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Brandenburg Schloss Bad Freienwalde: Ein Adelsitz, den keiner haben will
Brandenburg Schloss Bad Freienwalde: Ein Adelsitz, den keiner haben will
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11:06 06.05.2020
Das Schloss in der Stadt Bad Freienwalde im Landkreis Märkisch-Oderland. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Bad Freienwalde

Reinhard Schmook hatte es schon vorher gewusst: Das Schloss Bad Freienwalde lässt sich nicht so einfach verkaufen. Und wenn doch, so muss der Käufer viel Geld besitzen und kräftig investieren. Trotz europaweiter Ausschreibung hatte der Landkreis Märkisch-Oderland letztlich keinen Interessenten mit überzeugendem Nutzungskonzept gefunden, der auch alle Rahmenbedingungen erfüllt hätte, bestätigt Kämmerer Rainer Schinkel.

„Das die Verkaufsbemühungen scheitern mussten, liegt einerseits an dem erheblichen Reparatur- und Sanierungsrückstau, am Denkmalschutz, der Parkbewirtschaftung sowie andererseits an der Geschichte der Immobilie“, fasst der Bad Freienwalder Regionalhistoriker Schmook zusammen. Herzstück des zweigeschossigen frühklassizistischen Anwesens ist die deutschlandweit einmalige Rathenau-Gedenkstätte inklusive umfangreicher Bibliothek. Der Industrielle Walter Rathenau (1867-1922) hatte das Schloss 1909 erworben. Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. hatte es 1798 für seine Frau Friederike Luise in Brandenburgs ältestem Kurort als Sommersitz hatte bauen lassen.

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Walter Rathenaus Zweitwohnsitz

„Rathenau hat das damals schon länger ungenutzt und leerstehende Haus inklusive des zehn Hektar großen Parks vor dem Verfall gerettet und es aufwendig sanieren lassen“, erklärt Schmook. Es diente dann dem damaligen Außenminister der Weimarer Republik bis zu seiner Ermordung 1922 als Zweitwohnsitz. Rathenaus Nachkommen schenkten das Schloss dem einstigen Landkreis Oberbarnim, dessen Rechtsnachfolger der Märkisch-Oderland ist. Einzige Bedingung: Die neuen Eigentümer sollten das Erbe Rathenaus bewahren und auch öffentlich machen.

1991 hatte die damals neu gegründete Rathenau-Stift-GmbH im Schloss eine Gedenkstätte eingerichtet, die sich weiterhin im Obergeschoss befindet und am Donnerstag (7. Mai) wieder für Besucher öffnet, wie der ehrenamtliche Geschäftsführer Schmook informiert. Der Erhalt der Gedenkstätte als „historischer Ort der Demokratiegeschichte“ gehöre zu den Rahmenbedingungen für potenzielle neue Schloss-Nutzer.

Kulturministerium will Gedenkstätte erhalten

Darauf pocht auch das Brandenburger Kulturministerium, das bei einem möglichen Verkauf oder der Nutzung jedoch kein wirkliches Mitspracherecht hat. „Um das Andenken an Walther Rathenau zu sichern, muss die Ausstellung aber für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben“, betont Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

Offenbar eine schwere Bürde für den Landkreis, der das Anwesen aus Kostengründen gern los werden möchte. Für andere Kreiseinrichtungen wie das Freilichtmuseum Altranft, das Brecht-Weigel-Haus in Buckow oder die Gedenkstätte auf den Seelower Höhen hatte die Kreisverwaltung neue Betreibermodelle gefunden. Nach den gescheiterten Bemühungen zum Verkauf gibt es nun zumindest eine Übergangsnutzung: Damit das Haus nicht länger leer steht, ist Anfang des Monats vorerst eine Außenstelle der STIC-Wirtschaftsfördergesellschaft Märkisch-Oderland ins Erdgeschoss gezogen. „Betriebswirtschaftlich ist das auf jeden Fall sinnvoller, als ein leeres Haus“, sagt der Kämmerer.

Kritik an der Kreisverwaltung

Nach Ansicht von Schmook kann das aber keine wirkliche Perspektive sein. „Da zieht zwar - auch durch die Einrichtung von Coworking-Arbeitsplätzen - wieder Leben ins Haus, ein wirkliches Nutzungskonzept sieht jedoch anders aus“, meint Schmook, der für die SPD im Bad Freienwalder Stadtparlament und im Kreistag-Märkisch Oderland sitzt. Selbst STIC-Mitarbeiter würden lediglich von einem „Testlauf“ sprechen, der auch bei Misserfolg auch schnell wieder beendet sei, führt er weiter aus. Der Kreisverwaltung bescheinigt er „schreiende Inkompetenz“ im Umgang mit dem Schloss. „Die sehen es nur als Klotz am Bein.“

Ein Verkauf des Anwesens sei trotz des aktuellen Scheiterns nicht gänzlich vom Tisch, beharrt Kämmerer Schinkel. „Aber wie wir da jetzt weiter machen, darüber entscheidet letztlich der Kreistag.“ Nach Informationen von Schmook arbeitet hingegen die in Berlin ansässige Rathenau-Gesellschaft derzeit an einer dauerhaften Lösung mit einem neuen Betreiber.

Von Jeanette Bederke

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