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Brandenburg Schulen erhalten Vertretungsbudget
Brandenburg Schulen erhalten Vertretungsbudget
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22:22 13.11.2013
Quelle: dpa
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Potsdam

Am Montag erreicht das Kollegium die Nachricht: Lehrer Frohwein ist krank. Am Dienstag steht fest: Er fällt für zwei Wochen aus. Spätestens am Donnerstag, wenn es gut läuft aber schon am Mittwoch, steht der pensionierte Altkollege Pröhl auf der Matte und unterrichtet in der 7b wieder Mathe. So soll es laufen ab dem kommendem Jahr an Brandenburgs Schulen. Statt umständlich auf Hilfe des Schulamts zu warten, sollen die Rektoren auf eigene Faust einen Vertretungspool an Pädagogen zusammenstellen, die auf Abruf bereitstehen.

„Dafür stellt die Landesregierung den 800 Schulen ein Budget von insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung”, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch in Potsdam, wo sie das neue Vertretungskonzept vorstellte. Mit weiteren fünf Millionen Euro sollen die Schulämter 100 zusätzliche Lehrer einstellen, um langzeiterkrankte Kollegen zu ersetzen.

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3000 bis 16.000 Euro soll jede Schule, je nach Größe und Lehrerzahl, pro Jahr für die persönliche Vertretungsreserve erhalten. Wolfgang Kremer von der Initiative „Kinder ohne Lehrer“ geht von einem realistischen Budget aus. In seiner Heimatgemeinde Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) wurde der Vertretungspool 2009 von unzufriedenen Eltern und Lehrern erfunden und von der Gemeinde unterstützt. Für fünf Schulen stellt die Gemeinde 30.000 Euro im Jahr zur Verfügung. „Es funktioniert. Das Budget wird gut genutzt, der Unterrichtsausfall kann gut und flexibel abgefedert werden“, erklärt Kremer. Er freut sich, dass das Modell nun landesweit Schule machen soll. Bis Anfang des kommenden Jahres müssen dazu die Schulleiter gemeinsam mit den Lehrerräten einen Pool an Vertretungskräften zusammenstellen. „Das können pensionierte Lehrer, Referendare aber auch voll ausgebildete Pädagogen sein, die entsprechend ihrer Ausbildung nach Tarif bezahlt werden“, so Münch. Als Mindestqualifikation sollen Lehramtsstudenten das 1. Staatsexamen haben.

Jede zehnte Stunde fällt aus

  • 5,1 Millionen Unterrichtsstunden fielen in der zweiten Hälfte des Schuljahres 2012/13 aus. Jede zehnte Stunde (10,6 Prozent) fand also nicht statt wie geplant.
  • 108.000 Stunden (2,1 Prozent) fielen komplett aus, 426000 Stunden (8,5 Prozent) wurden vertreten – durch Ersatzlehrer oder zusammengelegte Klassen. Im ersten Halbjahr 2012/13 fielen 2 Prozent ersatzlos aus, 7,1 Prozent wurden ersetzt.
  • 400 der rund 17000 Lehrer sind dauerkrank. Dafür will das Land 100 weitere Lehrkräfte einstellen, die von den Schulämtern an die betroffenen Schulen verteilt werden sollen.

Die Opposition warf Münch vor, zu lange untätig gewesen zu sein und erst mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Herbst reagiert zu haben. Gordon Hoffemann, Bildungsexperte der CDU-Fraktion, sprach von einem „Tropfen auf den heißen Stein”. Zehn Millionen Euro reichten nicht aus, um den Krankenstand auszugleichen, sagte er. Das Land müsste mindestens 18 Millionen in die Hand nehmen.

Von Torsten Gellner

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