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Brandenburg Schloss Groß Rietz beherbergt Museum, Galerie und Designbüro
Brandenburg Schloss Groß Rietz beherbergt Museum, Galerie und Designbüro
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07:57 12.08.2013
Quelle: Winfried Mausolf
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Wer das Barockschloss in Groß Rietz (Oder-Spree) betritt, dessen Aufmerksamkeit wird sofort von der Treppenanlage aus dunklem Eichenholz gefesselt. Nicht zuletzt diese architektonische Besonderheit macht das Herrenhaus, das um 1700 für das Adelsgeschlecht von Marwitz erbaut wurde, zu einem der bedeutendsten Beispiele barocker Schlossbaukunst in der Mark. Experten bezeichnen es auch als „kleines Versailles“, wegen des Ensembles mit Kirche, Friedhof, Park und Wirtschaftsgebäuden.
Nun soll auch wieder Leben in Groß Rietz einkehren. Der Chef einer namhaften Unternehmensberatung mit Sitz in Berlin und Hamburg richtet das Schloss gerade für seine Familie ein. Außerdem sollen dort ein Spielzeugmuseum, eine Kunstgalerie und ein Designbüro unterkommen. Bis zum Abschluss sämtlicher Innenausbauarbeiten will der neue Schlossherr noch ungenannt bleiben.
Die Brandenburger Schlösser GmbH als Eigentümer ist erfreut, dass das Haus in Groß Rietz wieder genutzt wird. „Wir sind erleichtert, dass das bei unserem kleinsten Anwesen in Groß Rietz nach jahrelangen Bemühungen endlich geklappt hat“, sagt Jürgen Klemisch, Prokurist der Schlösser GmbH. „Erstmals wird eines unserer Objekte jetzt teilweise auch privat genutzt.“ Das sei nicht selbstverständlich, denn viele der wertvollen, alten Gemäuer seien für diese Zwecke viel zu groß.
An Interessenten für die 1100 Quadratmeter Nutzfläche mangelte es nicht. Allerdings: Wer die geschichtsträchtige Immobilie tatsächlich neu erwecken will, braucht das nötige Kleingeld. Denn Original-Inventar gab es im Schloss Groß Rietz nicht mehr, nachdem es ab 1945 von den ursprünglichen Besitzern verlassen und anschließend als Kindergarten, Turnhalle, für Wohnungen, eine Arztpraxis und als Filmkulisse genutzt worden war. Ein weiteres Manko: Für Büros oder ein Hotel ist das alte Herrenhaus ungeeignet, da es im Barock keine Flure, dafür aber jede Menge Durchgangszimmer gab. Und an der alten, denkmalgeschützten Architektur darf nichts verändert werden. „Ein kompletter Umbau verbot sich von daher. Die ursprüngliche Bausubstanz wollten wir nicht verletzen“, betont der neue Hausherr.
Er ist jedoch überzeugt, „dass man aus alten Gebäuden nicht zwangsläufig ein Hotel machen muss, um sie sinnvoll zu nutzen“. Der Unternehmer möchte modernes Inventar nutzen, um das Schloss nicht „museal verkommen zu lassen, sondern es in die Neuzeit zu führen“.
Dieser Versuch ist ihm augenscheinlich gelungen, auch deshalb, weil er edelste Materialien wie Marmor, Muranoglas oder Edelstahl verwendet und die Zimmer nicht mit Inventar überlädt. Zudem hat der Kunst- und Marketing-Fachmann Kamine wieder einbauen lassen, wo es sie einst gab. Ein Blickfang in nahezu jedem Zimmer mit den knapp fünf Meter hohen Wänden sind die überdimensional großen Lampen, allesamt Spezialanfertigungen aus Italien. Außerdem gibt es im Schloss zwei Küchen, die es erlauben, größere Veranstaltungen auszurichten. Denn mit der Kunstgalerie beispielsweise soll Groß Rietz nach langen Jahren des Leerstandes auch wieder ein offenes Haus werden.
Der neue Schlossherr sammelt seit Jahren wertvolle alte Pyramiden und an Kronleuchter erinnernde Lichterspinnen, hölzerne Archen mit allerlei geschnitztem Getier sowie Räuchermann- und Nussknackerfiguren, wie man sie heute vor allem aus dem Erzgebirge kennt. Die Kunst ist allerdings schon viel älter, wie seine Exponate beweisen, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. In einem Vierteljahr, so schätzt der künftige Schlossbewohner, soll das neue Groß Rietz fertig eingerichtet sein, im September soll es einen Tag der offenen Tür geben. Im Dorf sind schon alle gespannt, erzählt der Groß Rietzer Bernd Ostwald, der als Verwalter im Schloss einen neuen Job gefunden hat.

Von Jeanette Bederke

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