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Brandenburg Sind viele Bio-Eier gar nicht bio?
Brandenburg Sind viele Bio-Eier gar nicht bio?
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21:24 22.01.2018
Viele Bio-Eier stammen offenbar aus Massenproduktion. Quelle: Fotolia
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Potsdam

Bis zu 90 Prozent der Eier, die in Brandenburg als Bio-Eier verkauft werden, stammen offenbar aus Massenproduktion. Laut EU-Verordnung dürfen Bio-Eier, die mit „0“ gekennzeichnet sind, in Betrieben mit maximal 3000 Tieren produziert werden. Doch nach Informationen des RBB stammen viele Bio-Eier aus Betrieben mit 30 000 und mehr Hühnern. Das zeigt ein Vergleich größerer Bio-Hühnerställe mit Daten des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg, den der Sender angestellt hat.

Was ein Stall ist, sei Definitionsfrage

Laut der EU-Verordnung sind sechs Legehennen pro Quadratmeter und 3000 Hühner pro Stall erlaubt. Werden aber Gebäude durch Trennwände in unterschiedliche Ställe geteilt, kann sich die Gesamtzahl der Hennen auf ein Vielfaches erhöhen. Grünen-Landwirtschaftsexperte, Benjamin Rasche, fordert daher eine strengere räumliche Trennung großer Hühnerbestände. Bei 3000 Tieren pro Stall müsse sichergestellt werden, dass „es sich um ein eigenes Gebäude handelt“, so Raschke. Die Kopplung von Parzellen sei ein „Trick“.

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Richard Geiselhart, Geschäftsführer des Großbetriebs Landkost Ei in Bestensee (Dahme-Spreewald), sieht das anders. „Die EU-Richtlinien sind in englischer Sprache verfasst. Deshalb kommt es mitunter zu Missverständnissen“, sagt er. Was ein Stall ist, sei daher eine Definitionsfrage und die Aufteilung der Ställe gängige Praxis. Mehrere Hunderttausend Bio-Legehühner unterhält das Unternehmen in dieser Art Anlagen. „Wir sollten von stigmatisierten Größenzahlen wegkommen“. Denn über Tierwohl- und Tiergesundheit sage die Anzahl der Hühner zunächst einmal nichts aus.

Bauernpräsident hält Megaställe für unproblematisch

Das sieht Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff – selbst Bio-Bauer – ähnlich. Nicht die Zahl der Tiere, sondern deren Haltungsbedingungen seien wichtig. „Ob da nun 500 oder 5000 Tiere im Stall sind, entscheidend ist, dass die Tiere genügend Platz und ganzjährig Auslauf haben“, sagt Wendorff.

Der kleinere Bauernbund warnt die Verbraucher vor Illusionen. Bioställe müssten heute eine bestimmte Mindestgröße haben, um wirtschaftlich zu sein. „Die Idylle von der Oma mit der Kittelschürze und ihren zehn Hühnern auf dem Mist gibt es praktisch nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Reinhard Jung. Allerdings stoße die biologische Produktionsweise bei steigender Tierzahl „an die Grenzen des Hygienischen“, weswegen Bioverbände Größenbeschränkungen erwägen sollten. Kleine Betriebsgrößen seien auch ein Marketing-Argument.

Höchstgrenze für Hühner in Bio-Ställen gefordert

Für eine Höchstgrenze von 6000 Hühnern pro Stallanlage für Neubauten plädiert Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau. „Brandenburg sollte es so machen wie Mecklenburg-Vorpommern“, sagt er. „Dort werden nur noch Bio-Ställe gefördert, und das nur bis zu 6000 Tieren Gesamtgröße.“ Ein solcher Schritt wäre laut Wimmer eine „klare Ansage: Ställe von 12 000 bis 18 000 Tieren müssen der Vergangenheit angehören.

Keinen Grund für eine Änderung sieht Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Wohl des einzelnen Tiers stehe im Vordergrund, äußert sein Sprecher Jens-Uwe Schade. Zudem stelle sich die Frage, „wer die Eier produzieren soll, wenn man den Bio-Anteil auf 20 Prozent steigern will“, so Schade. Niemand sei gezwungen, seine Eier beim Discounter zu kaufen, sagt der Sprecher.

Widerstand gegen „Eierfabrik“ in Oranienburg

Im Oranienburger Ortsteil Zehlendorf ist indes eine weitere „Eierfabrik“ geplant. Seit die Pläne Mitte 2016 bekannt wurden, regt sich dagegen Widerstand. Anwohner gründeten die Bürgerinitiative „Contra Eierfabrik“, die unter anderem mit Fernsehköchin Sarah Wiener prominente Unterstützung hat. Die Bürgerinitiative hat angekündigt, auch juristisch gegen die Anlagen vorzugehen.

Investor Josef Vortallen hatte Anfang Februar 2017 zwei Anträge auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung für zwei Legehennenanlagen mit je 21.000 Tieren in Zehlendorf beim Landesamt für Umwelt (LfU) eingereicht. Antragsteller sind der Vortallen Legehennenbetrieb und die Zehlendorfer Bio Ei GmbH.

Von Ulrich Wangemann und Christin Iffert

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