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Brandenburg Brandenburg gibt Bestandsgarantie für märkische Krankenhäuser
Brandenburg Brandenburg gibt Bestandsgarantie für märkische Krankenhäuser
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16:27 15.07.2019
Operationssaal in einem Krankenhaus Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Die Landesregierung und die Landeskrankenhausgesellschaft (LKG) in Brandenburg weisen Vorschläge der Bertelsmann-Stiftung, mehr als die Hälfte aller Kliniken in Deutschland zu schließen, entschieden zurück. Die geforderte Zentralisierung sei nicht auf alle Regionen Deutschlands übertragbar, erklärte LKG-Geschäftsführer Michael Jacob. „In einem Flächenland wie Brandenburg geht dieses Planspiel an der Versorgungsrealität vorbei.“

Ähnlich äußerte sich Gesundheits-Staatssekretär Andreas Büttner (Linke): Die Studie verkenne, „welchen großen Stellenwert Krankenhäuser besonders in ländlichen Regionen für die Menschen haben.“ Nach zahlreichen Klinikschließungen in den 1990er-Jahren sei die Krankenhausdichte inzwischen bedarfsgerecht. Einer Landkarte des Ministeriums zufolge gibt es in Brandenburg aktuell 54 Krankenhäuser an 65 Standorten. „Wir wollen alle Krankenhausstandorte im Land erhalten“, betonte Büttner.

Krankenhäuser in Brandenburg Quelle: Laines Rumpff

Die am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung und des Science Media Center (SMC) plädiert für eine drastische Verringerung der Kliniken in Deutschland. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf weniger, dafür aber besser ausgestattete Kliniken vermeiden. Die Autoren der Studie schlagen eine Verringerung von derzeit 1.400 Kliniken auf 600 vor.

Zur Begründung heißt es, viele kleine Krankenhäuser hätten nicht die nötige Ausstattung, um lebensbedrohliche Notfälle angemessen zu behandeln. „Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden", erklärte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung.

Mehr OPs bedeuten mehr Sicherheit

Zahlen des SMC zufolge verfehlen bundesweit 39,7 Prozent aller Kliniken die geforderten Mindestfallzahlen (gezählt wird pro Krankenhaus, nicht wie in anderen Ländern pro Arzt). Entsprechende Vorgaben gelten für sechs verschiedene Operationen, und zwar den Einbau von künstlichen Kniegelenken, Stammzellen-, Nieren- und Lebertransplantationen sowie Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsen-OPs. „Dabei handelt es sich ausnahmslos um planbare Eingriffe, bei denen ein starker Zusammenhang zwischen der Behandlungsqualität und der Fallzahl pro Klinik nachgewiesen wurde“, sagt Studienautorin Meike Hemschemeier. Zudem gibt es eine Mindestfall-Vorgabe für die Versorgung von Frühchen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1250 Gramm.

Brandenburg ist neben Bremen das Bundesland, in dem besonders viele Kliniken die Vorgaben verfehlen: 56,7 Prozent (oder in absoluten Zahlen 17 von 30), deutlich mehr als im Bundesschnitt. Die Zahlen zeigten, „wie viele Kliniken in Deutschland eigentlich einen oder mehrere der betroffenen medizinischen Bereiche aufgeben müssten, es aber nicht tun“, sagt dazu Thomas Mansky, emeritierter Professor für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Dem widerspricht Staatssekretär Büttner: „Qualität der Versorgung bedeutet nicht nur die Qualität der Behandlung, sondern auch, dass die Krankenhausangebote für die Bevölkerung noch erreichbar sein müssen.“ Auch gehörten Krankenhäuser gerade im ländlichen Raum zu den größten Arbeitgebern. „Das darf man in dieser Diskussion nicht vergessen.“

Rudolf Henke von der Ärztevertretung Marburger Bund sagte über die Studie: „Es lässt sich aus der Warte von Ökonomen leicht von Zentralisierung und Kapazitätsabbau fabulieren, wenn dabei die Bedürfnisse gerade älterer Menschen unter den Tisch fallen, die auf eine wohnortnahe stationäre Grundversorgung angewiesen sind.“ Planungsentscheidungen würden aber in den Ländern getroffen – „und nicht am grünen Tisch der Bertelsmann-Stiftung“.

 

Von Thorsten Keller

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