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Brandenburg Schaufenster in die Landesgeschichte
Brandenburg Schaufenster in die Landesgeschichte
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06:00 16.12.2013
Unter der Quadriga geht's zum Museum. Quelle: Michael Hübner
Potsdam

MAZ: Vor zehn Jahren hieß es noch, es werde noch ein Name für das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte gesucht, der weniger sperrig ist. Hat sich der HBPG-Chef an den Zungenbrecher gewöhnt?

Kurt Winkler: Ich kann damit gut leben und die Gäste  auch. Selbst wenn ein akzeptabler Verbesserungsvorschlag käme, wäre es nach so langer Zeit nicht ratsam, den Namen zu wechseln.  Wir gehen auch selbstironisch damit um. Ich habe mal eine Karte drucken lassen mit dem Text: „Das Haus mit der geheimnisvollen Abkürzung wünscht Ihnen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Neues Jahr“. Doch Spaß beiseite: Da es auch ein Haus der Bayrischen Geschichte und ein Haus der Geschichte Baden-Württemberg gibt, handelt es sich durchaus um eine zutreffende Bezeichnung. Im Gegensatz zu den Landesmuseen, die im 19. Jahrhundert entstanden, verfügen auch diese Häuser über keine eigenen Sammlungen. 

Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte wurde vor zehn Jahren auf Anregung von Ministerpräsident Manfred Stolpe gegründet. Auf welche Ihrer Ausstellungen sind Sie im Rückblick besonders stolz?

Winkler: Ich bin als Direktor erst seit fünf Jahren im Amt. Als Referenz an meinen Vorgänger Gert Streidt möchte ich an die Ausstellung „Marksteine“ erinnern. Das war ein fulminanter erster Auftritt 2001, mit dem die Eröffnung des Hauses vorbereitet wurde. Ein Projekt, das für mich herausragt, war 2010 die Ausstellung „Sibylle. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR“. Bei vielen lebhaften Veranstaltungen mit Zeitzeugen konnte ich selbst viel lernen über die Ambivalenz der DDR. Die Zeitschrift war ein staatlich kontrolliertes Presseerzeugnis, aber auch ein Kristallisationspunkt für kritisch eingestellte Menschen. Mit dieser Rückschau gelang es, einen aktuellen Diskussionsraum zu eröffnen, und das liegt mir besonders am Herzen.

Da Ihr Etat sehr knapp bemessen ist, dürfte das nur selten gelingen.

Winkler: Wir zeigen bis zu sechs Produktionen im Jahr, davon immerhin drei bis vier, die wir selbst aktiv konzipieren. Die übrigen stellen wir gemeinsam mit Partnern auf die Beine. So war es mit der Ausstellung „Synagogen in Brandenburg“, bei der das Moses Mendelssohn Zentrum und die Universität Potsdam mitgewirkt haben.  Bei uns im Kutschstall in Potsdam hatten wir gar nicht so viele Besucher, aber die Schau wurde jetzt schon an acht Stationen gezeigt und die Resonanz im Lande ist groß. Von unserem Selbstverständnis her setzen wir auf Netzwerke. Wir betreiben Kooperationen, das ist unsere Aufgabe. Unterm Strich verfügen wir im Jahr über 50 000 Euro, um Grundkonzeptionen bis zur Antragsreife zu entwickeln. Dann gilt es, für die Projekte Drittmittelgeber und Sponsoren zu finden.

Am liebsten hätten Sie 2013 eine große Ausstellung über den Siebenjährigen Krieg gezeigt, der vor 250 Jahren zu Ende ging und unter dem die Mark Brandenburg besonders gelitten hat. Warum war das nicht möglich?

Winkler: Wir haben nicht die Mittel, die etwa die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für ihre große Friedrich-Ausstellung einsetzen konnte. Mit unserer Ausstellung „König & Kartoffel“ ist es uns 2012 dennoch gelungen, einen eigenständigen und interessanten Beitrag zur Sozialgeschichte der friderizianischen Zeit zu leisten. Das Highlight war im Frühjahr dieses Jahres die „Europa-Jagellonica“-Ausstellung, die auch in Polen und Tschechien lief. Da konnten wir wirklich auf der großen Spielfläche der internationalen Landesmuseen mithalten – dank der Mittel, die wir unter anderem aus EU-Mitteln akquiriert haben. Ein Eintrag im Besucherbuch lautete: „Eine Ausstellung in dieser Qualität habe ich zuletzt  im Metropolitan Museum gesehen.“  Auch wenn wir nicht in New York sind, so ist Potsdam doch eine kulturell sehr attraktive und lebendige Landeshauptstadt.

