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Brandenburg Reaktionen auf Tesla-Fabrik in Brandenburg: „Ein vorgezogenes Weihnachtsfest“
Brandenburg Reaktionen auf Tesla-Fabrik in Brandenburg: „Ein vorgezogenes Weihnachtsfest“
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16:44 13.11.2019
Tesla-Produktion in Shanghai, China. | Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Potsdam

Die geplante Fabrik des Elektroautoherstellers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) wäre nach Ansicht von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine der größten Investitionen in der Geschichte Brandenburgs. „Wir haben uns hier in einem europaweiten Standortwettbewerb durchgesetzt“, sagte Woidke am Mittwoch in Potsdam. Ausschlaggebend für die Standortwahl Potsdam seien die Nähe zu Berlin, die hohe Dichte an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in der Region, das große Platzangebot und die Spitzenposition Brandenburgs bei der Produktion von Ökostrom gewesen.

Unternehmen achteten immer stärker darauf, ihre Produktion möglichst klimaneutral zu gestalten, so Woidke. Das sei für Tesla-Chef Elon Musk „ein wichtiger Punkt“ gewesen. Woidke nannte Strom aus erneuerbaren Energien den „Rohstoff der Zukunft“. Das Tesla-Vorhaben zeige, dass sich Klimaschutz und Wirtschaftsstärke nicht ausschlössen.

Monatelang geheim verhandelt

Woidke und Musk hatten sich am Dienstagnachmittag im Berliner Hotel Adlon getroffen und dort der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zum Bau einer Auto- und Batteriefabrik im Landkreis Oder-Spree mit perspektivisch 7000 Arbeitsplätzen beigewohnt. Kurz darauf bestätigte Musk das Vorhaben anlässlich einer Preisverleihung („Goldenes Lenkrad“). Das Giga-Fabrik-Projekt monatelang im Verborgenen vorbereitet worden.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, äußerte, die Entscheidung zeige, dass auch ein Hersteller wie Tesla von der Innovationskraft und den Vorteilen des deutschen Standorts überzeugt sei. Er verwies auf Pläne von Regierung und Autobranche, das Ladenetz für E-Autos weiter auszubauen. Dies habe auch für ausländische Investoren offensichtlich einen hohen Stellenwert.

Auto-Experte Dudenhöffer: Batterie-Produktion überdenken

Die Bundesregierung muss nach Ansicht des Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer bei der Förderung der Batterieproduktion umdenken. Nach der Ankündigung des Tesla-Chefs, neben Autos auch Batterien in Grünheide herstellen zu wollen, sei zu überlegen, welchen Sinn die eine Milliarde Euro noch habe, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation stecken wolle.

Die Tesla-Fabrik soll voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen und zunächst den künftigen Kompakt-Sportgeländewagen Model Y bauen. Tesla werde zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin ansiedeln, sagte Musk. „Deutschland baut großartige Autos.“ Das sei einer der Gründe für die Standort-Entscheidung gewesen.

IHK fordert Druck bei BER-Fertigstellung

„Nun wächst nochmals der Druck auf die Fertigstellung des Flughafens BER mit zusätzlichen Langstreckenverbindungen und besserer Erreichbarkeit“, sagte Potsdams IHK-Präsident Peter Heydenbluth. „Für die Ansiedlung von neuen Zulieferern, Logistik-Dienstleistern und Forschungspartnern aus der Wissenschaft ist das enorm wichtig.“

Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, beurteilte die „großartige Nachricht“ für die Hauptstadtregion als „ein vorgezogenes Weihnachtsfest“. „Brandenburg und Berlin müssen nun die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Investition von Tesla zügig umgesetzt werden kann.“

Musk kündigt übertarifliche Löhne an

Von der Brandenburger Linke-Fraktion kamen mahnende Worte. „Leider ist Herr Musk in den USA nicht nur durch positive Visionen aufgefallen, sondern auch durch schlechte Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsfeindlichkeit“, teilte der Fraktionsvorsitzende Sebastian Walter mit. Er forderte deshalb: „Auch Tesla muss sich an die Regeln der guten Arbeit, an das Betriebsverfassungsrecht und an die Tarifbindung halten.“ Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) teilte hingegen mit, Tesla habe übertarifliche Löhne zugesagt.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin, Ramona Pop (Grüne), sagte dem rbb Inforadio: „Brandenburg hat Flächen, Berlin wiederum hat die Talente.“ Es gehe nicht nur um den Produktionsstandort. „Es geht um Design, Innovationszentren und Software und da ist natürlich Berlin der richtige Standort mit unserer digitalen Industrie und den Fachkräften aus der IT-Branche.“

Berlins IHK-Präsidentin Beatrice Kramm betonte hingegen die Vorteile für die Region. „Die Tesla-Ansiedlung wird den Standort im industriellen Bereich der E-Mobilität jetzt einen weiteren großen Schritt voranbringen“, teilte sie mit. Er besitze „gerade vor dem Hintergrund des energiewirtschaftlichen Strukturwandels erhebliches Zukunftspotenzial für die Menschen in der Region“.

Von Ulrich Wangemann und Oliver von Riegen

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