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Brandenburg SPD hofft auf Platzecks Comeback
Brandenburg SPD hofft auf Platzecks Comeback
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14:26 26.06.2013
Matthias Platzeck im Mai 2013. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
POTSDAM

Platzeck hat aber offenbar verdammt viel Glück gehabt“, sagte Ness und fügte – offenbar auch zur eigenen Beruhigung – hinzu: „Schlaganfall ist eben nicht gleich Schlaganfall.“ Er jedenfalls rechne fest damit, dass sein Chef demnächst wieder voll einsatzfähig ist.

Davon geht auch Platzeck aus. „Ich will wieder einhundertprozentig fit werden“, hatte er am Montag in einem MAZ-Interview gesagt. Dieser Satz klang sehr entschlossen – und auch voller Hoffnung. Die ärztliche Diagnose muss für Platzeck ein Einschnitt gewesen sein: Am 17. Juni erlitt er einen leichten Schlaganfall („minor stroke“). Ausführlich hatte Platzeck, der im Dezember 60 wird, in dem Interview beschrieben, was ihm passiert ist. Dass er durch den kleinen Schlaganfall Probleme beim Sehen und Laufen hatte, aber schon nach drei, vier Tagen mit ärztlicher Hilfe fast wieder seinen normalen Zustand erreicht habe. Und dass er offenbar einen Schutzengel hatte. „Ich kann wieder gut laufen, habe aber noch einen leichten Linksdrall“, gab Brandenburgs populärer Landesvater an. Schon am Donnerstag will er seine Regierungsgeschäfte wieder aufnehmen. Zumindest für ein paar Tage, bevor er dann in einen mehrwöchigen Urlaub aufbricht.

Sich davor noch einmal öffentlich zu präsentieren, ist Platzeck offenbar wichtig. Er steht jetzt noch mehr unter Beobachtung. Und so hofft sein Umfeld, dass ein solcher Auftritt – geplant ist er zu den Folgen des Hochwassers für den Tourismus – zugleich mögliche Zweifel zerstreut, ob er dem Regierungsamt künftig noch gewachsen sei. Seine engen Mitarbeiter wirken trotz allem erstaunlich gelassen. Platzeck sei doch niemand, heißt es, der auf den Rat der Ärzte nicht hören würde. Und die hätten ihn nach fünf Tagen aus dem Krankenhaus entlassen.

Die Abläufe wecken bei einigen in der SPD Erinnerungen an 2006. Damals trat Platzeck nach nur 146 Tagen als SPD-Bundesvorsitzender zurück. Auf Anraten der Ärzte, wie er damals versicherte. Er hatte sich gesundheitlich überfordert – vor allem mit seinen vielen Ämtern. Zwei Hörstürze waren die Folge. Wie schonungslos offen er damals über seine Krankheit sprach, sorgte für Respekt – auch in der eigenen Politiker-Zunft. Reichlich viele Posten hat Platzeck auch heute. Als besonders stressig gilt der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz.

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Matthias Platzeck ist gesundheitlich angeschlagen, erlitt nun sogar einen leichten Schlaganfall. Flughafen-Dilemma, Hochwasser-Katastrophe und das Tagesgeschäft als Landesvater – ist das  alles zu viel für den beliebten SPD-Politiker?  Soll sich Matthias Platzeck schonen?

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Nach seinem unglücklichen Ausflug in die Bundespolitik zog sich Platzeck dann – nach vierwöchiger Pause – in sein „Ländle“ zurück. Er trat anfangs etwas kürzer, achtete mehr auf seine Gesundheit, regierte aber weiter und wechselte 2009 sogar den Koalitionspartner (von der CDU zu den Linken). In der Gunst der Wähler blieb Platzeck ganz oben. Für seine Partei ist er nach wie vor unersetzbar. Kein anderer Politiker erreicht seine Popularitätswerte. Einen geborenen Nachfolger gibt es derzeit nicht. Die meisten Mandatsträger verdanken ihm allein ihre Posten. Über viele Jahre entstand so das „System Platzeck“, das nach wie vor funktioniert und selbst Krisen wie den tiefen Fall des Platzeck-Vertrauten Rainer Speer 2010 überstand. Vom Grünen-Fraktionschef Axel Vogel stammt der Satz, dass die SPD wie ein Freundeskreis und nicht wie eine Partei geführt werde.

Eigentlich will es Platzeck 2014 noch einmal wissen. Dann ist Landtagswahl. Es wäre die dritte als Regierungschef. Erst aber ist Bundestagswahlkampf. Auch dort liegen die Hoffnungen auf Platzeck, der für seine Partei gern die 2009 verlorenen Direktmandate zurückholen will. Beim Wahlkämpfen habe er sich doch schließlich immer besonders wohlgefühlt, hofft ein SPD-Abgeordneter. 

Von Igor Göldner

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