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Brandenburg „Schulen müssen medienfit für die Zukunft werden“
Brandenburg „Schulen müssen medienfit für die Zukunft werden“
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00:20 28.01.2018
Maurice Heilmann ist der oberste Schülersprecher im Land und kommt aus Hangelsberg im Landkreis Oder-Spree. Quelle: D. Scheerbarth
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Potsdam

Maurice Heilmann, 16, besucht aktuell die zehnte Klasse des Carl-Bechstein-Gymnasiums in Erkner im Landkreis Oder-Spree. Über seine Ziele als Landesschülersprecher, spricht er im Interview.

Herr Heilmann, als neuer Landesschülersprecher vertreten Sie die Interessen der 280 000 Brandenburger Schüler. Welche Themen sind Ihnen wichtig?

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Maurice Heilmann: Ich möchte vor allem, dass Schulen medienfit für die Zukunft gemacht werden. Noch immer gibt es in Brandenburg große Unterschiede, was den Breitbandausbau angeht. Was nützt es den Leuten, wenn es an ihrer Schule drei Computerkabinette gibt, aber das Netz nicht schnell genug ist. Es geht aber nicht nur um die fehlende technische Ausstattung. Es müssen Möglichkeiten gefunden werden, wie und in welchem Maß digitale Medien in den Unterricht eingebunden werden.

Was schlagen Sie vor?

Es muss Lehrer geben, die mit gutem Beispiel vorangehen und neue Konzepte entwickeln. Wir fordern auch, dass Schüler ihre privaten Handys und Tablets im Unterricht nutzen dürfen. Nicht jedem Brandenburger Schüler kann im Laufe seiner Schullaufbahn ein Smartphone zur Verfügung gestellt werden. Die Schulen können es sich nicht leisten, alle zwei Jahre Geräte anzuschaffen, die technisch auf dem neuesten Stand sind. Die meisten Schüler kaufen sich aber sowieso alle zwei Jahre ein neues Handy.

„Lehrer bekommen es mit, wenn Schüler im Handy chatten“

Nicht jeder Schüler kann sich ein Tablet oder Smartphone leisten ...

Natürlich muss ein Schüler, der kein Smartphone oder Tablet besitzt, ein Gerät für den Unterricht gestellt bekommen. Aber inzwischen ist es selbstverständlich, dass wir unser Handy für alle möglichen Dinge nutzen, ob privat oder im Beruf. Warum also nicht in der Schule? Zumindest da, wo es sinnvoll ist, wie etwa beim Bearbeiten von Texten oder Hausaufgaben.

Haben Sie keine Bedenken, dass Schüler durch ihr Handy im Unterricht abgelenkt sind, etwa durch Gruppenchats, und dass sie zudem private Daten in der Schule preisgeben?

Lehrer bekommen das sehr wohl mit, wenn Schüler abwesend sind. Das ist auch ohne Smartphones im Unterricht so. Wir sollten es den Schülern zutrauen, dass sie eigenverantwortlich damit umgehen. Je früher man lernt: Das ist jetzt meine Arbeitszeit, auf die ich mich konzentrieren muss, umso besser. Genauso wichtig ist es, dass Schüler frühzeitig den sicheren Umgang mit ihren Daten lernen.

„Wir werden bei einigen Themen übergangen.“

Neben der Digitalisierung: Welche weiteren Themen sind Ihnen als Schülersprecher im Land Brandenburg wichtig?

Das neue Abitur steht bei mir im Fokus. Mir ist es auch wichtig, dass der Landesschülerrat als Ansprechpartner für die Interessen der Schüler wahrgenommen wird. Oft ist es so, dass Schüler erst aktiv werden, wenn es ein Problem gibt. Vor Ort gibt es viele Möglichkeiten mit uns in Kontakt zu treten, aber auch über unsere Homepage und bei Facebook und Instagram. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass der Unterricht überall den Qualitätsstandards entspricht. Egal wo ich in Brandenburg zur Schule gehe, muss ich eine gute Bildung erhalten.

Wird die Meinung der Schüler von der Politik ausreichend gehört?

Tatsächlich werden wir bei einigen Themen manches Mal übergangen, aber auch die Eltern sind oft nur mäßig an Entscheidungsprozessen beteiligt. Wir würden uns wünschen, dass die Mitwirkung in der Schule einen besonderen Stellenwert hat.

„Die Bildungsministerin wirkt kompetent.“

Haben Sie die neue Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bereits kennengelernt?

Wir sind beide frisch im Amt, sind uns aber schon auf Veranstaltungen begegnet. In den Sitzungen habe ich die Ministerin als kompetente Politikerin erlebt. Der Landesschülerrat hält engen Kontakt zum Ministerium.

Der Stundenausfall in Brandenburg erreichte im vergangenen Jahr einen Höchststand. Wie macht sich das an den märkischen Schulen bemerkbar?

Der Unterrichtsaufall ist punktuell sehr hoch, aber insgesamt recht gering. Schwierig wird es, wenn im laufenden Schuljahr plötzlich Ersatz für Lehrer gefunden werden muss, etwa wenn sie krank geworden sind oder eine Lehrerin schwanger ist.

Warum so viele Schüler Brandenburg nach dem Abi verlassen

Was halten Sie von Quereinsteigern ohne Lehramtsabschluss?

Wir brauchen mehr Lehrer in Brandenburg, von daher ist das ein passabler Weg. Aber unabhängig von der fachlichen Kompetenz darf es an pädagogischer Qualität nicht fehlen.

Zurzeit besuchen Sie die 10. Klasse eines Gymnasiums. Wollen Sie nach ihrem Abitur in Brandenburg bleiben?

Mal sehen. Als junger Mensch kommt es in Brandenburg vor allem auf gute Verkehrsverbindungen an. Wenn die Infrastruktur besser ausgebaut wäre, würden auch mehr junge Menschen hierbleiben.

Von Diana Bade

Brandenburg Flächendeckender Einsatz für Mobilgeräte - Schüler wollen Smartphones im Unterricht
25.01.2018