Sie sehen sich nicht als Heimatmuseum?

Winkler: Mit dem Begriff wird doch assoziiert, dass man provinziell und bieder ist und nur ganz kleine Brötchen backt. Aber man kann „Heimat“ auch positiv füllen. Man redet heute überall von „cultural heritage“, dem kulturellen Erbe. Vor dem Hintergrund der Globalisierung kommt kulturellen Eigentraditionen als identitätsbildenden Faktoren ein besonderer Stellenwert zu.

Sehen Sie sich als Preußenmuseum?

Winkler: Wir haben keine Angst vor Preußen. Es gibt in der Preußenforschung innovative Ansätze. Erst kürzlich hatten wir eine spannende Podiumsdiskussion mit dem australischen Historiker Christopher Clark. Doch Preußen und Brandenburg sind zeitlich und territorial nicht deckungsgleich. Zum einen: Brandenburg war zwar Kernland, doch Preußen war größer. Wir wollen nicht die Geschichte des Territoriums von Koblenz bis Königsberg darstellen. Zum anderen: Die brandenburgische Geschichte beginnt im hohen Mittelalter - mit den Zisterziensern, der Christianisierung, mit Burgen, Klöstern und Stadtgründungen unter den Askaniern - und reicht bis in die DDR-Zeit.

Wie definieren Sie Erfolg?

Winkler: In der Resonanz und in den Diskussionen, die wir in der Öffentlichkeit auslösen. Wir freuen uns über hohe Besucherzahlen und mediale Beachtung. Das muss nicht immer Zustimmung sein. Wir wollen ein Forum schaffen für den Diskurs. Deshalb verbinden wir unsere Ausstellungen stets mit  Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionen, Symposien und dergleichen.

Kürzlich wurde in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft das Potsdam-Museum neu eröffnet. Es verwundert, dass das große Stadtmodell, das Potsdam im Jahr 1912 zeigt, nicht hinüber ins Alte Rathaus gewandert ist. Stimmen Sie sich mit dem Potsdam-Museum ab?

Winkler: Da gab es keine Begehrlichkeiten. Wir haben eine Vielzahl von gemeinsamen Interessen. In Potsdams historischer Mitte entsteht gerade ein ganz beachtlicher Kulturstandort, der zur Folge haben wird, dass die Touristen die Stadt nicht mehr nur eilig in Richtung Sanssouci durchqueren. Neben dem Potsdam-Museum entsteht das Museum Barberini. Das Filmmuseum stellt sich derzeit als Teil der Filmhochschule neu auf. Das Naturkundemuseum und der Nikolaisaal sind ebenfalls wichtige Adressen. Das neue Landtagsschloss ist zwar kein Museum, aber eine öffentliche Einrichtung. Und das Bildungsforum – Bibliothek und Volkhochschule unter einem Dach – wurde gerade neu eröffnet. Unser Kutschstall wird im Schnittpunkt vieler Achsen liegen, denn auch Perspektiven für die Garnisonkirche und den Langen Stall zeichnen sich bereits ab.  Dem Haus der Brandenburgisch Preußischen Geschichte ist eine Koordinationsrolle für das Kultur-Marketing in Potsdams historischer Mitte zugedacht. Es wird darum gehen, ein gemeinsames Marketingkonzept zu entwickeln, die Programme abzustimmen, Ticket-Verbünde, Familiennachmittage, Lange Nächte ins Leben zu rufen. Jede Einrichtung wird ihren eigenen programmatischen Anspruch verfolgen. Die Attraktivität jedes einzelnen Hauses kommt am Ende allen Kultureinrichtungen am Standort zugute.

Sind Sie dafür überhaupt ausreichend ausgestattet?

