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Brandenburg Rollende Riesen in Brandenburg
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20:01 21.02.2014
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Potsdam

2013 wurden bei der Koordinierungsstelle für Großraum- und Schwerverkehr des Potsdamer Polizeipräsidiums 10.841 Transporte mit insgesamt 14.585 Fahrzeugen beantragt. Ein Antrag betreffe manchmal mehrere Fahrzeuge in einem Konvoi, so Polizeisprecher Dietmar Keck. (2012: 10289 Anträge, 2011: 7822). Im Vergleich zu 2010 beträgt die Steigerungsrate fast 72 Prozent. Damals gab es 6315 Anträge für 11.585 Laster.

Um Unfälle zu vermeiden, müssen die meisten XXL-Transporte von der Polizei begleitet werden. Die dafür eingesetzten Beamten prüfen auch den Zustand von Fahrzeug und Ladung und sperren bei Bedarf den übrigen Verkehr. Die Polizisten fehlen aber dann an anderer Stelle, beschreibt Keck das Problem. Im Durchschnitt werden – über die Schichten verteilt – täglich zwölf Streifenwagen mit je zwei Beamten abgestellt, um einen Schwerlaster sicher durch die Mark zu bringen.

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„Aufs Jahr hochgerechnet bindet das immense Kräfte“, sagt Andreas Schuster, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) hatte kürzlich angekündigt, Ordnungshüter von artfremden Tätigkeiten abzuziehen und stattdessen auf Streife zu schicken. Schuster fordert, verstärkt private Anbieter zur Koordinierung des Schwerlastverkehrs einzubeziehen. Sie könnten etwa Brückenhöhen oder Engstellen von Straßen bestimmen. Während auf Autobahnen Privatfirmen auch zur Transportbegleitung eingesetzt werden, obliegt das auf Bundes- und Landesstraßen der Polizei.

Angesichts steigender Trans portzahlen wollen die Innenminister der Länder die Polizei entlasten. So sollen unter anderem Gutachten zugelassener Prüfingenieure anerkannt und die Kontrolldichte bei Fahrten über Ländergrenzen hinweg minimiert werden. Mit Regelungen wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Vor allem im Windenergieland Brandenburg gehören Schwertransporte zum nächtlichen Straßenbild. Die Hälfte machen allein Windkraftanlagen aus, viele davon haben auswärtige Bestimmungsorte und werden im Transit durch die Mark gekarrt. Große Hersteller haben bundesweit und im benachbarten Ausland Standorte. Anlagenteile werden aber auch in märkischen Werken in Lauchhammer, Trampe, Finsterwalde und Fürstenwalde gefertigt und verladen. Allein bei Vestas Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) gehen in den Nächten von Montag bis Donnerstag im Schnitt 15 Rotorblätter für Windräder auf 60 Meter langen Tiefladern ab in Richtung Autobahn 13. Turmsegmente aus Fürstenwalde (Oder-Spree) sind immerhin noch 40 Meter lang, vier Meter breit und fast fünf Meter hoch.

500 PS starke Schwerlaster bugsieren zudem sperrige Betonelemente, Fertiggaragen, Holz- und Stahlkonstruktionen für Einkaufsmärkte oder Sporthallen, Straßenbahnen und Jachten. Bootskörper aus Polen oder zehn Meter breite Schiffsschrauben aus Schwerin sind zu Häfen unterwegs. Tief lader zuckeln mit Turbinen, Transformatoren, Baumaschinen oder Bundeswehr-Gerät um die Hausecken in märkischen Städten oder geben auf den Autobahnen auch mal sachte Gas – vom Schritttempo hoch auf maximal 50 Kilometer pro Stunde.

Das Problem dabei: Bedingt durch marode Brücken sind bundesweit viele Streckenabschnitte auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen für überschwere Laster nicht zugelassen. Durch Umwege verlängern sich die Fahrtzeiten jedoch enorm. Laut Polizeisprecher Keck wird etwa bei Transporten, die im südlichen Nordrhein-Westfalen starten und ins 450 Kilometer entfernte Hamburg wollen, durch die Behörden eine Route über Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern festgelegt. Die Strecke wird damit um 1000 Kilometer länger – mit Folgen für die betreffenden Bundesländer, die die Schwertransporte sichern müssen.

Für Bernd Engbers ist die deutsche Verkehrsinfrastruktur „katastrophal“. Engbers beschafft für die Schwertransport-Firma Baumann im nordrhein-westfälischen Bornheim Genehmigungen. Eben hat die Stadt Hagen im Ruhrgebiet die Traglast von 21 Brücken auf 44 Tonnen begrenzt. „Wo wir bislang eine Nacht gefahren sind, werden es nun zwei oder mehr“, sagt Engbers. Auf den zusätzlichen Kosten bleibe der Spediteur sitzen.

Im April 2013 hat Baumann einen der eindrucksvollsten Transporte in Brandenburg abgewickelt. Ein gut 80 Meter langes und viereinhalb Meter breites Gespann beförderte einen 225 Tonnen schweren Generator vom Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) ins sächsische Boxberg. Die technischen Daten lassen Freunde von XXL-Lastern noch heute schwärmen: drei Zugmaschinen, eine im Schub, 36 Achsen und 144 Reifen. Gesamtgewicht: 487 Tonnen.

Von Volkmar Krause

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