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Brandenburg Regierung lässt sich für E-Fahrzeuge viel Zeit
Brandenburg Regierung lässt sich für E-Fahrzeuge viel Zeit
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22:21 24.10.2017
Quelle: picture alliance / dpa
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Potsdam

Ein weißer Fleck der E-Mobilität ist Brandenburg auf der Landkarte des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der Verband hat am Dienstag den Ausbau von Ladestationen für Elektromobile in den einzelnen Bundesländern vorgestellt. Brandenburg landet mit gerade mal 88 öffentlichen Ladestationen auf Platz 14 – vor Bremen und dem Saarland. Bayern dagegen ist fast startklar für E-Fahrzeuge. Der Spitzenreiter der Länderrangliste hält schon 2503 Stationen vor. Nordrhein-Westfalen hat als Zweiter 1970 Stationen. Kein Wunder also, geht die Landesregierung Brandenburgs beim elektrischen Fahren selbst nicht mit gutem Beispiel voran. Die fehlende Infrastruktur wird immer wieder als Grund für die Zurückhaltung genannt.

Kein Masterplan für E-Fahrzeuge

Im Flächenland Brandenburg wäre die Beladung der E-Fahrzeuge ein Riesenproblem, räumt zum Beispiel Ulrike Rehberg vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) ein. Der Landesbetrieb ist für die Fahrzeugflotte der Regierung zuständig. Auf einen Regierungschef, der per E-Auto durch die Lande fährt, werde man deshalb wohl noch lange warten müssen. „Einen Masterplan gibt es nicht, weil noch gar nicht die Grundvoraussetzungen gegeben sind“, so Rehberg.

Rund 300 zusätzliche öffentliche Normal- und 130 Schnellladepunkte wären mindestens notwendig, um Brandenburg anfangs ausreichend für eine funktionierende Elektromobilität zu versorgen, sagt das Berliner Reiner Lemoine Institut (RLI). Das RLI hatte m Auftrag des märkischen Wirtschaftsministeriums eine Studie erstellt.Dabei ist es bei der vorhandenen Infrastruktur sogar optimistischer als der BDEW. Laut RLI hat Brandenburg schon jetzt mehr als 180 öffentliche und teil-öffentliche Standorte für eine Ladeinfrastruktur. Die Bundesnetzagentur meint allerdings, nur ein Bruchteil dieser vorhandenen Ladesäulen erfülle die Mindestanforderungen an den sicheren Aufbau und Betrieb einer Ladesäule für Elektromobile.

E-Test in zwei Ministerien

Trotz der ungünstigen Ausgangslage unternimmt die Regierung einzelne Versuche in Richtung elektromobiles Brandenburg. Ende August erhielt Finanzminister Christian Görke (Linke) die Fahrzeugpapiere für ein reines E-Auto sowie einen sogenannten Plug-in-Hybrid, der mit Strom und Benzin fährt. Zwei Jahre lang soll getestet werden, ob sich die Autos für Dienstfahrten eignen. Der technische Geschäftsführer des Liegenschaftsbetriebs, Norbert John, sagt, so prüfe man die Alltagstauglichkeit eines alternativen Antriebs. Herausfinden will man auch, welche Voraussetzungen für die Einführung der E-Autos im Fuhrpark der Landesverwaltung notwendig sind. Hier kommt es zum Beispiel auf ihre Reichweite, die Ladedauer und die Taktung der Ladezeiten auf verschiedene Nutzer an.

E-mobiler will auch das Wirtschaftsministerium werden. Es soll demnächst ein rein-elektrisches B-Klasse-Fahrzeug von Mercedes sowie einen Audi-A3 e-tron als Plug-in-Hybrid bekommen. „Der Vergleichbarkeit halber werden diese Fahrzeuge auch vom Finanzministerium getestet“, sagt Sprecherin Andrea Beyerlein. „Die Testphase ist auf zwei Jahre ausgelegt.“ 2019 soll eine Kosten-Nutzen-Analyse des Versuchs vorgelegt werden. Die Landesregierung selbst schätzt diese Tests trotzdem als besten Ausdruck für ihre im Januar 2016 gestartete Initiative „e-mobiles Brandenburg“ ein. Außerdem denke sie schon an weitere Nutzer wie die Polizei, die Straßenverkehrsämter, die Forstämter und die Bergbauverwaltungen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Über die Details müsse man sich aber erst noch verständigen.

