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Brandenburg Schlechter Service im Potsdamer Bahnhof
Brandenburg Schlechter Service im Potsdamer Bahnhof
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11:32 13.07.2013
Der Potsdamer Hauptbahnhof. Quelle: Klaus Stark
Potsdam

Bahnhöfe sind dazu da, um in einer fremden Stadt anzukommen. Um voneinander Abschied zu nehmen, um täglich zur Arbeit zu fahren. Bahnhöfe sind oder waren zumindest früher die Visitenkarte, das Schaufenster, das Eingangstor zu einer Stadt. Ist der Potsdamer Hauptbahnhof ein solcher Bahnhof oder doch nur ein großes, anonymes Einkaufszentrum mit Gleisanschluss?

„Es ist beides“, sagt Center-Managerin Jana Strohbach diplomatisch, „ich möchte da keine Wertung vornehmen.“ Gisbert Gahler von der Bahn schreibt: „Bahnhöfe sind heutzutage moderne Dienstleistungszentren. Daher wird dort ein vielfältiges Angebot vorgehalten.“ Der eigene Eindruck: In dem sechsgeschossigen Gebäude mit 38.000 Quadratmetern Handelsfläche und sechs Gleisen steht nicht das Reisen im Zentrum.

Gemessen an anderen Haltepunkten wirkt Brandenburgs wichtigster Bahnhof ausgesprochen komfortabel. Doch auch hier bleiben viele Wünsche offen. Beim letzten Test im Rahmen unserer Bahnhofsserie wurde die MAZ von Klaus-Dieter Zentgraf begleitet. Der 61-jährige Fotograf aus Wilhelmshorst (Potsdam-Mittelmark) ist seit einer Blutung im Kopf in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt – trotzdem hat er mehr als 100 Bahnhöfe in Brandenburg fotografiert. Kaum einer kennt die Stationen so gut wie er.

Reisezentrum: Potsdam Hbf hat eines – immerhin. Es öffnet werktags erst um 8 Uhr, der erste Zug fährt aber schon um 4.18 Uhr. „Was machen Sie, wenn Sie vor acht Uhr nach München wollen?“, fragt Zentgraf. In dem Raum sind von vier Schaltern lediglich zwei besetzt. Eine Deutschland-Karte gibt es nicht, Fahrpläne zum Mitnehmen nur recht wenige.

Wartesaal: Auf zwei Bahnsteigen stehen „Windschutzelemente“und gläserne Warteräume. Diese sind schmutzig und im Winter nicht geheizt. Im Übergang über die Gleise entdeckt man nur einige Ali bi-Bänke. Wer sich dort niederlässt, stört mit den Beinen vorbeieilende Reisende. Andere Sitzplätze gibt es nur bei Händlern oder Gastronomen. Offensichtlich ist es nicht erwünscht, sich hier aufzuhalten ohne einzukaufen.

Toiletten: Die Toiletten am Bahnhofsvorplatz im Süden sind seit Kurzem geschlossen. Jetzt gibt es nur noch WCs an der Babelsberger Straße – für einen Gehbehinderten ein sehr langer Weg. Man habe sich dabei an anderen Bahnhöfen mit einer einzigen Toilettenanlage orientiert, sagt Managerin Strohbach. Keine gute Idee. Immerhin soll die Benutzung auch künftig kostenlos bleiben.

Bahnsteige: Von den Bahnsteigen führen zwei Aufgänge hoch zur „Spange“ über die Gleise: einer mit, einer ohne Rolltreppe. Das ist zu wenig und sie sind zu schmal. Warum wurde keine zweite Unterführung gebaut? Weil die Fahrgäste dann den Bahnhof schneller verlassen könnten und nicht erst die Läden und Verkaufsstände passieren müssten?

Zugverbindungen: Im Sommer 2005 hielten in Potsdam die letzten ICE-Züge. Seitdem ist die Landeshauptstadt vom Fernverkehr so gut wie abgehängt. Zentgraf besitzt das Zuglaufschild eines längst eingestellten Interregios namens „Mark Brandenburg“. „Man konnte von hier aus direkt nach Aachen fahren“, staunt er.

Täglich benutzen rund 55.000 Reisende den Hauptbahnhof. Am gleichen Platz wurde 1838 der erste Potsdamer Bahnhof errichtet – daran erinnert nichts. „Statt dessen wurde einfach nur Beton ausgegossen“, sagt Zentgraf. Auf ziemlich hässliche Weise: Kritiker sprachen von einer „chinesischen Mauer“ oder vom „Potsdam-Bunker“. Aber Reisende wollen keine Betonburgen, die aussehen wie anderswo auf der Grünen Wiese auch. Sie wollen neugierig gemacht werden auf die fremde Stadt. Sie wollen wissen, ob sie schneller mit dem verspäteten Regionalzug in Berlin sind oder mit der S-Bahn. Sind sie behindert, würden sie sich über die Hilfe einer Bahnhofsmission freuen. Keine Chance. Aber einkaufen kann jeder, so viel er will.

