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Brandenburg Mindestlohn-Trickserei? Pseudo-Praktikanten als Spargelstecher
Brandenburg Mindestlohn-Trickserei? Pseudo-Praktikanten als Spargelstecher
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00:00 25.06.2019
Spargelstecher im Einsatz Quelle: Roland Weihrauch/dpa
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Potsdam

Ein Spargelhof aus Mötzow (Potsdam-Mittelmark) soll für die Ernte im großen Stil Studenten aus der Ukraine angeheuert haben und ihnen deutlich weniger als den gesetzlichen Mindestlohn bezahlt haben. Das ergaben Recherchen der vom DGB unterstützten Brandenburger Fachstelle Migration und gute Arbeit, über die zuerst der rbb berichtet hatte. Joanna Hubert von der Fachstelle sprach auf MAZ-Anfrage von etwa 60 betroffenen Ukrainern. Sie seien inzwischen wieder zuhause, hieß es.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte den Einsatz der Ukrainer offiziell genehmigt. Auf dem Papier heuerten die Studenten nicht als Erntehelfer an, sondern für ein „studienfachbezogenes Praktikum“. Das vom Spargelhof eingereichte Praktikumsprogramm habe so es aber nie gegeben, beteuerte Maxim aus Charkow, einer der vom rbb befragten Erntehelfer. Er habe zehn bis elf Stunden pro Tag Spargel gestochen, sonst nichts.

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Fachstelle spricht von Türöffner

Magdalena Stawiana von der Fachstelle Migration und gute Arbeit bezeichnet den Praktikanten-Trick als „Türöffner, um billige Arbeitskräfte zu gewinnen". Denn studienbegleitende Praktika bis zu drei Monaten sind vom Mindestlohn (9,19 Euro/Stunde) ausgenommen. Maxim kam nach Berechnungen der Fachstelle auf einen Stundenlohn von weniger als sechs Euro. Er und die anderen Ukrainer ernteten im Akkord, pro Kilogramm gab es je nach Spargelqualität 40 bis 50 Cent.

Das Domstiftsgut Mötzow weist die Vorwürfe zurück: Jeder Arbeitnehmer erhalte einen Grundlohn auf Basis der Erntemenge, erklärte Geschäftsführer Heinrich Thiermann. „Wird der Mindestlohn damit nicht erreicht, erfolgt ein Ausgleich zum entsprechenden Mindestlohnsatz."

In der am Montag zu Ende gegangenen Erntesaison wurden in Brandenburg etwa 22.000 Tonnen Spargel aus dem Boden geholt. Mit 3800 Hektar Anbaufläche gehört Brandenburg zu den größten Spargelregionen Deutschlands.

Der Verein Beelitzer Spargel und die Stadt Beelitz betonten unterdessen, die Beelitzer Spargelbauern beschäftigten als Spargelstecher„fast ausschließlich“ Arbeiter aus Polen und Rumänien und keine Studenten . Die Polen und Rumänen erhielten „mindestens den gesetzlichen Mindestlohn“, in einzelnen Betrieben auch zusätzliche Prämien zum Zwecke der Motivation.

Von MAZonline/tk