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Brandenburg 25 Jahre RE1: Das sagen Brandenburger über die Pendler-Linie
Brandenburg 25 Jahre RE1: Das sagen Brandenburger über die Pendler-Linie
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01:15 27.05.2019
Der Regionalexpress RE1 auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt (Oder) Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

 Mindestens zwei Stunden am Tag sitzt Thomas Gierhardt im Regionalexpress RE1, manchmal auch länger. Der IT-Berater wohnt in Frankfurt/Oder, er hat wechselnde Kunden in Berlin, Potsdam und Brandenburg/Havel. Seit 25 Jahren macht Gierhardt das schon, er ist ein RE1-Fahrer der ersten Stunde. Und er wirkt entspannt an diesem Donnerstagmorgen im Mai. „Im Normalfall fährt er ja pünktlich“, sagt Gierhardt milde. „Und weil ich in Frankfurt einsteige, finde ich auch immer einen Sitzplatz.“

Genervt ist der Langzeit-Pendler nur, wenn es wieder mal eine baustellenbedingte Unterbrechung auf der Strecke gibt. Das Unwort aller Regionalexpress-Kunden, es heißt „Schienenersatzverkehr“. An Gierhardts schlimmstem RE1-Erlebnis ist die Bahn allerdings schuldlos, wie er erzählt. Da strandete sein Zug im Brandenburger Niemandsland, weil Metalldiebe auf mehreren hundert Metern die Oberleitung geklaut hatten.

Erster Regionalexpress in Deutschland

Im Mai 1994 fuhr der deutschlandweit erste Regionalexpress vom damaligen Berliner Hauptbahnhof (heute: Ostbahnhof) nach Frankfurt/Oder, seinerzeit verkehrten die mintgrünen Züge im Stundentakt, waren mit 51 Minuten und nur einem Zwischenhalt auf der Strecke (Fürstenwalde) sogar geringfügig schneller als heute (54 Minuten). Im ersten Jahr beförderte der RE1 pro Tag im Schnitt 4000 Fahrgäste am Tag, aktuell sind es 60.000.

Der damalige DB-Regionalbereichsleiter Hans Leister sagt, die Grundidee des RE1 sei seinerzeit „für Berliner Verhältnisse revolutionär und auch nicht unumstritten“ gewesen. Üblicherweise endeten Nahverkehrszüge in den frühen 1990er-Jahren am ersten S-Bahnhof hinter der Berliner Stadtgrenze, dort mussten die Fahrgäste umsteigen, wenn sie ins Zentrum wollten. Das RE-Konzept sah vor, die Linie vom Umland bis in die City zu führen und am anderen Ende der Stadt wieder hinaus. Das dauerte allerdings noch ein paar Jahre.

Ein RE1 fährt in den Berliner Hauptbahnhof ein. Quelle: Deutsche Bahn AG/Banaszak

1995 wurde ein zweiter Regionalexpress auf die Schiene geschickt, vom alten West-Berliner Hauptbahnhof Zoologischer Garten nach Brandenburg/Havel, ebenfalls im Stundentakt. 1998, nach der Eröffnung der Berliner Stadtbahnstrecke, wurden beide Linien zusammengelegt. Seit dem Jahr 2000 verkehrt der RE1 im Halbstundentakt zwischen Frankfurt/Oder und Brandenburg/Havel, jeder zweite Zug fährt von dort weiter bis Magdeburg (Sachsen-Anhalt).

Auto? Nur als Notlösung

„Die Frequenz könnte besser sein“, sagt Jan Wilschke, der in Frankfurt/Oder wohnt und arbeitet, aber in seinem Job regelmäßig zu Terminen nach Berlin oder Potsdam muss. Wilschke geht es wie vielen Pendlern: Er hat zwar ein Auto, benutzt es aber nur ungern. „Das ist für mich nur eine Notlösung“, sagt er. Im Zug könne er seine Termine gut vor- oder nachbereiten, selber fahren empfindet er als vergeudete Zeit.

Wir suchen Ihre RE1-Geschichte

Seit 25 Jahren verbindet der RE1 das Brandenburger Umland mit Berlin. Welche skurrilen, lustigen oder ärgerlichen Erfahrungen haben Sie als Fahrgast zwischen Brandenburg/Havel, Potsdam, Berlin und Frankfurt/Oder gemacht? Welche tollen Menschen kennen gelernt?

Schildern Sie uns Ihre Geschichten aus vollen Zügen, am liebsten mit einem Selfie aus der Linie Eins. Wir freuen uns auf Zuschriften an online@maz-online.de.

