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Putin-Kritiker Nawalny erhält Potsdamer Medienpreis M100

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12:47 03.09.2021
Alexej Nawalny, russischer Oppositionsführer, während einer Gerichtsverhandlung.
Alexej Nawalny, russischer Oppositionsführer, während einer Gerichtsverhandlung. Quelle: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO
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Potsdam

Der in Russland inhaftierte Putin-Kritiker Alexej Nawalny erhält in diesem Jahr den Potsdamer Medienpreis M100. Das teilten die Organisatoren am Freitagvormittag mit. Der Preis geht nicht nur an den Oppositionspolitiker, sondern auch an dessen Stiftung FBK (Anti-Corruption Foundation). Weil der Putin-Gegner wegen seiner Lagerhaft nicht kommen kann, nimmt sein engster Mitarbeiter und Vertrauter Leonid Volkov die Ehrung entgegen.

Seit Januar sitzt Nawalny in Haft. Zuvor hatte er einen Giftanschlag knapp überlebt, den Beobachter russischen Geheimdienstkreisen zuschreiben. In der Berliner Charité erholte sich der Politiker von den Auswirkungen des Nervengifts Nowitschok und flog dann zurück in sein Heimatland, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Für erhebliche Aufmerksamkeit sorgte ein Video Nawalnys, in dem er einen Protzpalast Putins präsentierte.

Laudatio hält Christian Lindner

Die Laudatio in Potsdam hält der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner. Nawalny sei ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit, Transparenz und Demokratie, sagte Lindner, der sich für die Freilassung Nawalnys einsetzt. Trotz rechtswidriger Haft kämpfe er weiter für ein freies und demokratisches Russland.

„Ich bin geehrt und stolz, den M100 Media Award im Namen von Alexei Nawalny und der Anti-Corruption Foundation entgegenzunehmen“, sagt Leonid Volkov. „Es ist sehr wichtig, dass seine und unsere Aktivitäten, mit denen wir in den letzten zehn Jahren auf Korruption aufmerksam gemacht haben und die Botschaft von Freiheit durch soziale Medien verbreitet haben, auch in Europa anerkannt werden.“

Prominente Preisträger

Beim M100 Sanssouci Colloquium unter dem Titel „From Crisis in Perpetuity to Democratic Resilience“ (übersetzt etwa: Von der ewigen Krise zur demokratischen Widerstandsfähigkeit) diskutieren rund 100 Medien- und Meinungsmacher aus Europa und den USA unter anderem über die Krisenfestigkeit der Demokratie oder Gründe für ein Anwachsen antidemokratischer, autokratischer Herrschaftsformen.

Der M100 Media Award wird seit 2005 jährlich im Rahmen der internationalen Medienkonferenz an Persönlichkeiten verliehen, die sich für Demokratie, europäische Verständigung, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Frühere Preisträger sind der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der Journalist Deniz Yücel sowie der wegen seiner Mohammed-Karikaturen angefeindete Karikaturist Kurt Westergaard. Auch der mit dem Tod bedrohte Anti--Mafia-Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano gehört zu den Ausgezeichneten.

Von Ulrich Wangemann und Gudrun Janicke