Winkler: Ab Januar 2004 werden wir mit der Dachmarke Kulturland Brandenburg verschmolzen. Der Rechtsträger heißt dann Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte. Brigitte Faber-Schmidt von Kulturland wird mit mir gemeinsam die Geschäftsführung der erweiterten Gemeinnützigen GmbH einnehmen. Der Gesellschafteranteil der Stadt Potsdam wird sich von einem Drittel auf ein Viertel reduzieren, der Zuschuss der Stadt bleibt aber gleich. Das Land wird sich stärker für seine Referenzeinrichtung engagieren. Wir sind dann 15 statt bisher zehn feste Mitarbeiter.

Dann müssen Sie aber auch die große Landesausstellung 2014 mit stemmen, die die Kulturland-Jahreskampagnen ablösen soll.

Winkler: Wir wurden per Kabinettsbeschluss des Landes im Oktober 2011 mit der Trägerschaft der Landesausstellung beauftragt. Die erste Brandenburgische Landesausstellung unter dem Thema „Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft“ wird am 7. Juni 2014 im Schloss Doberlug eröffnet. Begleitend dazu gibt es acht brandenburgische und drei sächsische Partnerausstellungen, etwa in Branitz und Senftenberg.

Lässt sich das alles von Potsdam aus managen?

Winkler: Das ist eine komplexe, faszinierende Aufgabe. Der Ort, ein Renaissance-Schloss im Elbe-Elster-Kreis, wird zum ersten Mal in die kulturelle Öffentlichkeit treten. Das Land investiert eine Million Euro in die Renovierung und den Ausstellungsbau. Die Kosten der repräsentativen Ausstellung wurden mit 2,5 Millionen Euro angesetzt. Wir steuern von Potsdam aus die gesamte Logistik, die Vergabeverfahren und Ausschreibungen. Da entsteht ein großes Knowhow, eine Blaupause, die sich künftig nutzen lässt. Die nächste Landesregierung wird im Lichte der ersten Landesausstellung dann entscheiden, ob fünf Jahre später, im Fontane-Jahr 2019,  eine zweite Landesausstellung in Neuruppin durchgeführt wird.

Und was haben sie am Standort Potsdam vor?

Winkler: Gemeinsam mit dem Erinnerungslabor Berlin wird im Kutschstall Am Neuen Markt im April 2014 die Ausstellung „Freejazz in der DDR. Weltniveau im Überwachungsstaat“ zu sehen sein, die seit Ende November 2013 im Dieselkraftwerk Cottbus zu besichtigen ist. Wir sind gerade dabei, ein ambitioniertes Veranstaltungsprogramm zu organisieren.

Hat sich Ihre Dauerausstellung im Kutschstall bewährt?

Winkler: Wir konzipieren gerade eine Nachfolge-Ausstellung, die 2015 die erste Dauerausstellung von 2003 ablösen soll. 2015 wird das neu gegründete Land Brandenburg 25 Jahre alt. Und vor 600 Jahren, 1415, entstand das Kurfürstentum der Hohenzollern.

Was werden Sie verändern?

Winkler: Die erste Dauerausstellung von 2003 stand unter dem Thema „Land und Leute“ und ist alltagsnah und landeskundlich gefasst. Ich möchte jetzt Brandenburg/Preußen wieder stärker als politisches Gebilde in den Blick rücken. Das hat mit dem europäischen Einigungsprozess zu tun, aber auch mit der derzeit häufig artikulierten Kritik am vereinigten Europa. Der Gang durch die Geschichte soll ein Gang durchs Land sein. Bestimmte Ereignisse möchten wir an bestimmten Orten illustrieren. Und eines ist uns über die Jahre auch noch deutlich geworden: In einer Ausstellung über Brandenburg lässt sich Berlin nicht länger aussparen: Berlin war immer der Mittelpunkt des Landes.

Herr Winkler, von Ihrem Arbeitsplatz sieht man das Hotel Mercure in Potsdams historischer Mitte, das viele Menschen stört. Was ist Ihre persönliche Meinung, sollte es abgerissen werden?