Das sieht auch Jasper Schüler-Dahlke so, der in Berlin-Zehlendorf lebt und seit zweieinhalb Jahren als Richter in Frankfurt arbeitet. Mit dem Auto, mit dem er nur sporadisch zur Arbeit fährt, bräuchte er eine Stunde von Tür zu Tür, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast doppelt so lange.

Dennoch steigt er fast täglich am Bahnhof Ostkreuz in den RE1. „Wenn der Zug pünktlich fährt, klappt das ganz wunderbar“, sagt der Jurist. Die Zeit im Zug nutzt er zum Aktenstudium. Nur wenn die Strecke wegen Bauarbeiten unterbrochen ist, steige ich aufs Auto um. „Der Schienenersatzverkehr ist unzumutbar.“

Pendlerin Britta Rose fährt seit zehn Jahren mit dem RE1. Ein Buch hat sie immer dabei. Quelle: Thorsten Keller

„Höhen und Tiefen“ erlebt hat Pendlerin Britta Rose, die mit dem RE1 seit zehn Jahren unterwegs ist, zu unterschiedlichen Zeiten, weil sie bei der Telekom in Frankfurt im Schichtdienst arbeitet. „Ab 9 Uhr wird es schwierig mit einem Sitzplatz, weil dann so viele Studenten unterwegs sind“, sagt sie.

Die Taktung des RE1 findet Rose ganz okay, unzufrieden ist sie mit den Busanschlüssen in Frankfurt. „Wenn ich am Wochenende arbeite, wird es schwierig, weil kaum Busse fahren.“ Von Tür zu Tür ist die Autobesitzerin ebenfalls zwei Stunden unterwegs, „aber es ist stressfreier im Zug“.

Viele lobende Worte über den RE1 waren am Freitagmorgen auch bei einer Feierstunde auf Gleis 3 im Potsdamer Hauptbahnhof zu hören, nach dem verbalen Zuckerguss wurde dort später noch eine echte Geburtstagstorte mit Marzipandecke im DB-Design angeschnitten. Eine Festrednerin, Susanne Henckel, trug besonders dick auf: „Premium-Linie“ und „Top-Marke“ waren nur zwei der Superlativen der Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB).

Joachim Trettin, Ines Jesse und Susanne Henckel schneiden die RE1-Geburtstagstorte an. Quelle: Thorsten Keller

Sie pries die Pünktlichkeit (95,3 Prozent) und die niedrige Ausfallquote des Zuges (0,3 Prozent, jeweils im ersten Quartal 2019). Einziger „Wermutstropfen“ sei, dass es in den roten Doppelstockwagen von Bombardier kein WLAN gebe wie vor allem von vielen studentischen Fahrgästen gefordert – das sei nicht mehr zeitgemäß. Aber, so Henckel, „für die neuen Züge ist das mitbestellt“. Auf diese neuen „Desiro“-Züge von Siemens müssen die Pendler allerdings noch dreieinhalb Jahre warten, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 ist es soweit.

Computersimulation des Desiro HC –das Kürzel steht für „High Capacity“ Quelle: SIEMENS AG

Danach wird der RE1 auch nicht mehr von DB Regio bedient, sondern vom Konkurrenten Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg). Das ergab eine europaweite Ausschreibung. Der Vertrag mit dem VBB läuft über zwölf Jahre, also bis Ende 2034.

Abgehängt in Groß Kreutz und Götz

Für die Pendler in Götz und Groß Kreutz (beides in der Gemeinde Groß Kreutz/Havel) ist der Halbstundentakt des RE1 nur eine Wunschvorstellung, beide Bahnhöfe werden nur einmal stündlich bedient. Eine Protestnote mit knapp 5000 Unterschriften machte im Verkehrsministerium wenig Eindruck.

Bürgermeister Reth Kalsow (CDU) spricht von einer misslichen Situation. „Der Bedarf ist da. Viele unserer Pendler fahren notgedrungen mit dem Auto nach Werder. Dort hat sich die ohnehin angespannte Parkplatzsituation zugespitzt.“

Die Verheißungen für die Fahrgäste klingen gut: Zwischen Frankfurt und Brandenburg soll der RE1 erstens im 20-Minuten-Takt unterwegs sein. Es wird zweitens mehr Platz im Zug geben, die Zahl der Waggons wird von fünf auf mindestens sechs aufgestockt. In jedem Fall müssen an einem Dutzend kleinerer Bahnhöfe entlang der Strecke die Bahnsteige verlängert werden. Und mit ihrem derzeitigen Personal wird die Odeg einen verdichteten Takt nicht schaffen. Das Unternehmen sucht händeringend Lokführer.

PS: Der nächste Schienenersatzverkehr kommt bestimmt – schon nächste Woche von Montag bis Freitag, zwischen Frankfurt und Fürstenwalde.

Von Thorsten Keller

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