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Brandenburg Ramsauer gegen Rüpel-Radler
Brandenburg Ramsauer gegen Rüpel-Radler
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21:30 30.01.2013
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POTSDAM

Lediglich bei gut 40 Prozent der Unfälle waren Radfahrer selbst die Unfallverursacher, sondern wurden zum Opfer des Fehlverhaltens von Autofahrern und Fußgängern.

Während Innenminister Dietmar Woidke und Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (beide SPD) morgen in Potsdam die brandenburgische Verkehrsunfallbilanz 2012 vorstellen, soll der Bundesrat in Berlin verschärfte Strafen für Fahrradfahrer bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung beschließen. Die Initiative von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht vor, die Bußgelder für viele Delikte jeweils um mehrere Euro zu erhöhen. Ramsauer hatte im Frühjahr vergangenen Jahres beklagt, dass Fahrradfahrer zu häufig Verkehrsregeln missachteten, und in diesem Zusammenhang von „Kampf-Radlern“ gesprochen.

Diese Einschätzung stößt in Brandenburgs Verkehrsministerium auf Kritik: Reformen des Bußgeldkatalogs seien wegen unverhältnismäßiger Strafen nötig, dürften jedoch nicht einseitig zu Lasten der Radfahrer gehen. „Aus der Unfallstatistik kann man nicht ablesen, dass wir Probleme mit Kampf-Radlern hätten. Wir operieren nicht mit dem Begriff“, sagte Sprecher Lothar Wiegand der MAZ. Es sei nicht zielführend, Radler, Autofahrer und Fußgänger gegeneinander auszuspielen. Stattdessen sei es „gut so“, dass die Zahl der Radfahrer in der Mark beständig steige.

Mit einem Anteil von 13 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen sind in Brandenburg im Vergleich zum Bundesmittel von zehn Prozent überdurchschnittlich viele Radler unterwegs, wie der 2011 veröffentlichte brandenburgische Fahrradbericht besagt.

Je dichter die Besiedlung, desto größer das Radleraufkommen. Das bedeutet nicht zwangsläufig eine steigende Unfallgefahr durch vermeintliche Rüpel-Radler. Beispiel Potsdam: Trotz einer Quote von 20 Prozent waren Fahrradfahrer 2008 nur an 6,5 Prozent aller Unfälle beteiligt. „Wir haben ein viel größeres Problem mit Autofahrern“, bestätigte Stadtsprecher Stefan Schulz. Eine Untersuchung der Planergemeinschaft Verkehr aus Hannover bescheinigt Potsdam: Für Radfahrer in der Landeshauptstadt ist die Unfallgefahr am größten, wenn sie beim Ein-, Abbiegen oder Kreuzen von Straßen von Autofahrern übersehen werden. Deshalb will sich die Stadtverwaltung in der Verkehrssicherheitsarbeit künftig weiter auf Autofahrer konzentrieren, um etwa für den Schulterblick zu werben.

Auch der Automobilverband ADAC sieht die Pläne von Bundesverkehrsminister Ramsauer kritisch. Höhere Bußgelder hätten „allenfalls symbolischen Charakter“ und seien „nicht geeignet, die Verkehrsmoral zu steigern“, erklärte ADAC-Sprecherin Claudia Nolte. Stattdessen empfehlen Experten, die Verkehrsteilnehmer häufiger Kontrollen zu unterziehen. Einigen sich die Bundesländer morgen auf das Vorhaben Ramsauers, erwarten neben Radlern auch Autofahrer höhere Strafen. Sie müssen künftig etwa mehr zahlen, wenn sie beim Parken einen Radweg blockieren. (Von Bastian Pauly)