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Brandenburg Schoa-Ausstellung im Brandenburger Landtag
Brandenburg Schoa-Ausstellung im Brandenburger Landtag
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18:16 06.01.2020
Auch ein Foto von Shoshana Direnfeld ist in der Potsdamer Ausstellung zu sehen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Eigentlich sollte Michael Maor die Ausstellung im Potsdamer Landtag über die Schoa eröffnen, denn die Lebensgeschichte von dem Mann aus Halberstadt im Harz ist spektakulär. Leider ist Maor im Sommer des vergangenen Jahres gestorben, doch seine Vita ist unvergesslich, auch in Potsdam wird sie dokumentiert: Maor kam 1933 zur Welt, in jenem Jahr, als die Nazis in Deutschland an die Macht gewählt wurden – er flüchtete mit den Eltern in das damalige Jugoslawien, wo Vater und Mutter als Partisanen gegen die faschistischen Besatzungsmächte Deutschland und Italien kämpften. Bei einem Bombenangriff kamen die Eltern ums Leben, Michael musste sich alleine nach Palästina, dem späteren Israel, durchschlagen.

In Israel arbeitete er für den israelischen Geheimdienst Mossad, seit den 50er-Jahren lebte er als Fotografie-Student getarnt in Köln. Mit einem spektakulären Einbruch in das Büro des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer schrieb er ein Stück internationaler Justizgeschichte. Maor fotografierte Beweismaterial, mit dessen Hilfe der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Argentinien gefasst werden konnte.

Schärfe um die Augen

Die Schau im Landtag wird an diesem Dienstag um 18 Uhr eröffnet, sie wurde organisiert vom Mosel-Mendelssohn-Zentrum und der F.C.-Flick-Stiftung. Im Mittelpunkt stehen die Bilder des Fotografen Kai Abresch, der sieben Überlebende der Schoa, des Völkermordes an den Juden, porträtiert hat. Was sind das für Bilder? Sie legen eine Schärfe um die Augen, der Rest verwischt, als liege Milchglas über Schultern und Schopf. Dies scheint ein trügerischer Ansatz, er suggeriert, dass man die Seele eines Menschen durch die Augen, die auf den Bildern von Abresch funkeln, erkennen kann. Dies ist eine Illusion, wenn auch eine schöne. Maors Augen, wenn sie denn wirklich sprechen, erzählen von Kampfgeist und einer Grundzufriedenheit.

Neben den sieben Porträts stehen Lebenslauf und ein Zitat. Bei Michael Maor liest man: „Ich erinnere mich, wie ich plötzlich ganz alleine war und das war ein schreckliches Gefühl (...), keine Geschwister, keine Eltern, kein nichts.“

Es gibt auch Fotos von Michael Gilead-Goldmann, Halina Birenbaum, George Shefi, Shoshana Direnfeld, Tamar Landau und Zipora Feiblowitsch, samit Lebenslauf und Zitat. Sie alle haben sich in Brandenburger Schulen als Zeitzeugen engagiert und tun es noch, soweit die Kräfte reichen. Die Ausstellung feiert nun ihre Premiere in Potsdam, anschließend soll sie an Schulen in der Mark Station machen.

Ausstellung „Augenzeugen – Überlebensgeschichten der Schoa“. Foyer des Brandenburger Landtags, Alter Markt 1, Potsdam. Mo bis Fr 8-18 Uhr. Bis 20. Februar.

Von Lars Grote

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