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Brandenburg Schulmanager sollen Lehrer von Bürokratie entlasten
Brandenburg Schulmanager sollen Lehrer von Bürokratie entlasten
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00:39 11.05.2018
Angesichts von Lehrermangel und gewachsenen Anforderungen fordert der Brandenburgische Pädagogen-Verband den Einsatz von multiprofessionellen Teams in den Schulen.
Angesichts von Lehrermangel und gewachsenen Anforderungen fordert der Brandenburgische Pädagogen-Verband den Einsatz von multiprofessionellen Teams in den Schulen. Quelle: dpa
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Potsdam

Computer warten, Förderanträge stellen, mit dem Jugendamt verhandeln: Lehrer werden nach Einschätzung des Brandenburger Pädagogenverbands zunehmen durch bürokratische und fachfremde Aufgaben von der eigentlichen pädagogischen Arbeit abgehalten. „Wenn der Bund die Ganztagsschulen ausbauen will, werden diese Aufgaben noch zunehmen“, sagte Verbandspräsident Hartmut Stärker. Außerdem nehme die Zahl der Seiteneinsteiger an den Schulen zu. „Sie müssen fast wie Schüler betreut werden – und das ganz nebenbei.“

Der Verband legte am Dienstag ein Konzept vor, mit dem die Bildungsqualität durch den Einsatz von Fachkräften gestärkt werden soll. Zentrale Forderung: Sogenannte Schulmanager sollen Lehrer und Rektoren im Alltag unterstützen und ihnen die nicht-pädagogische Arbeit abnehmen. „Das Land muss die Lehrer entlasten, damit sie ihrer pädagogischen Funktion gerecht werden“, sagte die Vize-Präsidentin des Verbandes, Christina Adler. Nach ihrer Einschätzung sind die Lehrer inzwischen bis zu 50 Prozent mit nicht-pädagogischen Aufgaben beschäftigt.

Vorbild Treuenbrietzen?

Vorbild könnte Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) sein. Dort hat die Stadt im Frühjahr erstmals einen Schulmanager eingestellt – auf eigene Kosten. Seine Hauptaufgabe sei es zunächst, den Übergang des Gymnasiums in eine Gesamtschule zum kommenden Schuljahr zu koordinieren, erklärte Schulleiter Gerd Ulbrich. „Es gibt viele technische und bürokratische Fragen“, sagte er. Aber auch generell werde der Manager gebraucht: Die Bürokratie und das Berichtswesen habe deutlich zugenommen.

Benötigt würden neben Verwaltungsfachkräften oder Informatiker, auch deutlich mehr Sozialarbeiter und Sonderpädagogen, forderte der Lehrerverband. „Die Förderschulen werden systematisch geschlossen und müssen in Regelschulen aufgefangen werden“, sagte Präsident Hartmut Stärker. Außerdem kämen mehr Kinder ohne deutsche Muttersprache an die Schulen.

Ministerin Ernst hält Versorgung für ausreichend

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) verwies darauf, dass sogenannte multiprofessionelle Teams aus Lehrern und anderen Spezialisten an Schulen längst Alltag seien. Derzeit arbeiteten 355 Sonderpädagogen sowie Erzieher, Sozialpädagogen und Vertreter pflegerischer Berufe in den Schulen. Die Kommunen erhielten Zuschüsse vom Land in Höhe von etwa 2,7 Millionen Euro für 280 Sozialarbeiterstellen.

Dass man eigens noch Manager für Verwaltungsaufgaben brauche, hält sie für überflüssig. Die Schulleitungen bekämen je nach Größe zwischen 12 und 136 Lehrerwochenstunden für die Verwaltung gutgeschrieben, für die es zusätzliches Personal gebe. Das entspricht bis zu fünf zusätzlichen Vollzeitstellen. „Das ist aus unserer Sicht ein gutes Verfahren“, sagte sie der MAZ.

Die Opposition hält eine bessere personelle Ausstattung dagegen für notwendig. „Die Landesregierung muss dazu endlich ein geeignetes Konzept vorlegen“, sagte der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann: „Angesichts des dramatischen Lehrermangels können wir es uns schlicht nicht erlauben, dass Lehrer ihre Zeit damit verbringen, zum Beispiel Statistiken auszufüllen, anstatt Seiteneinsteiger zu unterstützen.“ Bis 2024 müssen in Brandenburg jährlich etwa 1000 neue Lehrer eingestellt werden. Etwa jeder zweite wird künftig Seiteneinsteiger sein.

Von Torsten Gellner