E-Busse sollen in Potsdam rollen

Da sind die Stadtwerke Potsdam schon weiter. Sie wollen ab 2025 ihre Busflotte durch alternativ angetriebene Fahrzeuge ersetzen – mit E-Bussen und Bussen mit Brennstoffzellen. Dazu müssten die Verkehrsbetriebe (ViP) in den kommenden Jahren aber erst noch zwei unterschiedliche Systeme in Potsdam testen, erläutert Sprecher Stefan Klotz. Auf kürzeren Linien würden reine Batteriebusse fahren, Brennstoffzellenbusse kämen auf größeren Tagesstrecken zum Einsatz. Gedacht sei an zwei bis drei Fahrzeuge.

Dafür wollen die Stadtwerke zusammen mit der Netzgesellschaft Potsdam GmbH (NGP) und dem Rathaus bis Jahresende ein Konzept für eine Ladeinfrastruktur erarbeiten. Bei Bussen gebe es zahlreiche Systeme zum Laden. Das ist eher von Nachteil, denn entsprechend gibt es auch keine Standardisierung bei den Ladesäulen. „Die Standardisierung soll noch in diesem Jahr kommen, damit erhoffen wir uns Verlässlichkeit und einen erheblichen Schub im Herstellermarkt somit auch sinkende Preise“, sagt Klotz.

Wegen des mauen Ausbaus der Ladestationen können die sieben reinen Elektrofahrzeuge der Kommunale Fuhrparkservice Potsdam GmbH (KFP), die jetzt schon im Einsatz sind, eigentlich nur für den Stadtverkehr genutzt werden. Zwei E-Pkws werden überwiegend von der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) und der Netzgesellschaft Potsdam GmbH (NGP) für den Außendienst innerhalb des Potsdamer Stadtgebietes eingesetzt. Aber immerhin: Sie gehören zur Fahrzeugflotte.

Die Oberleitung als anderes Modell

Dass Elektromobilität in Brandenburg funktionieren kann, beweist auch die Barnimer Busgesellschaft (BBG). In der Kreisstadt Eberswalde legen die Oberleitungsbusse seit mehr als 70 Jahren problemlos täglich eine Strecke von 300 Kilometern zurück. BBG-Geschäftsführer Frank Wruck nimmt die Vorreiterrolle, die der BBG in Sachen E-Mobilität zukommt, auch wahr. Stadtwerke und Verkehrbetriebe etwa aus Aachen, Osnabrück und Berlin sehen sich immer mal wieder die Eberswalder Oberleitungsbusse an. „Wir betreiben die Oberleitungsbusse aus Überzeugung“, betont Wruck. Da der Wirkungsgrad von Elektromotoren besser sei als der von Dieselmotoren, seien die Oberleitungsbusse unterm Strich tatsächlich günstiger. Ob sie auch ökologischer seien, bleibe allerdings offen. Zwar sei der Eberswalder Strom als „grün“ zertifiziert, woher er aber letztlich komme, könne man nur schwer prüfen.

Wruck weiß aber auch, dass die Barnimer Busse nur bedingt als Modell für die Elektromobilität der Zukunft taugen.
Dass es zu Problemen kommen könnte, wenn man statt Oberleitungsbusse echte E-Busse nehmen würde, macht Wruck an einer Modellrechnung klar: „Um die Batterie für einen Bus aufzuladen, brauchen sie eine Spannung von 100 Ampère und 60 Kilowatt Leistung. Bei 50 Bussen reicht da die normale Stromversorgung nicht aus.“ Zwar glaubt auch Wruck, dass die E-Mobilität eine „Notwendigkeit“ sei, aber zwei Probleme seien immer noch nicht gelöst: Leistungsfähige Batterien und eine entsprechende Ladeinfrastruktur.

Von Rüdiger Braun