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Brandenburg So werden Schüler zum Retter
Brandenburg So werden Schüler zum Retter
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09:15 19.10.2018
Die Schulsanitäter arbeiten immer in Zweierteams. Quelle: Malteser Hilfsdienst/Tim Tegetmeyer
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Potsdam

Pflaster auf die Wunde und Kühlkompresse auf das schmerzende Knie: Jugendliche Schulsanitäter wissen dank ihrer Ausbildung, was im Notfall im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof zu tun ist. Wie Schüler zu Sanitätern werden, erklärt Lukas Miethke von der Jugendorganisation des Berliner Malteser Hilfsdienstes im MAZ-Interview.

Das Land Brandenburg setzt seit zwei Jahren testweise Schulkrankenschwestern an 20 Schulen ein und will das Programm ausweiten. Sehen Sie das Angebot als Konkurrenz zu dem der Malteser?

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Lukas Miethke: Nein, keiner nimmt den Schulsanitätern ihren Job weg. Im Gegenteil, ich kann mir vorstellen, dass es zu einer guten Zusammenarbeit kommt. Außerdem gibt es einen großen Unterschied: Die Schulkrankenschwestern arbeiten hauptamtlich, unsere Schulsanitäter hingegen sind wie eine Art Mini-Rettungstruppe ehrenamtlich im Einsatz.

Welche Voraussetzungen muss ein Schulsanitäter erfüllen?

Mädchen und Jungen ab der 7. Klasse können Schulsanitäter werden. Sie müssen Zeit für die Lehrgänge mitbringen, an medizinischen Themen interessiert sein und Lust haben, sich zu engagieren.

Beim Schulsanitätsdienst leisten die Schüler Erste Hilfe. Sind sie dazu überhaupt angesichts ihres Alters überhaupt in der Lage?

Ja, weil wir sie dazu an sechs Wochenenden im Jahr und in insgesamt 80 Stunden ausbilden. Dabei geht es nicht nur um die Grundlagen Erster Hilfe, sondern um sanitätsspezifische Inhalte wie bestimmte Tragetechniken. Unsere Schulsanitäter können auch deshalb in der Praxis so gut helfen, weil sie in der Hälfte ihrer Ausbildungszeit lernen, die wichtigsten medizinischen Notfallsituationen in praktischen Übungen und Fallbeispielen zu bewältigen. Anschließend gibt es zwei Tests und eine Abschlussprüfung. Am Ende können die Schulsanitäter theoretisch alles leisten, was ein Einsatzsanitäter kann, abgesehen von der Verabreichung von Medikamenten und der Gerätekunde.

Wie bekommen die Schulsanitäter während ihrer Unterrichtszeit mit, dass ihre Mitschüler und Lehrer in Not sind?

Die Schulsanitäter arbeiten immer in Zweierteams. Jeder ist mit einem Funkgerät und einem Notdiensthandy ausgestattet, über das die Teams im Notfall alarmiert werden. Die Geräte dürfen auch an Schulen genutzt werden, an denen Handys eigentlich verboten sind. Die meisten Unfälle passieren übrigens nicht in den Pausenzeiten, sondern vor allem beim Turnen oder bei Sportfesten.


Welche Verletzungen behandeln die Schüler und ab wann müssen die Profis vom Rettungsdienst übernehmen?

Die Schulsanitäter sind dazu angehalten, Erste Hilfe zu leisten. Sie kleben Pflaster auf die Wunden, messen Blutdruck und beherrschen im Ernstfall sogar die Herz-Lungen-Wiederbelebung. In der Regel sollen sie die fünf Minuten Wartezeit überbrücken, bis der Rettungsdienst kommt. Ob ein Rettungswagen hinzugezogen werden soll, entscheidet nach wie vor die Schulleitung. Aufgabe der Schulsanitäter ist aber nicht nur die Erste Hilfe. Sie müssen vor allem Trost spenden.

Warum hat der Malteser Hilfsdienst den Schulsanitätsdienst ins Leben gerufen?

Unser Anliegen war es, den Schulsanitätsdienst als eigenständiges Angebot aufzubauen, das auf Freiwilligkeit beruht. Die jungen Leute sollen den Schulsanitätsdienst als Möglichkeit wahrnehmen, sich neben der Schule sozial zu engagieren. Das Engagement der jungen Leute ist später auf dem Zeugnis vermerkt. Für Schüler, die früh wissen, dass sie Medizin studieren oder Rettungssanitäter werden wollen, ist es zudem die beste Vorbereitung.

Waren die Lehrer und Mitschüler anfangs skeptisch?

Lehrer haben keinen einfachen Job und ein sehr großes Aufgabengebiet. Sie haben schnell gemerkt, dass es sich bei den Schulsanitätern um eine Gruppe handelt, die sich selbstständig organisiert und sie zusätzlich unterstützt. Auch von ihren Mitschülern werden die Schulsanitäter sehr ernst genommen und genießen eine hohe Akzeptanz. Viele der sehr jungen Menschen träumen davon, ein Held zu sein.  

Schulsanitätsdienst läuft erfolgreich

Bis 2019 arbeiten an 20 Brandenburger Schulen testweise Schulkrankenschwestern. Der Modellversuch soll zeigen, ob Gesundheitspersonal an Schulen notwendig ist. Doch die Kosten belaufen sich auf jährlich 1,4 Millionen Euro. 800.000 Euro steuert das Land bei.

Bereits erfolgreich läuft der Schulsanitätsdienst, den verschiedene Hilfsorganisationen gemeinsam mit den Schulen anbieten. Hierbei setzen die Malteser, die Johanniter-Jugend oder das Deutsche Rote Kreuz auf das Ehrenamt. Schüler werden zu Schulsanitätern ausgebildet, die für ihren Einsatz kein Geld erhalten. Die Idee: Junge Ersthelfer lernen durch ihre Tätigkeit soziale Kompetenzen.

In Brandenburg bieten die Malteser den Schulsanitätsdienst seit 2007 an. Es gibt ihn an der Marienschule in Potsdam, am Bernhardinum in Fürstenwalde sowie demnächst auch am Potsdamer Schillergymnasium. 25 ausgebildete Schulsanitäter stehen ihren Mitschülern und Lehrern in der Not zur Seite.

Auch die Johanniter-Jugend und das Jugendrotkreuz bieten deutschlandweit Schulsanitätsdienste an.

Von Diana Bade