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Brandenburg Brandenburg rutscht bei Bildung im bundesweiten Vergleich weiter ab
Brandenburg Brandenburg rutscht bei Bildung im bundesweiten Vergleich weiter ab
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16:53 15.08.2019
Nur Berlin schneidet schlechter als Brandenburg ab. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Potsdam

Brandenburg rutscht nach einer Vergleichsstudie im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern weiter ab. Nach Platz 14 im letzten Jahr landet das Land in diesem Jahr auf Platz 15. Das geht aus dem „Bildungsmonitor 2019“ den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) am Donnerstag in Berlin vorgelegt hat. Nur Berlin steht laut der Studie schlechter da. Hinter der Initiative stehen mehrere Arbeitgeberverbände sowie die Metallindustrie.

Deutliches Verbesserungspotenzial gibt es laut den Autoren in den Bereichen Hochschule und berufliche Bildung: So wurden der Studie zufolge im Jahr 2018 gemessen an der Bevölkerungszahl nur wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Brandenburg verzeichne mit 58,7 Prozent die zweitniedrigste Quote in der Bundesrepublik (Bundesdurchschnitt: 67,7 Prozent). Die Zahl der Uniabsolventen sei mit Blick auf die akademische Bevölkerung Brandenburgs sehr niedrig.

Lob für Bildungsgerechtigkeit

Auch bemängeln die Autoren die vergleichsweise niedrigen Forschungsausgaben. Mit 95 900 Euro fielen die Ausgaben pro Forscher niedriger aus als im Bundesdurchschnitt (117 400 Euro). Damit belegt das Land den letzten Platz unter allen Bundesländern.

Positiv wird Brandenburg allerdings beim Thema Bildungsarmut bewertet: Es landet hier auf Platz drei im bundesweiten Ranking. Nur wenige Schüler im Land zeigten bei Vergleichstests ein geringes Kompetenzniveau. So zähle nur ein geringer Anteil der Neuntklässler in den Naturwissenschaften, in Mathematik und im Lesen zur Risikogruppe, so das Ergebnis. Dennoch: der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss lag im Jahr 2017 bei 7,3 Prozent und war damit höher als der Bundesdurchschnitt (6,3 Prozent).

Land punktet beim Fremdsprachenunterricht

Lob bekommt Brandenburg auch bei der Internationalisierung: Fast alle Berufsschüler (95,1 Prozent) wurden im Jahr 2017 in Fremdsprachen unterrichtet. Damit erreiche das Land den zweitbesten Wert aller Bundesländer. Der Bundesdurchschnitt lag bei 35,3 Prozent. Auch sei der Anteil der Bildungsausländer unter den Studierenden hoch.

Kritik an der Studie äußerte das Brandenburger Bildungsministerium. Wie in den letzten Jahren würden ältere und bekannte Ergebnisse internationaler, nationaler und länderspezifischer Studien unzulässig miteinander vermischt. So seien laut Bundesagentur für Arbeit nur 8,12 Prozent der Bewerber im Land ohne Ausbildungsplatz – weniger als im Bundesdurchschnitt, heißt es.

Opposition: denkbar schlechtes Zeugnis

Das Ergebnis sei ein „verheerendes Abschlusszeugnis für die rot-rote Bildungspolitik“, so der Spitzenkandidat der FDP zu Landtagswahl, Hans-Peter Goetz. „Der Bildungsmonitor stellt der Brandenburger Bildungspolitik ein denkbar schlechtes Zeugnis aus“, erklärte CDU-Landeschef Ingo Senftleben. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ursula Nonnemacher, sagte: „Das Abrutschen Brandenburgs auf den vorletzten Platz im Bildungsvergleich der Länder ist bitter.“ Brandenburg müsse insbesondere mehr Anstrengungen unternehmen, um die Quote der Schüler ohne Abschluss zu senken.

Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Christian Hoßbach, mahnte, die Ergebnisse des Bildungsmonitors ernst zu nehmen. „Die Arbeitgeber sollten allerdings die eigenen Hausaufgaben erledigen, statt nun gleich wieder mit dem Finger auf andere zu zeigen“, so Hoßbach. Es beteiligten sich noch immer viel zu wenig Betriebe an der dualen Ausbildung im Land.

Unternehmerverbände kritisieren hohe Abbrecherzahl

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), sagte, beide Landesregierungen müssten „ihre Anstrengungen deutlich verstärken, um den Rückstand zu anderen Bundesländern aufzuholen.“ In Berlin sei die große Diskrepanz zwischen den herausragenden und vielfach ausgezeichneten Unis und den unterdurchschnittlichen Schulsystem auffällig, so Amsinck weiter. „Alarmierend“ nannte er die hohe Zahl der Schulabbrecher. „An fehlendem Geld kann es nicht liegen: Kein Bundesland gibt mit 9.200 Euro je Schüler mehr Geld für die Schulbildung aus als Berlin. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 7.100 Euro.“

Die Studie, die die Initiative Soziale Marktwirtschaft im Auftrag des IW erstellte, bewertet anhand von 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert, heißt es.

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Von Anna Bückmann

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