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Brandenburg Prozessauftakt: Ex-Schulleiter bestreitet Misshandlungsvorwürfe vor Gericht
Brandenburg Prozessauftakt: Ex-Schulleiter bestreitet Misshandlungsvorwürfe vor Gericht
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15:54 03.02.2020
An einer Forster Schule sollen Kinder von einem Schulleiter verprügelt worden sein. Quelle: dpa/Inga Kjer
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Potsdam/Cottbus

Es klingt unglaublich: Der ehemalige Leiter einer Grundschule in Forst (Spree-Neiße) soll Kinder auf den Kopf geschlagen und auch getreten haben. Vor dem Amtsgericht Cottbus hat am Montag der Prozess gegen ihn begonnen. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft dem 45-Jährigen Körperverletzung in 20 Fällen vor. Sieben Kinder der Grundschule in der Kleinstadt Forst seien von September 2015 bis März 2017 davon betroffen gewesen.

Schläge auf den Hinterkopf und ins Gesicht – in 20 Fällen

Der Angeklagte soll in der überwiegenden Zahl der Fälle den Schülern auf den Hinterkopf geschlagen haben, vereinzelt soll es auch zu Tritten und Schlägen ins Gesicht gekommen sein, wie das Amtsgericht mitteilte.

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Zu Prozessbeginn schilderte der ehemalige Schulleiter ausführlich seine Sicht der Dinge und wies dabei die Misshandlungsvorwürfe entschieden zurück. „Es gab keinen Tritt, es gab keinen Schlag auf den Hinterkopf“, sagte er vor Gericht. Zudem habe niemand von den Eltern ein Gespräch mit der Schule gesucht, als die Vorwürfe bekannt wurden. Der 45-Jährige wirkte bei seinen Ausführungen zu den Anklagepunkten ruhig.

Gleichzeitig räumte er einen Vorfall ein, bei dem er einen Schüler habe zurückholen wollen, der unerlaubt den Unterricht verlassen hatte. Er sei dem Jungen nachgegangen und habe ihn an der Schulter angefasst. In diesem Augenblick habe sich der Schüler umgedreht und sei „mit seiner Hand kollidiert“, wie der Angeklagte es beschrieb.

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Der Lehrer für Sport und Naturwissenschaften beschrieb fast alle Schüler, die Vorwürfe gegen ihn erhoben haben, als „verhaltensauffällig“. Einige von ihnen seien sozialpsychologisch betreut worden, unter anderem in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) zur Früherkennung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit drohenden oder manifesten Entwicklungsstörungen.

Einer der Schüler sei von einem Einzelfallhelfer betreut worden, auch während des Unterrichts. Auf die Frage, ob die Einrichtung mit den Schülern überfordert gewesen sei, sagte der ehemalige Schulleiter: „Manchmal schaukeln sich Sachen einfach hoch.“ Der Prozess könnte länger dauern: Die Verteidigung des angeklagten Schulleiters hat das Hinzuziehen externer Sachverständiger beantragt, die die protokollierten Aussagen der Kinder zu den Vorwürfen auswerten sollen. Das könnte Monate dauern.

„Es geht nicht darum, zu sagen, dass die Schüler unglaubwürdig sind“, sagte Anwältin Ria Halbritter. Es gebe aber auf Forschungen basierende Standards für die Vernehmung von Kindern und diese seien nicht eingehalten worden. „Wir haben ein Gewusel von Aussagen und damit lässt sich nicht arbeiten.“ Die Kinder hätten in den Vernehmungen widersprüchliche Aussagen gemacht.

Verteidigung beantragt Einstellung des Verfahrens

Gleich zu Beginn des Prozesses hatte die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens beantragt. Die Vorwürfe zu Tatort und Tatzeit seien unkonkret und unpräzise, argumentierte sie. Bei der Einrichtung in Forst handelt es sich um eine Grundschule in freier Trägerschaft. Etwa 65 Schüler lernen dort gegenwärtig. Für den Prozess wurden zunächst vier Verhandlungstermine angesetzt.

Der Prozess hätte schon Anfang vergangenen Jahres stattfinden sollen, war aber verschoben worden, weil die ursprünglich vorgesehenen Verteidiger ihr Mandat niedergelegt hatten. Eltern hatten den Pädagogen angezeigt. Der Schulleiter reagierte darauf mit einer Selbstanzeige, weil er die Vorwürfe für haltlos hält und entkräften wollte. Das Bildungsministerium hatte dem Mann nach Bekanntwerden der Vorwürfe den weiteren Kontakt mit Schulkindern untersagt.

Lehrer hat Kontaktverbotserklärung unterschrieben

Nach einem Gespräch mit Vertretern des Ministeriums hatte der Beschuldigte auch eine entsprechende Kontaktverbots-Erklärung unterschrieben – obwohl er die Vorwürfe weiter bestreitet. Bei der Einrichtung in Forst handelt es sich um eine Grundschule in freier Trägerschaft. Für den Prozess sind zunächst vier Verhandlungstermine angesetzt.

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Von Julia Kilian

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