfte liefen offenbar prächtig für Peter L. (52) aus Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). Offiziell führte der inzwischen 52-Jährige einen Teeladen. Doch im Frühjahr 2012 stellte die Staatsanwaltschaft 3,6 Millionen Euro bei L. sicher. Aus dem Vertrieb von Yogi-Tee stammten die Millionen vermutlich nicht. L. gilt als einer der Drahtzieher hinter einem der größten Fälle von Arzneimittelbetrugs in Deutschland. Seine Spezialität: Potenzmittel. Ab Dienstag soll er sich dafür vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Neben ihm sitzen noch ein Potsdamer sowie sechs weitere Beschuldigte aus der ganzen Republik auf der Anklagebank. „Die Anklage lautet auf Betrug als Mitglied einer Bande“, sagt Gerichtssprecher Frank Tiemann. „Es ist ein äußerst umfangreiches Verfahren.“

Viagra, Cialis oder Lovegra hießen die luststeigernden Präparate, mit denen die mutmaßlichen Betrüger mehr als 21 Millionen Euro gescheffelt haben sollen. Rezeptfrei und absolut diskret erfolge die Lieferung, versprachen einschlägige Internetseiten wie Pillendienst.com oder Viagrasicherbestellen.com. Auch Schlankheitsmittel waren im Angebot. Allein über die Seite Pillendienst.com sollen innerhalb von zwei Jahren eine Viertelmillion Bestellungen eingegangen sein.

Das Netzwerk der mutmaßlichen Pillenmafia war über den ganzen Globus verteilt und äußerst arbeitsteilig organisiert. In Asien wurden die Tabletten hergestellt, Strohmänner und Verteiler saßen in Uruguay, England, Belize, Tschechien oder Zypern.

Peter L. aus Treuenbrietzen soll dafür die technische Infrastruktur geschaffen haben. Der Softwarespezialist entwickelte den Ermittlern zufolge ein eigenes Zahlungssystem, um die Geldströme zu verschleiern. Ein Fahnder sagte der MAZ, mit dem illegalen Verkauf der Pillen ließen sich Gewinnmargen erzielen, die größer seien als bei einem kolumbianischen Drogenkartell.

Offenbar handelte es sich bei der Ware nicht um illegal eingeführte Generika, also wirkstoffgleiche Kopien bekannter Produkte. Nach Analysen, die die Staatsanwaltschaft durchführen ließ, sollen die Pillen weitgehend wirkungslos gewesen sein und angesichts der unbekannten Zusammensetzung auch gefährlich. Geschädigt wurden die Pharmariesen Bayer Health Care und Pfizer.

Die Einfuhr gefälschter oder illegaler Medikamente beschäftigt zunehmend auch den Zoll. 2012 stellte die Zollfahndung Berlin-Brandenburg rund 43.000 illegale Tabletten und 5500 Ampullen mit Arzneimittelsubstanzen sicher – doppelt so viel wie in 2011.

Richter Andreas Dielitz, der auch den aufwendigen Betrugs-Prozess um den Hotelier Axel Hilpert geleitet hat, wird die Hauptverhandlung führen. Angesetzt sind vorerst zehn Verhandlungstage.

Von Torsten Gellner

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