Von Klaus Stark

Braucht Potsdam einen ICE-Halt am Hauptbahnhof?

Seit ein paar Wochen rollen die ICEs der Deutschen Bahn wieder über die Gleise am Potsdamer Hauptbahnhof. Wegen des Hochwassers musste eine Brücke auf der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover gesperrt werden. Daher werden einige Schnellzüge über Potsdam umgeleitet, machen jedoch keinen Stopp am Bahnhof. Führende Politiker in Brandenburg fordern nun, dass die Bahn ihre ICE-Züge wieder in Potsdam halten lässt.

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Hans Leister war von 1994 bis 2000 Beauftragter der Deutschen Bahn für Brandenburg und leitet heute beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg das Qualitätsmanagement. An der Bahn und an den Bahnhöfen hat er einiges auszusetzen.
MAZ: Am S-Bahn-Schalter in Hennigsdorf bekommt man von 10 bis 10.35 Uhr keine Fahrkarten, weil die Belegschaft Pause macht. Wäre das ein Supermarkt, würden Sie dort Kunde bleiben?

Hans Leister: Sicherlich nicht. Aber so etwas kriegen wir künftig über den Wettbewerb in den Griff. Wenn das Netz neu ausgeschrieben wird, lässt sich auch bestimmen, zu welchen Zeiten ein Schalter geöffnet sein muss.

Das war nur ein Beispiel. Beim Zugfahren in Brandenburg fühlt man sich oft alleingelassen.
Leister: Im Zug ist der Service nicht schlecht. Aber viele Bahnhöfe wirken lieblos, das stimmt. In den 1990er-Jahren war es allerdings noch viel schlimmer, da habe ich mich teilweise geschämt. Inzwischen, das darf man nicht vergessen, gibt es auch viele positive Beispiele: Eberswalde, Bad Freienwalde, Bad Belzig.

Was kann man für die häufig maroden Empfangsgebäude tun?
Leister: Das Problem ist die Nutzung der Gebäude, die für Betriebszwecke nicht mehr benötigt werden. Entweder bekommen Bahn oder Kommune eine Nutzung hin, oder das Gebäude wird früher oder später zur Ruine. Wenn Kommunen sich mit Landesunterstützung wirklich einsetzen, geht vieles, das kann man ja an vielen Stellen im Land sehen.

Müsste nicht auch die Deutsche Bahn selbst mehr tun?
Leister: Die Bahn, die nach wie vor dem Bund gehört, betreibt das Netz und die Stationen. Wenn ein Regionalexpress hält oder einen Kilometer Schiene befährt, fallen dafür Preise an. Daraus erwirtschaftet die Bahn einen Gewinn, der nach unserer Ansicht wieder vollständig reinvestiert werden muss.

Warum wurden in den letzten 20 Jahren so viele Bahnhofsgebäude abgestoßen?
Leister: Vor der Reform von 1994 war die Bahn von unten nach oben einheitlich durchorganisiert und nicht wie heute in Geschäftsbereiche gegliedert. Es gab Direktionen, Bereiche und als unterste Gliederung den Bahnhof als Dienststelle. Der Bahnhofsvorsteher hatte vor Ort die ganze Eisenbahn unter sich. Der Bahnhof war ja früher nicht nur für die Reisenden da, er war der Arbeitsplatz von vielen Eisenbahnern. Das ist inzwischen Geschichte und deshalb stehen die Bahnhöfe leer.

Ist die Eisenbahn nicht insgesamt ein überholtes Verkehrsmittel?
Leister: Aber nein! „Das Stahltier lebt“, schrieb eine Zeitung zum 175-jährigen Jubiläum der Bahn. Im Regionalverkehr und bei der S-Bahn haben wir heute dreimal so viele Fahrgäste wie 1994. Es war goldrichtig, in Brandenburg die Regionalexpresslinien in den Mittelpunkt zu stellen. Auch in den Städten, in denen die Einwohnerzahl zurückgeht, steigt das Fahrgastaufkommen. Da sind wir mit dem Schienenpersonennahverkehr gut platziert. Aus den Brandenburger Städten haben wir ein gutes Angebot in die Zentren und nach Berlin, da nutzen die Bürger die Regionalzüge. Mehr als je zuvor.

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