Winkler: Wenn man, wie ich, von Berlin kommt, beobachtet man, dass in Potsdam über die Stadtplanung in der Öffentlichkeit und in der Bürgerschaft besonders emotional gestritten wird. Einerseits finde ich das toll, das ist ein Stück gelebte Demokratie, die Leute wollen mitreden, wie ihre Stadt aussieht. Andererseits nimmt die Diskussion  gelegentlich auch hysterische Züge an. Ich persönlich sehe im Mercure kein architekturgeschichtlich relevantes Gebäude. Eine bauliche Würdigung halte ich für absurd. Das ehemalige Interhotel ist aber Teil einer Modernisierungsstrategie, die zu DDR-Zeiten auch die Fachhochschule, den Staudenhof und ein neues Theater vorsah. Vergleichbare Überformungen lassen sich in der 60-er und 70-er Jahren auch in westdeutschen Städten wie Castrop-Rauxel oder Essen finden und sind heute Teil der Stadtgeschichte. Die Vorstellung, dass man das Mercure entfernen müsste, solange es eine Funktion hat, teile ich nicht.

Und wie kritisch sehen Sie heute den erfolgten Wiederaufbau des Schlosses, auf das man ebenfalls aus Ihren Arbeitsräumen sieht?

Winkler: Da habe ich zwei Seelen in meiner Brust. Als Kunst- und Architekturhistoriker sehe ich solche Rekonstruktionen sehr kritisch. Aber als Kulturwissenschaftler sage ich, es gibt so etwas wie ein Menschenrecht auf Heimat, auch ästhetisch-emotional. Man kann nicht bestreiten, dass das „Schloss“ einfach schön ist. Mir geht das Herz auf, wenn ich abends über den Platz gehe. Die Stadt hat deutlich an Attraktivität gewonnen. Insofern habe ich keine Probleme mit der Rekonstruktion. Allerdings hätte ich den Innenhof, dem die alte Kubatur fehlt, lieber modern gestaltet. Der Hauptbau wurde ja verbreitert, um den Plenarsaal hineinzubekommen. Die Längsflügel rechts und links sind auch nicht so schmal wie ursprünglich, um mehr Abgeordnetenbüros unterzubringen. Die neue Kubatur wurde einfach mit den barocken Elementen überzogen, was in den Ecken zu recht eigenartigen Lösungen geführt hat. Die Achse im Innenhof mit dem weißen Riffelstreifen-Platten für Sehbehinderte ist funktional korrekt, ästhetisch schwierig und führt genau auf eine Pförtnerloge zu, das wird die Freunde des Barocks erschrecken. Vor allem aber habe ich mich über die Straßenlaternen gewundert, die zum Teil ein goldenes Krönchen haben. Da frage ich mich schon, ob die Demokratie als Bauherr ein goldenes Krönchen auf der Laterne braucht. Als bekennender Republikaner hätte ich mir hier mehr Selbstbewusstsein gewünscht.

Interview: Karim Saab

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte

  • Derzeitiger Direktor des HBPG ist Kurt Winkler. Er wurde 1956 in Kehlheim in Niederbayern geboren, studierte an der Freien Universität Berlin Kunstgeschichte und Philosophie. Er promovierte über die „Musealisierung der Avantgarde“. Kurt Winkler lebt in Berlin. Die Leitung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam übernahm der 2008.
  • Vor zehn Jahren, am 17. Dezember 2003, ist das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) auf Anregung des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe gegründet worden.
  • Sitz des Landesmuseums ist der Kutschstall am Neuen Markt, wo bis ins 18. Jahrhundert Pferde ein- und ausgespannt wurden. Zu DDR-Zeiten diente der Kutschstall als Obst- und Gemüselager für den Großhandel.
  • Das Land Brandenburg übernahm 1997 die Liegenschaft – mit dem ehrgeizigen Ziel, hier ein Landesmuseum einzurichten, was 2003 auch gelang.
  • Neben der ständigen Ausstellung: „Land und Leute. Geschichten aus Brandenburg-Preußen“ gibt es laufend Wander- und Sonderausstellungen. Die aktuelle Sonderausstellung "Kindheitsbilder. Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848" ist noch bis 12. Januar 2014 zu sehen.
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